Christian Manzanza stand in der Metro an der Station Maelbeek, als sich unweit von ihm ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengte. Über vier Jahre nach diesem Tag äußerte er sich gegenüber der RTBF zu seinen Erlebnissen, seinen Erwartungen an den Prozess, seinen psychologischen Zustand und seine Belastbarkeit.
„Alles wurde falsch gemacht“, betonte Manzanza am Montagmorgen in Bezug auf die Opferbetreuung nach den Anschlägen: „Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, gaben sie mir eine Karte. Ich sollte Kontakt mit einer Krankenschwester, einem Psychiater oder einem Psychologen haben. Aber als ich anrief, war niemand am anderen Ende der Leitung. In meiner Familie haben wir die Dinge also auf unsere Weise gemacht.“
Am Osterwochenende sei Manzanza gezwungen gewesen, von einer Notapotheke zur nächsten zu fahren, um nach Materialien zur Behandlung seiner Verbrennungen zu suchen. Die psychologischen Folgen sind laut dem Überlebenden immer noch nicht völlig verschwunden: „Ich habe immer noch sehr starke Schlafprobleme und Rückenschmerzen, ich bin seit diesem Tag nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Ich kann das nicht, ich bin nicht bereit.“
Er wisse nicht, ob es seine eigene Schuld gewesen sei, und er hoffe, dass es für andere besser gelaufen ist, aber nach seinen Aussagen wurde Christian Manzanza erst später zu einem Opfer der Angriffe erklärt. Manzanza: „Als ich mit anderen Opfern sprach, wurde mir klar, dass ich von einem Sozialarbeiter hätte betreut werden sollen.“
Der Beginn des Prozesses am Montag ist ein entscheidender Punkt für Christian Manzanza, es ist für ihn eine „Frage der Wiedergutmachung“. „Für mich ist es wichtig, dass diejenigen, die diese Taten begangen haben, verurteilt werden. Dann wird dieser Prozess es ermöglichen, bestimmte Mängel aufzuzeigen, um zu sehen, was die nationale Sicherheit hätte tun können“, so der junge Mann, der am Donnerstag vor dem Gericht seine Aussage machen soll. Und in diesem Zusammenhang werde es wohl auch eine Gelegenheit für den Staat sein, den Mangel an Unterstützung einzugestehen.
Der Prozess wird sich über Monate hinziehen, nicht ohne Auswirkungen auf die Überlebenden. „Es kann eine Tortur für die Opfer sein, denn es geht hier um ein Trauma, und der Gerichtsprozess kann lange dauern.“
Christian Manzanza sieht sich selbst als Opfer eines Attentats. Dennoch versucht er, im Leben voranzukommen. „Es braucht viel Widerstandskraft. Das Leben muss weitergehen. Ich habe ein Kind, für das ich kämpfen muss. Ich kann mir nicht sagen, dass mein Leben hier endet.“ Wenn man jetzt darüber nachdenke, was passiert sei, könne er froh sein, wie viel Glück er hatte. „Wir gingen durch das Nadelöhr. Das stimmt wirklich. Da ich heute weiß, wie nahe ich bei diesem Terroristen stand, sollte ich eigentlich nicht hier sein, um mit Ihnen zu sprechen. Eigentlich müsste ich tot sein.“ (rtbf/mv)

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