Keine Tradition rechtfertigt Tierleid

Am 24. November diskutiert die Assemblée Nationale in Paris zum dritten Mal über einen Antrag über das endgültige Verbot der Corrida in Südfrankreich. Das Ergebnis dürfte wahrscheinlich schon feststehen. Auch wenn inzwischen fast 80 Prozent der Bevölkerung die Stierkämpfe ablehnen, die Befürworter (allen voran Präsident Macron) werden sich wohl auch dieses Mal durchsetzen.

Es ist die gleiche Lobby, die auch die Hahnenkämpfe im Norden als kulturelles Erbe der Grande Nation befürwortet. Jahrhundertealte Traditionen sind immer gut, um einen Missstand zu rechtfertigen. Hahnenkämpfe gibt es zwar keine mehr in der Wallonie, dafür gilt die Folter von Gänsen und Enten zur Produktion von Stopfleber weiterhin als „kulturelles Erbe“. In Flandern und Brüssel ist diese widerliche Methode längst verboten, aber die wallonische Regierung weigert sich standhaft, sie endlich abzuschaffen.

Die einzige Frage, die sich stellt, ist die, wie viel Tierleid wir als Gesellschaft bereit sind für eine Show und für zweifelhaften Genuss zu tolerieren. Wenn die Freiheit sich zu amüsieren und eine Tradition fortzuführen, wichtiger ist als das Vermeiden von Schmerzen von empfindsamen Lebewesen, dann ist kein Tierschutzgesetz mehr haltbar. Vielleicht nicht einmal mehr die Moral...

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