Tacho-Betrug in Belgien aus der Welt geschafft

Die Mentalität der Verbraucher habe sich derart geändert, dass heutzutage kaum noch jemand beim Kauf eines Gebrauchtwagens die Richtigkeit des Kilometerstandes in Zweifel zieht. Das Kilometerzertifikat „Car-Pass“ sowie das damit verbundene Kontrollsystem sind inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Vor zehn Jahren hätte die Autobranche nicht einmal im Traum daran gedacht, dass es einmal so weit kommen würde: Das Vertrauen in den Gebrauchtwagenmarkt sei sowohl bei den Verbrauchern als auch bei Händlern wieder hergestellt, heißt es in einer Pressemitteilung von Car-Pass.

Bis Dezember 2006 waren getürkte Tachos alltäglich, nirgendwo wurde beim Gebrauchtwagenkauf so oft betrogen wie beim Kilometerstand – und der Schaden war gewaltig. Wer etwa einen ein Jahr alten VW Gold kaufte, bei dem die Laufleistung um 40.000 Kilometer verringert wurde, zahlte mehr als 1.000 Euro zu viel. Jährlich wurden die Tachostände von 60.000 Gebrauchtwagen gefälscht. Verbraucher hatten lediglich die Möglichkeit, den Verschleiß des Pedals, die Verkratzung des Motors usw. zu überprüfen, was aber keine objektiven Kriterien sind. Um den Massenbetrug zu stoppen, wurde der Car-Pass eingeführt, der bei jedem Verkauf eines Gebrauchtwagens vorgelegt werden muss. Es handelt sich um ein Dokument, das die Kilometergeschichte eines Fahrzeugs liefert. Das Zertifikat wird von der Car-Pass VoE mithilfe von für die technische Kontrolle zugelassenen Unternehmen ausgestellt. Sie erhält die Kilometerstände von KFZ-Profis und von zugelassenen Unternehmen für technische Kontrolle.

Heute, zehn Jahre später, gibt es kaum noch Tachomanipulationen. Die VoE Car-Pass habe eines ihrer Hauptziele erreicht, schlussfolgert PwC. Nicht nur das, auch seien einige Nebenwirkungen nicht zu verachten:

Da die Verkäufer den Preis eines Gebrauchtfahrzeugs nicht mehr künstlich in die Höhe treiben können, spiegeln die belgischen Marktpreise dank des Kilometerzertifikats besser den reellen Wert eines Alt-Autos wider.

Car-Pass hat einen indirekten Effekt auf andere Betrugsformen, sodass das Vertrauen der Verbraucher zusätzlich erhöht wurde.

Die positiven Auswirkungen sind allerdings auf Belgien begrenzt. Seit Jahren bemüht sich die VoE Car-Pass um ein vergleichbares Kontrollsystem auf europäischer Ebene – bislang ohne Erfolg. Auch auch in unserem Land gibt es noch Möglichkeiten zur Verbesserung und Ausdehnung des bestehenden Systems, indem beispielsweise zusätzliche Informationen auf dem Zertifikat aufgenommen werden: Anzahl Vorbesitzer, Umweltdaten des Fahrzeugs, Einhaltung von Rückrufaktionen usw. (gz)

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