Drama, Tränen, Emotionen: „Es ist unmenschlich. Es geht um Existenzen, der nervliche Druck steigt ins Unermessliche“, sagt Bayern Münchens Trainer Niko Kovac, der die Relegation mit Eintracht Frankfurt 2016 erlebt hatte. „Für Menschen, die den Nervenkitzel brauchen, ist die Relegation genau das Richtige“, betont auch der ehemalige Düsseldorfer Coach Norbert Meier, 2012 Leidtragender.
Auch am Donnerstag und am kommenden Montag (jeweils 20.30 Uhr) steht im Duell zwischen dem ambitionierten Bundesligisten VfB Stuttgart und dem kultigen Zweitligisten Union Berlin eine Menge auf dem Spiel - der Druck ist besonders bei den Schwaben immens.
Der frühere VfB-Profi Matthias Sammer sieht Stuttgart im Vorteil.
„Die Jungs wissen genau, um was es geht, es geht um den VfB, das Schwabenland, um Mitglieder und Mitarbeiter. Ich erwarte, dass alle bereit sind und Top-Leistungen abrufen. Ich fordere, dass sie alles andere ausblenden“, sagte Interimstrainer Nico Willig mit Vehemenz.
Matthias Sammer sieht Stuttgart zwar im Vorteil. Aber bei seinem Ex-Klub habe man „das Gefühl“, sagte der Eurosport-Experte, „dass sie es durch all die Zusammenhänge in einer wahnsinnigen Regelmäßigkeit schaffen, sich - fußballerisch - selbst zu zerstören“.
Das soll diesmal nicht passieren. Willig gewinnt der brisanten Lage sogar etwas Positives ab. Nach einer teils grausamen Saison sei es „nicht selbstverständlich“, dass der VfB überhaupt noch den Klassenerhalt schaffen kann. Seine Mannschaft habe deshalb die Chance, „etwas zu gewinnen. Wir gehen mit einer breiten Brust in diese Spiele. Wir glauben total an uns“.
Erstklassig war Union Berlin seit der Wiedervereinigung nie.
Der VfB hätte bei einem Abstieg, dem dritten nach 1975 und 2016, aber auch sehr viel zu verlieren. Rund 15 Millionen Euro Fernsehgelder wären das eine, der einhergehende Imageverlust würde aber noch viel schwerer wiegen - zumal sich die Schwaben eher im Europapokal als in den Fußball-Niederungen sehen.
Doch auch bei Union ist die Anspannung riesig. „Es wäre schön, wenn du gelassen rangehen könntest. Es ist ein Relegationsspiel, es geht um den Aufstieg - also hast du etwas zu verlieren“, sagte Union-Coach Urs Fischer. Der VfB bleibe zwar „Favorit. Und ich kann mir vorstellen, dass für sie der Druck größer ist. Aber wir erlegen uns auch einen Druck auf, unser Ziel noch zu erreichen.“
Erstklassig war Union Berlin seit der Wiedervereinigung nie, 13 Jahre in der 2. Liga waren bisher das Höchste der Gefühle.
Ein Auswärtstor strebt er mit seinem Team an, „das kann helfen“ so Fischer. Willig wiederum warnt sein Team, im Heimspiel vor 60.000 Zuschauern gleich zu viel zu wollen. Er fordere „neben heißem Herz auch kühlen Verstand“. Man müsse „beide Spiele in der Summe sehen. Du musst eine gewisse Geduld entwickeln“.
Nur fünfmal in den bisherigen 20 RelegationsdDuellen von 1982 bis 1991 und seit 2009 scheiterte bislang der Erstligist, letztmals Hertha BSC gegen Düsseldorf (2012) - mit Trainer Norbert Meier. (dpa)

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