Mord mit homophobem Hintergrund: Drei minderjährige Tatverdächtige stellten sich selbst der Polizei

<p>In einem Park im ostflämischen Beveren ist am Wochenende ein Homosexueller Opfer eines Gewaltverbrechens geworden.</p>
In einem Park im ostflämischen Beveren ist am Wochenende ein Homosexueller Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. | Foto: belga

So kündigte die flämische Organisation Çavaria, die sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen (LGBTQI+) einsetzt, am Montag an, eine Zivilklage einreichen zu wollen. „Es ist unsere ganze Gemeinschaft, die von diesem Verbrechen betroffen ist“, sagte Lozano Lafertin, Koordinator von Çavaria.

Die Leiche des Opfers, ein 42-jähriger Mann aus Sint-Niklaas, wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Ostflandern am Samstag in einem Park in Beveren entdeckt. Die Leiche wies schwere Spuren von Schlägen auf. Mehrere flämische Medien berichteten von einem homophoben Verbrechen, bei dem das Opfer unter dem Vorwand einer Verabredung über eine Dating-App in den Park gelockt und von drei Minderjährigen angegriffen worden sein soll.

Die drei Verdächtigen, die im Zusammenhang mit dem Mord an dem 42-Jährigen am Samstag in einem Park in Beveren festgenommen wurden, sind alle minderjährig. Der jüngste ist 16 Jahre alt und lebt in Kieldrecht (einem Ortsteil der Gemeinde Beveren), während die beiden anderen 17 Jahre alt sind und aus Antwerpen sowie aus Verrebroek (Gemeinde Beveren) stammen. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Montag mit. Wie ebenfalls verlautete, haben sich die drei Jugendlichen selbst der Polizei gestellt. Wie am Montagnachmittag verlautete, würden die Tatverdächtigen noch verhört. Unklar seien die Umstände, die zu der Tat geführt haben. Bereits am Sonntag hatte sich der 17-Jährige aus Antwerpen der Polizei gestellt. Am Montag wurde seine Akte einem Jugendrichter in Antwerpen übergeben, der entschied, den Tatverdächtigen in der geschlossenen Jugendanstalt in Everberg unterzubringen. Wie verlautete, sollen die beiden anderen Jugendlichen am Dienstag dem Jugendrichter von Termonde vorgeführt werden.

Als gemeinnützige Organisation, die sich für die Rechte von LGBTQI+-Menschen einsetzt, hat Çavaria angekündigt, eine Zivilklage einzureichen, um in die derzeit laufenden Ermittlungen einbezogen zu werden. Für den Verein ist es wichtig, dass die Gesellschaft als Ganzes auf diese Tat reagiert.

Der Bürgermeister von Beveren, Marc Van de Vijver (CD&V), sagte seinerseits am Montag: „Mit Entsetzen und Erstaunen erfuhr ich die Nachricht. Ich hoffe, dass sich solche Ereignisse nie mehr wiederholen werden. Die Täter müssen verhaftet und hart bestraft werden, damit so etwas nie wieder passiert.“

„Wir sind zutiefst schockiert über die homophobe Straftat in Beveren. Es ist erschreckend“, twitterte Premierminister Alexander De Croo (Open VLD) am Montag. Auch Innenministerin Annelies Verlinden (CD&V) verurteilte das Verbrechen: In unserer Gesellschaft dürfe es keinen Platz für homophobe Gewalt geben. „Die Tat in Beveren ist völlig inakzeptabel“, so Verlinden. Sarah Schlitz (PS), Staatssekretärin für Gleichstellung und Chancengleichheit, twitterte ihrerseits: „Es ist schrecklich und inakzeptabel, dass jemand wegen eines Menschen, den er oder sie liebt, getötet wird.“ Sie kündigte an, dass die Regierung in den kommenden Jahren härter gegen Hassverbrechen vorgehen werde.

Auch Außenministerin Sophie Wilmès (MR) verurteilte Hassverbrechen in aller Deutlichkeit. „In Belgien kann unsere Geschlechtsidentität und/oder sexuelle Orientierung trotz der Fortschritte in diesem Bereich zu Gewalt und sogar zum Tod führen. Und das ist völlig inakzeptabel. Meine Gedanken sind bei der Familie und den Freunden des Opfers.“ (belga/mv/um)

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