Der Frust ist gewaltig, der Druck immens – doch die Schweiz und die Türkei klammern sich vor dem finalen Showdown an ihre kleine Restchance auf das Achtelfinale. Für beide Teams geht es am Sonntag (18 Uhr) im „Finale“ der Gruppe A in Baku um alles oder nichts. Die besten Karten im spannenden Dreikampf um das Weiterkommen besitzt der Underdog aus Wales. „Wir müssen bereit sein, das Entscheidungsspiel zu gewinnen“, forderte der heftig in die Kritik geratene Schweizer Nationalcoach Vladimir Petkovic vor dem letzten EM-Gruppenspiel. Mit einem Sieg gegen die Türkei habe die Nati immerhin „gute Chancen, um weiterzukommen“.
Doch in der Alpenrepublik fehlt der Glaube an eine deutliche Reaktion von Xhaka, Shaqiri und Co. Für die oftmals als „goldene Generation“ gefeierte Mannschaft wird es zur „bedeutenden Prüfung“. So sieht es jedenfalls die Neue Zürcher Zeitung, die einen letzten „Rettungsakt“ der bisher völlig enttäuschenden Eidgenossen fordert.
Statt mit Schwung in Richtung K.o.-Runde zu marschieren, sind die Schweizer am „Tiefpunkt“ der Ära von Petkovic angelangt. Der Trainer ist angezählt, in der Mannschaft ist von Rissen die Rede. Auch die „Friseur-Affäre“ um Kapitän Granit Xhaka und Manuel Akanji, die sich während des Turniers die Haare hatten färben lassen, trägt kaum zu einer Beruhigung bei. Ob bei diesen Voraussetzungen das Weiterkommen gelingt, scheint fraglich – zumal die Eidgenossen auf Schützenhilfe hoffen müssen. Doch nicht nur die Schweizer liegen nach der Lehrstunde der Italiener (0:3) am Boden. Auch die vor dem Turnier hoch gehandelten, aber ganz tief gefallenen Türken haben die Unterstützung in der Heimat fast schon verloren – nur bei einem Sieg könnte die Milli Takim als einer der besten Gruppendritten weiterkommen.
Es macht sich aber längst Resignation breit. „Lasst uns nach Hause gehen“, titelte die Hürriyet nach dem Tiefschlag gegen Wales (0:2). Und auch Nationalcoach Senol Günes verbreitete angesichts der Minimalchance kaum noch Hoffnung, vielmehr klangen seine Worte nach Abschied. „Wir sind hier mit Träumen gestartet“, sagte der 69-Jährige, er sei „verantwortlich für die schlechten Ergebnisse“. Der Glaube an „ein Wunder“ (Fanatik) scheint erloschen.
Deutlich entspannter blicken die Waliser um Superstar Gareth Bale auf das Gruppenfinale. Die Mannschaft habe sich eine „brillante Ausgangslage“ erspielt, meinte Aaron Ramsey. Nun habe Wales noch „ein großes Spiel“ vor sich. Im Duell mit den überzeugenden und bereits fürs Achtelfinale qualifizierten Italienern sind die Dragons zwar erneut nur Außenseiter, doch mit vier Punkten auf dem Konto starten sie aus der besten Ausgangsposition. (sid/tf)

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