„Grünes Kraftwerk Europas“ in der Mache

<p>Treffen von Regierungs- und Staatschefs in Ostende (v.l.): Mark Rutte (Niederlande), Leo Varadkar (Irland), Emmanuel Macron (Frankreich), Mette Frederiksen (Dänemark), Belgiens Premier Alexander De Croo, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Olaf Scholz (Deutschland), Xavier Bettel (Luxemburg), Jonas Gahr Store (Norwegen)</p>
Treffen von Regierungs- und Staatschefs in Ostende (v.l.): Mark Rutte (Niederlande), Leo Varadkar (Irland), Emmanuel Macron (Frankreich), Mette Frederiksen (Dänemark), Belgiens Premier Alexander De Croo, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Olaf Scholz (Deutschland), Xavier Bettel (Luxemburg), Jonas Gahr Store (Norwegen) | Foto: ap/dpa

Windenergie aus der Nordsee soll künftig maßgeblich zur Stromversorgung Europas beitragen. Premierminister Alexander De Croo (Open VLD) sowie die Vertreter acht weiterer Länder kamen am Montag in Ostende zusammen, um den Ausbau von Windparks vor der Küste voranzutreiben und die Nordsee zum grünen Kraftwerk Europas zu machen. Konkret wollen die neun Staaten – neben Belgien auch Deutschland, die Niederlande, Frankreich, Norwegen, Dänemark, Irland, Luxemburg und Großbritannien - bis 2030 Offshore-Windkraftanlagen mit einer Leistung von 120 Gigawatt bauen. Bis 2050 sollen mindestens 300 Gigawatt aus der Offshore-Windenergie erzeugt werden. Zugleich soll die Produktion von grünem Wasserstoff in der Nordsee ausgebaut werden. Dies soll dazu beitragen, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. De Croo sprach von „ambitionierten Zielen“. Nun gehe es darum, Ziele umzusetzen, so der Regierungschef. „Dies bedeutet, dass wir standardisieren müssen, dass wir besser zusammenarbeiten müssen, dass wir die Lieferketten synchronisieren müssen.“ Ebenso wichtig sei die Sicherheit der Infrastruktur in der Nordsee, betonte der flämische Liberale. Windfarmen, Kabel auf dem Meeresgrund und Pipelines seien anfällig für Sabotage und Spionage.

Im vergangenen Jahr lag der Wert der Offshore-Windenergie der neun Staaten nach Angaben der Föderalegierung bei rund 30 Gigawatt. Belgiens Produktion lag bei circa 2,2 Gigawatt. Etwa acht Gigawatt kamen aus Deutschland, davon der Großteil aus der Nordsee. Frankreich, Norwegen und Irland wiederum produzierten jeweils deutlich weniger als ein Gigawatt.

„Es handelt sich um ein kolossales Unterfangen und ein echtes Beispiel gelebter Energiewende“, hieß es vor dem Gipfel in einem gemeinsamen Beitrag der Staats- und Regierungschefs für das Magazin „Politico“. Dafür seien massive Investitionen sowohl an Land als auch auf See nötig. Zugleich müssten etwa bürokratische Hindernisse abgebaut werden. „Wir können nicht jahrelang auf Genehmigungsprozesse warten, während die globalen Temperaturen steigen und autokratische Regierungen die Möglichkeit haben, uns das Licht in unseren Wohnzimmern abzudrehen und unsere Industrieproduktion zum Erliegen zu bringen“, hieß es. Gleichzeitig müssten die gesunden und robusten Meeresökosysteme erhalten bleiben.

Der Ausbau der Offshore-Windenergie kam in der EU zuletzt nur langsam voran. Bei dem Gipfel setzten sich die teilnehmenden Staaten nun jeweils auch nationale Ziele. Zudem wurden rund um das Treffen mehrere Erklärungen verabschiedet und Projekte angestoßen. So schlossen EU-Staaten und Norwegen formelle Vereinbarungen, die die Kooperation etwa bei erneuerbaren Energien und dem Umweltschutz stärken sollen. (svm/belga/dpa)

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