Ein Jahr Flick bei den Bayern: Der „nette Hansi“ macht sein Ding

<p>In einem Jahr unter Hansi Flick haben die Bayern alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.</p>
In einem Jahr unter Hansi Flick haben die Bayern alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. | Foto: belga

Ja, der „nette Hansi“ kann auch anders. Die hohen Herren bei Bayern München haben das gerade erst wieder zu spüren bekommen, als ihr Trainer ihnen ziemlich unverblümt vorhielt, dass sie für Unruhe sorgten. Dass Präsident Herbert Hainer und Sportvorstand Hasan Salihamidzic die Verhandlungen mit David Alaba öffentlich für gescheitert erklärten, missfiel Hansi Flick (55). Und es war nicht das erste Mal, dass er den Chefs ebenfalls öffentlich zu verstehen gab: nicht mit mir.

Es ist eine Emanzipation, die so nicht unbedingt abzusehen war, als Flick vor einem Jahr vom Assistenztrainer von Niko Kovac zu dessen Nachfolger auserwählt wurde. Doch eine Woche nach dem längst legendären 1:5 bei Eintracht Frankfurt coachte er die Bayern am 9. November 2019 zu einem 4:0 gegen: Borussia Dortmund. Die Chefs waren beeindruckt, ließen Flick erst mal „bis auf Weiteres“ auf seinem Posten, ehe sie an Weihnachten endlich einsahen: Wir finden keinen besseren Trainer mehr.

160 Tore in 48 Spielen ist in dieser Zeitspanne Bestwert in Europa.

„Nicht immer ganz einfach“ sei dieses anfängliche Zögern gewesen, hat Flick eingeräumt. Doch aus der Ruhe bringen ließ er sich nicht. Er machte einfach sein Ding. Und wie. Meister. Pokalsieger. Die Champions League gewonnen. Den europäischen und den deutschen Supercup gewonnen. Von den 48 Spielen unter seiner Regie nur eines unentschieden gespielt und gerade mal drei verloren, gegen Leverkusen, gegen Gladbach und neulich gegen Hoffenheim. Nicht der Rede wert.

Flick ist neulich zum Trainer des Jahres in Europa gewählt worden, in Deutschland ja sowieso, aber er hat darauf ebenso bescheiden reagiert wie in diesen Tagen auf die Frage, ob das vergangene Jahr denn das schönste seiner Karriere als Trainer gewesen sei. „Ich könnte jetzt mit Ja antworten“, sagte er da, um dann typisch flickisch fortzufahren, dass ihn beeindrucke, wie die Mannschaft auf und neben dem Platz auftrete, und wie sensationell sein Trainerteam sei.

„Man kann nicht erfolgreich sein, wenn nicht alle an einem Strang ziehen“, betonte Flick immer wieder. Gerne unerwähnt lässt er dabei, dass ja tatsächlich er es ist, der den Laden zusammenhält, und dass es deshalb auch „seine“ Erfolge sind. Unter Flick hat der FC Bayern einen deutschen Rekord von 23 Pflichtspielsiegen nacheinander aufgestellt, unter Flick hat der FC Bayern in den 48 Spielen 160 Tore erzielt, das ist in dieser Zeitspanne Bestwert in Europa.

Erfolge machen selbstbewusst, und im Falle Flicks hat das vergangene Jahr auch dessen Profil geschärft. Er gilt zurecht als „Spielerflüsterer“, doch im Gegensatz zu Kovac erweckt er zumindest nach außen nicht den Eindruck, als wolle er es jedem recht machen, zuvorderst den Alpha-Tieren in der obersten Etage an der Säbener Straße. Flick hat seine Linie, er vertritt sie zur Not auch mal öffentlich wie schon im Winter, als er bei Salihamidzic unmissverständlich Transfers einforderte.

Der Mannschaft tut Flick jedenfalls gut, das ist nicht zu übersehen. Es sei schon, sagte er selbst vor dem Spitzenspiel bei Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr), „herausragend, was wir in den letzten Wochen und Monaten geleistet haben“. Und ein wichtiger Grund dafür ist, dass der „nette Hansi“ zur Überraschung seiner Vorgesetzten auch mal der „harte Hansi“ sein kann. (sid)

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