Dass Jess Thorups Engagement nur etwas mehr als einen Monat und eine Handvoll Pflichtspiele dauern würde, war am Freitagabend noch nicht abzusehen. Da führte der 50-Jährige den KRC Genk zum 4:0-Erfolg über die AS Eupen. Es war sein fünftes Spiel, keinmal ging er als Verlierer vom Platz. Doch auch der Anstieg auf Tabellenplatz fünf reichte Thorup nicht zur vollkommenen Zufriedenheit. Das zeichnete sich im Laufe des Wochenendes ab und stand am Montagmorgen fest. Er unterschrieb einen Vertrag bis Sommer 2024 beim FC Kopenhagen. Am Montagnachmittag wurde er, nachdem er sein erstes Training geleitet hatte, offiziell vorgestellt. „Es brauchte schon etwas Besonderes, um mich gerade jetzt zu einer neuen Herausforderung zu bringen. Aber die Möglichkeit, Trainer des FCK zu werden, bekomme ich wahrscheinlich nur einmal in meiner Karriere“, begründet Thorup auf seiner ersten Pressekonferenz beim neuen Klub.
Bereits zuvor hatte er auf der Genker Vereinsseite eine ähnliche Erklärung geliefert: „Seit dem ersten Tag habe ich mich beim KRC Genk heimisch gefühlt. Die Spieler, das Personal, der Vorstand und alle anderen Vereinsmitglieder bilden eine große Familie. Und Genk ist eine sehr schöne Stadt, in der die Unterstützung für den Klub spürbar ist“, so Thorup: „Aber in mein Heimatland zurückzukehren und einen der größten Klubs Skandinaviens trainieren zu dürfen, ist eine große Chance, die man nur einmal im Leben erhält. Ich habe diese Entscheidung gemeinsam mit meiner Familie getroffen.“ Dem KRC Genk wünsche er weiterhin jeden möglichen Erfolg. „Das ist in Bezug auf Genk natürlich eine spezielle Situation, aber das in Kopenhagen ist eben eine besondere Chance. Ich konnte einfach nicht Nein sagen, auch wenn es mir leid tut, Genk so zu verlassen.“
Ähnlich wie in Genk soll Jess Thorup auch in Kopenhagen einen verpatzten Saisonstart korrigieren.
Vor gut zwei Jahren kam Thorup als Trainer von AA Gent nach Belgien, die Genter führte er im vergangenen Frühjahr zur Vizemeisterschaft. Doch die Zusammenarbeit wurde aufgrund des miserablen Saisonstarts Ende August jäh beendet. Am 24. September stellte Genk den Dänen als Nachfolger von Hannes Wolf vor, nun müssen sich die Limburger erneut auf die Trainersuche begeben. Vorerst fungiert Domenico Olivieri als Interimstrainer, ihm wird von Michel Robeiro unter die Arme gegriffen. Der Landesmeister von 2019 reagierte auf seiner Internetseite „überrascht und enttäuscht“. Er „bereut, dass Jess uns nach so kurzer Zeit und einer Serie ausgezeichneter Resultate schon wieder verlässt.“
Über die Anfrage seines neuen Arbeitgebers zeigte sich Thorup stolz: „Der FC Kopenhagen ist ein Klub mit großer Historie. Natürlich habe ich die Superliga (Dänemarks höchste Spielklasse, A.d.R.) auch von Belgien aus kontinuierlich verfolgt und mir einige Spiele von Kopenhagen angeschaut. Mir ist bewusst, dass ich bei einem großen Verein mit vielen talentierten Verantwortlichen anfange.“ Viel Vertrauensvorschuss erhielt Thorup von seinem neuen Präsidenten, Bo Rygaard: „Er war von Tag eins an unser Favorit gewesen. In den letzten Jahren hat er sich sowohl in Dänemark, als auch in Belgien bewiesen und kennt darüber hinaus den dänischen Fußball.“ Und auch William Kvist, Kopenhagens Sportdirektor, ist voll des Lobes: „Jess ist ein bekannter und sehr respektierter Trainer, der sich in jeder Liga, in der er arbeitete, einen Namen gemacht hat. Wir wissen, dass er unseren Spielstil versteht, zeitgleich weiß er auch, wo wir uns noch verbessern und weiterentwickeln können.“
Beim dänischen Rekordmeister (zuletzt 2019) findet Thorup eine ähnliche Situation vor wie bei seiner Ankunft in Genk. Kopenhagen belegt nach nur drei Siegen in sieben Spielen Tabellenplatz acht von zwölf. Der Klub hinkt seinen Ansprüchen hinterher. Anfang Oktober kostete der schwache Saisonstart den früheren Kölner Stale Solbakken den Job.

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