Experten über Salmonellen-Ausbruch in Brügge: „In den besten Haushalten kann etwas schiefgehen“

Die Hotel- und Tourismusschule Spermalie hat so einen guten Ruf, dass auch der Königliche Palast auf die Kunst der Lehrlinge baut: Die Studenten werden immer mal wieder für Empfänge gebucht. Für Königin Mathilde (links) Grund genug, im Oktober 2017 der Bildungsstätte einen Besuch abzustatten.
Die Hotel- und Tourismusschule Spermalie hat so einen guten Ruf, dass auch der Königliche Palast auf die Kunst der Lehrlinge baut: Die Studenten werden immer mal wieder für Empfänge gebucht. Für Königin Mathilde (links) Grund genug, im Oktober 2017 der Bildungsstätte einen Besuch abzustatten. | Foto: belga

In der Hotel- und Tourismusschule Spermalie haben sich am vergangenen Freitag Salmonellen breit gemacht: fünf Fälle wurden offiziell nachgewiesen. Damit aber nicht genug, denn von den 400 Studenten der renommierten Bildungsstätte haben sich 150 so sehr den Magen verdorben, dass sie seit Freitag dem Unterricht fernbleiben.

Was genau den Durchfall und die Bauchschmerzen bei den Studenten ausgelöst hat, ist bis dato aber noch völlig unklar. „Wurde bei einer Zubereitung ein Fehler gemacht oder wurde infiziertes Essen geliefert? Ich kann es leider noch nicht sagen. Das Problem ist, dass man keine Salmonellen riechen oder sehen kann. Das gestaltet die ganze Sache eben extrem schwierig“, äußert sich Schuldirektor Koen Declerck gegenüber der Tageszeitung „Het Laatste Nieuws“: „Wir sehnen uns einfach nach Klarheit.“ Und dafür soll die Föderale Agentur für Lebensmittelkontrolle (Afsca) sorgen, die noch am Freitagnachmittag in allen Küchen der Schule Kontrollen durchgeführt und Proben entnommen hat. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist, ist noch nicht absehbar.

Schuldirektor Koen Declerck betitelte den gesamten Vorfall unterm Strich als „furchtbar ärgerlich“. In den Augen von Mieke Uyttendaele, Professorin für Lebensmittelsicherheit an der Universität Gent, ist der Zwischenfall aber nicht unbedingt eine Schande. „In den besten Haushalten kann etwas schiefgehen. Jetzt geht es darum, die Quelle zu finden und daraus Lehren zu ziehen“, meint sie. Außerdem sei eine salmonellenfreie Produktionskette reine Utopie. „Bakterien sind überall. Wir können nur versuchen, sie so gut es geht zu kontrollieren.“

Für ihren Unikollegen Filip Van Immersee, der in der veterinärmedizinischen Fakultät ansässig ist, sei das Risiko, dass mal etwas schiefgeht, an Orten, an denen mit vielen verschiedenen Produkten gekocht wird, eben einfach größer.

Und schief geht es in Belgien jedes Jahr zwischen 2.500 und 3.000 Mal – so viele Salmonellen-Infektionen werden zumindest offiziell registriert. „Zwischen 1990 und 2000 gab es noch rund 15.000 Fälle pro Jahr“, erklärt Wesley Mattheus von Sciensano, dem ehemaligen wissenschaftlichen Institut für Volksgesundheit. Nach seinem Wissen hätten vor allem ein verbesserter Schlachtprozess und ein stärkeres Bewusstsein für die Lebensmittelsicherheit und -hygiene die Anzahl der Infektionen deutlich reduziert.

Salmonellen mögen es schön warm

Eine Vergiftung mit Salmonellen äußert sich meist durch starke Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Fieber und kann bei Kindern sowie kranken oder alten Menschen im Extremfall sogar zum Tod führen. Zahlenmaterial gibt es hierzu für Belgien aber nicht.

„Rohes Fleisch, vor allem Schwein und Geflügel, sowie rohe Eier zählen zu den Hauptquellen für Salmonellen“, erklärt Filip Van Immersee gegenüber der Zeitung „Het Laatste Nieuws“. Die Bakterien fühlen sich laut dem Experten vor allem bei Temperaturen um die sieben bis 45 Grad wohl und vermehren sich dann rasch – „je wärmer es ist, desto schneller“. Vernichten lassen sich die Keime laut Van Immersse mit ausreichender Hitze: „Abtöten kann man Salmonellen, indem man sie für mindestens zehn Minuten bei über 70 Grad Celsius erhitzt.“ (calü)

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