Die Erinnerungen an das knappe 1:0 vor zwei Jahren sind noch frisch. „Ich will diesen Moment noch einmal genießen, wenn der Abpfiff ertönt, und du weißt, du bist Europameister. Den Pokal in der Hand halten und feiern“, sagte Nadiem Amiri, Mittelfeldspieler von Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim.
Tah: „Wir haben uns angeguckt und gesagt: Wir kommen aus dieser Scheiße nur als Team raus.“
Vor zwei Jahren wurde Amiri erst kurz vor Spielende eingewechselt, diesmal könnte er von Beginn an spielen. Im Halbfinale gegen Rumänien (4:2) nutzte der angeschlagen zur EM gereiste Mittelfeldspieler seinen ersten Startelf-Einsatz und erzielte zwei Tore, das letzte in der Nachspielzeit. „Ich war echt tot, aber dann hatte ich so viel Kraft in mir. Für solche Spiele, für solche Momente leben wir“, sagte der 22-Jährige.
Dabei hatte noch zur Pause nichts auf ein denkwürdiges Spiel hingedeutet. Mit 1:2 lag das DFB-Team zurück, das Finale war in weite Ferne gerückt. „Wir haben uns angeguckt und gesagt: Wir kommen aus dieser Scheiße nur als Team raus“, sagte Kapitän Jonathan Tah von Bayer Leverkusen. Bremens Maximilian Eggestein verriet: „Der Trainer ist sehr laut geworden.“ Details seiner Ansprache wollte Stefan Kuntz nicht verraten. Nur so viel: „Ich bin sehr stolz, dass die Mannschaft das so gemacht hat. Das war überragend und eine klasse Leistung.“
Stolz war auch Tah, der nach der Partie innehielt und dann die Tragweite der Geschehnisse begriff. „Krass, wir stehen im Finale. Wir haben so lange darauf hingearbeitet. Wir haben immer Auf und Abs gehabt. Wenn man daran dann denkt - geiler geht's nicht“, sagte der Abwehrchef. Für Tah endet wie für den Großteil der Mannschaft am Sonntag die Karriere im U-Bereich, fast alle hoffen auf weitere Einsätze in der A-Nationalmannschaft.
Spanien fegte im Halbfinale regelrecht über Frankreich hinweg.
DFB-Vizepräsident Reinhard Rauball, der nach dem Spiel der Mannschaft in der Kabine gratulierte, glaubt genau daran. „Den ein oder anderen Spieler werden wir sicher in der A-Nationalmannschaft wiedersehen“, sagte der 72-Jährige. Das Krisengerede im deutschen Fußball sei zudem überholt. „An allen Ecken und Enden hört man, dass es nicht gut bestellt sei um den deutschen Nachwuchs. Diese Mannschaft hat das heute widerlegt“, sagt er. Nun sei auch der Titel möglich.
Ein dicker Brocken wird Spanien, das in der Vorrunde das Aus der belgischen Elf besiegelt hatte, dennoch: Das 4:1 der Iberer im Halbfinale gegen Frankreich war mehr als beeindruckend. Allerdings war Spanien auch 2017 als Favorit ins Endspiel gegangen, wo es einen klugen Matchplan von Kuntz und Co. nicht beantworten konnte. „Ich will wieder den Titel“, sagte Amiri und stieg in den Bus Richtung Udine. (sid/tf)

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