ZGG will in der Gemeinde Bütgenbach „die Dörfer lebenswerter machen“



Dass Stephan Noel sich gerne in der Gemeindepolitik engagieren würde, war bereits seit anderthalb Jahren bekannt. Im Rahmen des Leader-Projektes zur Dorfentwicklung war der Wunsch nach einem Elsenborner Dorfvertreter im Gemeinderat laut geworden. Der 45-Jährige hatte sich bereit erklärt, sich dieser Aufgabe anzunehmen, insofern die Wähler ihm das Vertrauen schenken würden. Es folgten Gespräche mit Vertretern der beiden „großen“ Gemeinderatsfraktionen FBL und GFA, aber auch mit José Heck, der vor sechs Jahren als Einzelkämpfer angetreten war. „Die Idee einer dritten Liste fanden wir sogleich gut. Über die Jahre haben sich die Fronten im Gemeinderat völlig verhärtet. Auch wenn neue Köpfe kommen, ist es für uns keine Garantie für eine veränderte Stimmung. Mit einer dritten Liste dürfte das Erreichen einer absoluten Mehrheit schwieriger werden. Dadurch dürfte sich auch die Struktur im Gemeinderat verändern“, erklärt Stephan Noel, der sich schon mit José Heck einigen und mit Nadia Sarlette und Ursula Reuter-Gehlen gleich zwei Mitstreiterinnen finden konnte. Im April hatte die Liste angekündigt noch auf der Suche nach „Mitgestaltern“ zu sein. Letztlich kam mit Benedikt Schroeder nur ein Kandidat hinzu. Man hatte sich natürlich mehr erhofft. Aber schon bei der Podiumsdiskussion des GrenzEcho hatte Noel verlauten lassen, dass der Zeitmangel und das Gezänke im Rat nur allzu oft als Gründe angeführt wurden. „Aber auch zu fünf Personen sind wir ein starkes Team. Wir wollen etwas bewegen.“

Die Liste ZGG peilt eine Stärkung der Bürgerbeteiligung in allen Bereichen an. Die bessere Kommunikation zieht sich wie ein roter Faden durch die Schwerpunkte ihres Programms. In den letzten Jahren hätten sich die Bürger in vielen Belangen außen vor gelassen gefühlt, heißt es. Die Liste ZGG will Plattformen bzw. Strukturen schaffen, die den direkten Dialog mit der Bevölkerung ermöglichen. Die Ratssitzungen sollen offener und zugänglicher gestaltet werden. Es könnten feste Gesprächstermine für engagierte Bürger geschaffen werden. Auch die digitale Kommunikation müsse nicht vergessen werden. Allerdings dürfe diese nicht aufgezwungen werden.

Die Bürger sollen präzise über Pläne und Visionen der Gemeinde informiert werden.

Eine Neugestaltung des Infoblattes schwebt der Liste außerdem vor. Statt nur auf vergangene Projekte einzugehen, könnten die Pläne und Visionen mit der Bevölkerung geteilt werden. So könne das Interesse gefördert werden. Genauso könnten die Prozeduren bei öffentlichen Arbeiten präzise geschildert werden. „Nehmen wir das Beispiel der neuen Wasserleitungen in Nidrum, Elsenborn und Leykaul. Der Beschluss wurde vom Gemeinderat gefasst. Manche Bürger fragen sich jetzt, warum sich nichts tut. Dabei könnte ihnen im Infoblatt ein genauer Zeitplan, mit den einzuhaltenden Fristen vorgelegt werden“, plädiert José Heck. Die Liste macht sich in diesem Zusammenhang für eine „zügige Erneuerung der Wasserleitungen“ in den betroffenen Dörfern stark.

Generell habe Stephan Noel beobachten können, dass sich engagierte Bürger alleine gelassen gefühlt hätten. „Die Leute müssen von Beginn an unterstützt werden. Es muss nicht gewartet werden, bis die Personen auf einen zukommen“, sagt Stephan Noel und nennt als konkretes Beispiel die Elsenborner Dorfgruppe, die auf das Kollegium zugehen musste. „Dabei müsste es eigentlich andersherum sein.“ Eine löbliche Initiative in diese Richtung sei aber die gemeinsame Kommissionssitzung gewesen. Vor dem versammelten Gemeinderat durfte die Gruppe ihre Anliegen vorstellen.

Die Liste ZGG wünscht sich eine „gerechtere Projektverteilung“. „Alle Dörfer müssen in Betracht gezogen werden, sagt Ursula Reuter-Gehlen, die sich als Elsenbornerin oft hinten angestellt gefühlt hat. In Stephan Noels Augen muss eine Prioritätenliste geführt werden, die mit Präzision sagt, welche Infrastrukturprojekte, wann durchgeführt werden. „Es ist einfacher, auf etwas zu warten, wenn der Zeitplan bekannt ist.“

Gleichzeitig könnten Projekte dadurch koordiniert werden. „Wenn die Wasserleitungen verlegt werden, wird automatisch an der Straße gearbeitet. Die Möglichkeit könnte genutzt werden, um die Straßen attraktiver und sicherer zu gestalten“, meint Stephan Noel. „Eine verengte Straße, ein ebenerdiger Übergang und ein Grünstreifen sorgen für Attraktivität und Verkehrssicherheit zugleich. Die Straße muss ein Begegnungsort für alle Verkehrsteilnehmer sein, dazu gehören sowohl die Autofahrer als auch die Fußgänger.“ Noel zeigt sich überzeugt, dass ein solches Konzept die Attraktivität der Dörfer steigern und sie gleichzeitig zugänglicher machen würde, auch für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen.

Es sei das große Ziel der Liste ZGG, „die Dörfer lebenswerter“ zu machen. Kleine Projekte sollen angestoßen werden, die zur Dorfverschönerung beitragen. Hierzu gehört auch die Sensibilisierung in Sachen Müllaufkommen oder Abwasserklärung. Neben dem Unterhalt des öffentlichen Raumes sollen ebenso ungenutzte Grünflächen gestaltet und der Baum- und Heckenbestand gepflegt bzw. erneuert werden.

Im Bereich Soziales macht sich ZGG für die Förderung alternativer Wohnformen stark. Hierfür soll der Leerstand in den Dorfkernen genutzt werden. „Wir wollen Wohnraum für junge Familien schaffen und gleichzeitig den Senioren ein selbstbestimmtes Wohnen ermöglichen“, erklärt Stephan Noel. „Die Gemeinde soll als Ideengeber fungieren“, fügt Ursula Reuter-Gehlen an. „Alt und Jung können viel voneinander lernen.“

In diesem Zusammenhang wirft José Heck die Frage auf, ob Bütgenbach noch ein ländliches Dorf sei. „Es muss aufgepasst werden, was genehmigt wird“, warnt der Nidrumer. „Es müssen sich frühzeitig Gedanken gemacht werden“, bestätigt Ursula Reuter-Gehlen.

Die Liste ZGG will eine erneute absolute Mehrheit verhindern.

Die Liste Zukunft gemeinsam gestalten blickt optimistisch auf den Wahltag. „Unser Ziel ist, dass alle fünf Personen in den Gemeinderat einziehen“, gibt sich Stephan Noel kämpferisch. „Wir wollen, dass es keine absolute Mehrheit mehr gibt. Bei drei Fraktionen gibt es eher einen kollegialen Austausch.“

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