Wie Nike-Laufasse wie Eliud Kipchoge beschleunigen

<p>Marathonläufer Eliud Kipchoge (Mitte, mit weißem Leibchen) ist als erster Mensch einen Marathon in weniger als zwei Stunden gelaufen.</p>
Marathonläufer Eliud Kipchoge (Mitte, mit weißem Leibchen) ist als erster Mensch einen Marathon in weniger als zwei Stunden gelaufen. | Foto: dpa

Als sich Eliud Kipchoge am Morgen seines historischen Laufs in Wien der Öffentlichkeit zeigte, rieben sich viele Zuschauer verwundert die Augen: Mit diesen klobigen Schuhen will der feingliedrige Mann aus Kenia als erster Mensch den Marathon unter zwei Stunden rennen?

Nach seinen 1:59:40 Minuten jubilierte auch sein Ausrüster. Denn das technische Wettrüsten im Sport hat mittlerweile selbst das Laufen erreicht.

In diesem Jahr purzelten die Bestzeiten im Marathon so oft wie selten zuvor: Kipchoge lief unter Laborbedingungen die 42,195 Kilometer in weniger als zwei Stunden. Seine kenianische Teamkollegin Brigid Kosgei unterbot den Weltrekord der Frauen um satte 81 Sekunden. Auffällig: Beide liefen in Nike-Schuhen mit integrierten Carbonplatten in der dicken Sohle.

„Mit dem Schuh läuft man einfach schneller. Der Puls ist bei gleichem Tempo niedriger“, erklärt ein Insider. Studien dokumentieren deutlich schnellere Zeiten bei gleichem Kraftaufwand. Die Spezialschuhe haben eine kontroverse Debatte ausgelöst. Viele Spitzenläufer beklagen, sie könnten die Exemplare aufgrund von Sponsorenverträgen mit anderen Ausrüstern nicht tragen. Brechen Weltklasse-Läufer die Ausrüster-Vereinbarungen, drohen Vertragsstrafen bis zu 20.000 Euro. Manche tricksen einfach: Der Äthiopier Herpassa Negasa lief mit den Nike-Schuhen Anfang des Jahres den Marathon in Dubai - er übermalte sie im Design seines Sponsors Adidas. Nachdem er seine Bestzeit um beinahe sechs Minuten unterboten hatte, flog der Schwindel auf und es gab mächtig Ärger. Immerhin sicherte er sich mit dem zweiten Platz ein Preisgeld von 40.000 Dollar (rund 36.000 Euro).

Einige Athleten haben sich nach Angaben des britischen Blattes „The Guardian“ mit der Ansinnen an den Leichtathletik-Weltverband IAAF gewandt, den Schuh zu verbieten. Das Wetteifern um die Bestzeiten solle nicht in ein Wettrüsten der Ausstatter münden. Die IAAF berät sich bereits mit Wissenschaftlern. Die Debatte erinnert auch an jene im Schwimmen: Die High-Tech-Ganzkörperanzüge wurden 2010 verboten.

Einige Ausrüster haben reagiert. Sie versuchen, eigene Prototypen auf dem Markt durchzusetzen - wie Asics mit dem Modell des deutschen Ironman-Siegers Jan Frodeno. Die französische Laufschuhfirma Hoka One One verkauft bereits einen neu entwickelten Schuh mit integrierter Carbonplatte.

Olympiasieger Kipchoge trug bei seinem Lauf in Wien, der auch wegen der grundsätzlich von der IAAF nicht zugelassenen Prototypen als Weltrekord nicht anerkannt wurde, sogar eine Weiterentwicklung des Vaporfly. Im vorderen Teil sind zwei Luftkapseln integriert, die den Läufer bei jedem seiner Schritte nach vorne katapultieren sollen. Carbonplatten in der Sohle sorgen für eine gleichmäßige Belastung des Fußes. Die Platten sollen dem Läufer das Gefühl geben, dass er die ganze Zeit bergab läuft. Die Luftkissen stellen demnach im Zusammenspiel mit dem Carbonplatten ein federndes Element dar. (dpa)

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