Von diesem Montagmorgen an gilt es nun landesweit, jeweils tagsüber zwischen 6 und 19 Uhr. Nach der Grenze auf die Bremse, heißt es dann unwiderruflich auch für alle, die von Deutschland aus mit dem Auto ins Nachbarland fahren. Sonst kann es teuer werden. Wer zwischen Arnheim und Amsterdam oder Maastricht und Alkmaar zu stark auf die Tube drückt, muss mit empfindlichen Geldbußen rechnen. 20 Stundenkilometer über dem Autobahn-Limit können laut ADAC im Nordsee-Königreich 174 Euro kosten. Ab 50 km/h mehr werden hohe einkommensabhängige Strafzahlungen fällig.
Zwar soll es, wie die Behörden versicherten, keine zusätzlichen Geschwindigkeitskontrollen geben. Doch das Netz der fest installierten Blitzer ist in den Niederlanden durchaus engmaschig. Und parallel zur Aufstellung der Schilder passe man natürlich die Radargeräte an das neue Limit an, mahnte Egbert-Jan Hasselt, der zuständige Abteilungsleiter bei der niederländischen Verkehrspolizei. Unbegrenztes Rasen wie auf weiten Teilen des deutschen Autobahnnetzes war in den Niederlanden auch früher schon tabu. Allgemein galten Tempolimits von 120 sowie - auf heute etwa der Hälfte der Gesamtstrecke - 130. Erlaubt sind diese Höchstgeschwindigkeiten von nun an allein zwischen 19.00 Uhr am Abend und 06.00 Uhr am Morgen.
Grund für die Tempo-Beschränkung auf tagsüber 100 km/h sind hohe Emissionen von Stickoxiden, die gemessen an der Fläche des Landes EU-Grenzwerte erheblich übersteigen. Zu den Ursachen gehört Experten zufolge, dass die Niederlande als eine der am dichtesten besiedelten Regionen Europas nur über wenig natürliche Ausgleichsflächen oder größere Naturschutzgebiete verfügen, in denen Stickoxid abgebaut wird. Das höchste Beratungsgremium der Regierung und zugleich oberste Gericht für Verwaltungsrecht der Niederlande, der Raad van State, hatte angesichts dessen 2019 große Bauvorhaben gestoppt.
Zugleich wurde die Regierung von Ministerpräsident Mark Rutte vor die Wahl gestellt, wirksamere Maßnahmen zur Verminderung von Stickoxid zu ergreifen oder diese Projekte zu streichen - darunter Tausende von Wohnungen. Auch beim Bauen wird, etwa durch den Erdaushub, Stickstoff freigesetzt. Da bleibe nichts weiter übrig, als Tempo 100 zu verordnen, erklärte Rutte, „Niemand findet das schön, aber es geht hier echt um höhere Interessen.“

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