Die beste Basketball-Liga der Welt erlebt noch vor dem Start in die Saison stürmische Zeiten. Grund dafür ist ein durch einen simplen Tweet entstandener Streit mit China und ein daraus folgender beinahe bizarrer Interessenkonflikt: Die nordamerikanische Profiliga will immer mehr Geld und immer mehr Aufmerksamkeit, sie will aber auch gleichzeitig die freie Meinungsäußerung wahren.
Angefangen hat die Causa China für die NBA mit Houston-Rockets-Manager Daryl Morey, der in einem Tweet schrieb: „Fight for Freedom – Stand with Hong Kong“ (Kämpft für die Freiheit, unterstützt Hongkong). Sieben Worte, die für das Milliarden-Business NBA immense Folgen auf ihrem größten Außenmarkt hatte, auch wenn Morey den Tweet löschte und in weiteren Posts anfügte: „Meine Tweets gehören mir und repräsentieren in keiner Weise die Rockets oder die NBA.“
In China interessierte diese Relativierung nicht mehr groß – oder besser gesagt überhaupt nicht. Der Staatssender CCTV stoppte seine Übertragung von NBA-Spielen in der Vorbereitung, Medientermine wurden abgesagt und lange Zeit im Reich der Mitte angesetzte Partien fanden unter gespenstischen Bedingungen statt. Beim Duell der Brooklyn Nets mit den Los Angeles Lakers um Superstar LeBron James bekamen alle Profis gewissermaßen einen Maulkorb verpasst. Alle üblichen Interviewmöglichkeiten wurden gestrichen, eine Pressekonferenz mit NBA-Commissioner Adam Silver abgesagt.
Die NBA mühte sich redlich, den Zwist mit seinem größten Markt nicht weiter eskalieren zu lassen. Denn es habe schon „substanzielle“ finanzielle Verluste gegeben, wie Silver einräumte. Dennoch blieb der 57-Jährige bei seinem Standpunkt: „Wir wollten, dass wirklich jeder versteht, dass wir freie Meinungsäußerungen unterstützen.“ Werte wie Gleichheit, Respekt und freie Meinungsäußerung würden die NBA prägen - und würden dies auch weiterhin tun. Entsprechend folgenlos dürfen auch erste chinesische Forderungen nach einer Entlassung Moreys bei den Rockets bleiben.
Dabei böte die NBA nach einem verrückten Transfersommer auch sportlich jede Menge Gesprächsstoff. Die beiden vermeintlich größten Titelanwärter kommen in diesem Jahr beide aus Los Angeles – der 16-fache Champion Lakers um den vor einem Jahr als Heilsbringer verpflichteten James sowie die Clippers, die bisher nur dadurch auffielen, im Schatten des Stadtrivalen zu stehen. In der Nacht zu Mittwoch (MEZ) kommt es gleich zum Saisonauftakt zum brisanten Aufeinandertreffen der Los-Angeles-Rivalen.
Im Sommer haben beide Teams kräftig nachgelegt: die Lakers verpflichteten unter anderem Anthony Davis, um die Mannschaft um Superstar LeBron James zu verstärken. Die Clippers haben in Kawhi Leonard immerhin den wertvollsten Spieler der Finalserie von den Toronto Raptors sowie in Paul George einen weiteren Top-10-Spieler der Liga verpflichtet.
Auf eines dürfen sich die Basketball-Fans in der neuen Saison gewiss freuen: Mehr Spannung und neue Gesichter im Titelkampf. Die jahrelange Dominanz der Golden State Warriors, die zuletzt fünfmal in Serie in den Finals standen, dürfte vorbei sein, nachdem Kevin Durant (Wechsel nach Brooklyn) und Klay Thompson (Kreuzbandriss) zunächst oder gar nicht mehr zur Verfügung stehen. Neben den LA-Teams gelten die Milwaukee Bucks um Giannis Antetokounmpo als heißer Titelkandidat. Auch die von Morey zusammengestellten Rockets um James Harden sind ein echtes Topteam. (dpa)

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