Wenn junge Menschen weiterhin einer Schulschließung ausgesetzt sind, habe dies extrem negative Auswirkungen auf ihren Lernweg, aber auch auf ihr körperliches und geistiges Wohlbefinden und ihre Gesundheit, die allgemeine Entwicklung und ihre Sicherheit, zitieren sie aus verschiedenen wissenschaftlichen Studien.
Unicef und die belgischen Kinderärzte stellen fest, dass vor allem über die sozialen Medien viel Druck ausgeübt wird, die Schulen wieder zu schließen – jetzt, da die Corona-Varianten auf dem Vormarsch sind, und ein Anstieg der Fälle von positiv getesteten Kindern zu beobachten ist. „Wir als Kinderärzte, Kinderpsychiater, Psychologen und Anwälte für Kinderrechte, argumentieren stattdessen, dass es angemessen und gerechtfertigt ist, die Schulen vollständig offen zu halten“, heißt es in einer Presseerklärung am Donnerstag. Sie warnen: Die negativen Auswirkungen einer Schulschließung werden in verschiedenen Bereichen und bei einer ganzen Generation zu spüren sein.
Nicht nur ihre Entwicklung, Gesundheit und Sicherheit werden beeinträchtigt: „Ohne das strukturierende, sinnstiftende und entwicklungsfördernde Angebot der Schule verschlechtern sich (auch) die körperliche Verfassung und das psychische Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen erheblich.“ Darüber hinaus sei eine Reihe von Kindern und Jugendlichen besonders gefährdet durch häusliche Gewalt und Missbrauch, übermäßigen und schädlichen Umgang mit dem Internet und den Verzicht auf körperliche Betätigung. „Dies vergrößert das Ungleichheitsgefälle und die soziale Ausgrenzung. Der Anteil junger Menschen, die in Armut leben und die Schule ohne Ausbildung und Abschluss verlassen, steigt, mit nachhaltigen Folgen für ihre Gesundheit und Beschäftigung.“
Die Kinderärzte empfehlen daher, Schulschließungen so weit wie möglich zu vermeiden und sie nur als „letzten, vorübergehenden und lokalen Ausweg“ einzusetzen. Kinder und Jugendliche sollten daher als eine gefährdete Prioritätsgruppe betrachtet werden.
Epideiologen: „Kinder im Schulalter sind nicht die treibende Kraft hinter der Epidemie.“
„Die vollständige Wiedereröffnung der weiterführenden Schulen muss Priorität haben. Es muss alles getan werden, um dies so sicher wie möglich zu machen. Wenn eine Schulschließung als unvermeidbar angesehen wird, muss es klare Sicherheitsvorkehrungen geben. Zum Beispiel die Sicherstellung von Unterricht und Nachbereitung – vorübergehend aus der Ferne – und die Gewährleistung von Präsenzunterricht für gefährdete Jugendliche und Kinder, deren Eltern nicht zu Hause arbeiten können. In jedem Fall muss die Kontakterziehung das Ziel bleiben“, heißt es weiter in der Mitteilung.
Die Kinderärzte weisen außerdem darauf hin, dass eine Zunahme von Infektionen nicht von den Schulen ausgehte, sondern von anderen Clustern in der Gemeinde: „Epidemiologen behaupten fast einstimmig, dass Kinder im Schulalter nicht die treibende Kraft hinter der Epidemie sind.“
Gleichzeitig deuten laufende Studien mit Virusvarianten darauf hin, dass Kinder weder spezifisch anfälliger für eine Infektion noch signifikant stärker gefährdet sind. „Auch Kinder können das Virus übertragen, allerdings weniger leicht als Erwachsene. Das gilt für die ursprüngliche Variante, aber wahrscheinlich auch für die potenziell infektiöseren neuen Varianten.“
Außerdem sei das Schulpersonal nicht als höheres relatives Risiko als die allgemeine Bevölkerung einzustufen. Lehrer seien nicht vermehrt mit dem Virus infiziert als andere Berufsgruppen. Allerdings plädieren die Kinderärzte ebenso wie der flämische Bildungsminister Ben Weyts (N-VA) dafür, das Schulpersonal als prioritäre Gruppe innerhalb der Impfstrategie anzuerkennen. Dies sollte das Risiko einer weiteren Ausbreitung und von Infektionsclustern begrenzen. (belga/mv)

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