Laut einer jüngsten Erhebung der NZZ (Neue Züricher Zeitung) träumen siebzig Prozent der Studienabgänger , die aus Generation „Y“ hervorgehen, von Wohneigentum - und sparen intensiv auf dieses (althergebrachte) Ziel hin.
Ein Widerspruch? Auf den ersten Blick schon. Aber nicht wirklich! Die Generation „Y“ ist in der er- und gelebten Erfahrung aufgewachsen, dass nichts (mehr) sicher ist. Schulische Reformen, bedrohte Renten, explodierende Mieten, kriselnde Finanzmärkte, gewissenlose Börsenzocker, aufkeimende Wirtschaftskriege, klimatische Einschnitte, twitternde Politclowns - alle-samt Erlebnisse und Ereignisse, die in teils brutaler Weise zeigen, dass und wie schnell sich Dinge ändern können.
Ihren Selbstzerstörungsdrang, für die Generation „X“ noch vielfach stilprägend, haben sie bis dahin höchst effizient in einem Mix aus zu viel Jägermeister und Red Bull ertränkt. Nicht selten während ihres Erasmus-Semesters zwischen Dublin und Valletta.
Die Folge: Die um sich greifende Unsicherheit kontert die Generation „Y“ mit radikaler Vernunft. Sie studiert rasch und zeitintensiv, weiß dank ihrer vielen Praktika meist gut, in welche Richtung es beruflich geht. Jedenfalls sind viele überzeugt, dass die sicherste Investition jene in die eigenen vier Wände ist.
Auch da die „Digital Natives“ nicht selten in ihren eigenen vier Wänden ihr Büro „aufschlagen“. Zumindest zeitweise. HomeOffice wird in den nächsten Jahren noch stärker als bisher zum „modus operandi“ einer Generation, der ungemein viel an „Work-Life-Balance“ gelegen ist.
Auf den obligaten Stellplatz in der Tiefgarage verzichten sie dabei gerne, nicht jedoch auf einen abgetrennten Bereich, um ihr E-Bike sicher abzustellen, mit dem sie, Laptoprucksack auf dem Rücken, mal kurz einen Abstecher ins Büro machen.
Laut Zahlen einer Infratest-Umfrage sehen drei Viertel der Menschen zwischen zwanzig und dreißig das Eigenheim als attraktive Altersvorsorge. Kein Wunder angesichts der um sich greifenden Ängste um die Rente, die - im Gegensatz zur verbrieften Aussage von Norbert Blüm - längst nicht mehr sicher sind. Vor allem nicht, wenn Generation „Y“, dann Mitte Sechzig, endlich darauf Zugriff hätte.
Zugegeben... Derlei Umfragen geben meist Bausparkassen oder Versicherungen in Auftrag. Unternehmen also, die zu Gott beten müssen, dass die Ergebnisse auch wahr werden. Dennoch passt sich der Traum vom Eigenheim nahtlos ein in das Bild einer nachrückenden Generation, für die am Sonntagabend der „Tatort“ zur heiligen Kuh aufgestiegen ist, die zunehmend Grün wählt und spätestens mit Mitte Dreißig heiratet. Übrigens zunehmend auch wieder vor dem Altar, nicht allein nur am Standesamt.
Dieselben selbstbewussten und kreativen HomeWorker, die ein Auto lieber sharen als sich ein eigenes ans Bein zu binden, sind offenbar bereit, sich freudig ins folgenschwerste finanzielle Abenteuer ihres Lebens zu stürzen - das Eigenheim. Wofür die Generation „Y“ auch die Jahre nimmermüden Fleißes und materieller Entbehrung im Vorfeld des Immobilienkaufes geduldig erträgt, mit der stillen Überzeugung moralischer Rechtschaffenheit.
Und im Eingeständnis, sich letztlich doch nicht ganz frei machen zu können vom zuvor angeprangerten „Spießer“-Image. Nicht selten fußt ihre Neo-Biedermeier(ei) auch auf dem Gefühl, nach Jahren des beruflichen Nomadentums endlich irgendwo ankommen zu wollen. Und setzen urplötzlich auf „Betongold“ als zukunftsorientierte Rendite.
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