Fragen und Anworten zur Coronakrise in Belgien

<p>Seit der Ausbreitung des Coronavirus greifen immer mehr Menschen zu „Atemschutzmasken“, um sich zu schützen.</p>
Seit der Ausbreitung des Coronavirus greifen immer mehr Menschen zu „Atemschutzmasken“, um sich zu schützen. | Foto: belga

Warum werden die Schulen hierzulande nicht ganz geschlossen?

Ab Montag, 16. März, bis einschließlich Freitag, 3. April, wird landesweit der Unterricht ausgesetzt. Es gehe darum, die weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen beziehungsweise zu verzögern, so Bildungsminister Harald Mollers. „Dazu müssen auch Schulen und schulische Einrichtungen einen Beitrag leisten, weil gerade dort viele Menschen zusammenkommen“, unterstreicht der ProDG-Politiker.

Und obwohl der Unterricht ausgesetzt wird, bleiben die Schulen geöffnet – und das aus einem einfachen Grund. Denn hierzulande müssen grundlegende Dienstleistungen aufrechterhalten, und die Versorgung gewährleistet werden. Gerade Eltern, die in Pflege- beziehungsweise Sicherheitsberufen tätig sind, betrifft diese Maßnahme. „Deswegen wird der Unterricht zwar ausgesetzt, gleichzeitig in den Schulen aber eine Betreuung gewährleistet.“

„Das Ziel muss es aber sein, möglichst wenig Menschen in den Schulen zu haben. Das gilt sowohl für die Schüler als auch für die Personalmitglieder“, so der Minister. Daher appelliert er, „nach Möglichkeit dafür zu sorgen, dass die Kinder nicht in der Schule betreut werden müssen“.

Sollten die Großeltern noch die Kinderbetreuung übernehmen?

Dieses Szenario sollte im Optimalfall vermieden werden: Die Politik rät Eltern, ihre Kinder in den kommenden Wochen nicht mehr zur Betreuung zu den Großeltern zu geben. Denn da Ältere durch das Coronavirus deutlich stärker gefährdet sind als Jüngere, müssten sie besonders geschützt werden.

Familien sind deshalb aufgefordert, die Betreuung ihrer Kinder in der nächsten Zeit anders zu regeln und individuelle Alternativlösungen zu finden – wenngleich das für alle „schmerzhaft und unbequem“ sein könne.

Sollte eine Betreuung nicht ohne Hilfe der Großeltern machbar sein, sollten Sie in der Familie besonders strikt auf Hygienemaßnahmen achten. Umarmungen von Oma und Opa sollten tabu und regelmäßiges Händewaschen mit Seife Pflicht sein.

Bleiben Metzgereien und Bäckereien geöffnet?

Ja, denn die beiden genannten Geschäfte sorgen laut dem Wirtschaftsministerium dafür, dass die Deckung der Grundbedürfnisse gewährleistet wird. Neben Metzgereien und Bäckereien werden auch die Supermärkte durchgehend, also sowohl an Werk- als auch an Wochentagen ihre Pforten öffnen. Das gilt indes auch für Apotheken.

Alle anderen Geschäfte, wie beispielsweise Kleidungsgeschäfte oder Autowerkstätten, dürfen derweil nur noch unter der Woche ihre Dienstleistungen anbieten. Das gilt auch für Frisöre oder Kosmetiksalons. Zuerst hieß es, das Betreiber, die ihre Kunden auf Termin empfangen, dies auch am Wochenende tun dürften. Doch diese Regelung wurde am späten Freitagabend ausgesetzt.

Kneipen, Clubs und Restaurants müssen dicht machen - aber was ist mit Fritüren?

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, wurden Teile des öffentlichen Lebens zum Stillstand gebracht. Sämtliche Freizeitaktivitäten, Kulturveranstaltungen und Konzerte müssen abgesagt werden – und das gilt nicht nur für die öffentlichen Veranstaltungen, sondern auch für die privaten.

Auch alle Restaurants, alle Cafés, Diskotheken und Museen bleiben seit Samstag vorerst geschlossen. Allein Fritüren, Imbissbuden und Lieferdienste, die Gerichte nur zum Mitnehmen anbieten, dürfen geöffnet bleiben.

Ziel der extremen Maßnahme ist es, möglichst wenige Menschen zusammenzubringen und soziale Kontakte zu vermeiden.

Wie ist die Lage in den belgischen Krankenhäusern?

Seit Samstag gelten für alle belgischen Krankenhäuser neue Regeln: So werden alle nicht-dringenden Untersuchungen und Operationen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, wie Gesundheitsministerin Maggie de Block (Open VLD) am Freitagabend bekannt gab. Das Ganze sei eine Vorsichtsmaßnahme, um bei einem deutlichen Anstieg der Ansteckungen mit dem neuartigen Coronavirus gewappnet zu sein. Auch jegliche Besuche sind momentan strikt untersagt. Ausgenommen von dem Verbot sind Eltern und Erziehungsberechtigte von Minderjährigen, enge Verwandte von Menschen in kritischem Zustand sowie Begleitpersonen im Rahmen von Beratungen, zum Beispiel rechtlicher Art.

Maggie De Block versicherte indes, dass unsere Krankenhäuser und unser Gesundheitspersonal durchaus in der Lage sei, mit der Verbreitung des Coronavirus umzugehen. Aber es brauche eben Vorbereitung.

Fahren die öffentlichen Verkehrsmittel noch?

Ja, Busse und Bahnen fahren in Belgien zwar weiter, aber Premierministerin Sophie Wilmès (MR) bat die Bürger, die öffentlichen Verkehrsmittel, wie beispielsweise die Nahverkehrsgesellschaft TEC oder die Eisenbahngesellschaft SNCB, nur dann zu nutzen, wenn es keine andere Möglichkeit gebe.

Habe ich ein generelles Anrecht darauf, Home-Office zu machen?

Ein gesetzlicher Anspruch, von zu Hause aus zu arbeiten, besteht nicht. Arbeitnehmer können dies laut Arbeitsministerium jedoch oft mit ihrem Arbeitgeber in Absprache vereinbaren.

Wer zählt zur Risikogruppe?

Zur Risikogruppe zählen ältere Personen, wobei das Risiko ab etwa 50 bis 60 Jahren stetig steige, und Raucher. Aber auch Menschen mit Vorerkrankungen des Herzens und der Lunge (zum Beispiel Asthma), mit chronischen Lebererkrankungen, mit Diabetes oder mit Krebs gehören ebenfalls dazu.

Nach bisherigen Erkenntnissen zählen zudem auch Menschen, die ein geschwächtes Immunsystem haben oder Medikamente nehmen, welche die Immunabwehr schwächen, zum Beispiel Cortison, zu der Risikogruppe.

Schwangere und Babys unter sechs Monaten zählen nicht mehr zur Risikogruppe für das neue Coronavirus. Das teilte das belgische Gesundheitsinstitut Sciensano am Samstag mit.

Wie beugt man einer Ansteckung vor?

Nicht nur für Menschen, die sich - unabhängig von der Ursache - kränklich fühlen, sondern auch für gesunde Menschen gilt: Regelmäßig 20 bis 30 Sekunden Händewaschen, etwa immer vor Mahlzeiten oder nach dem Heimkommen sowie vor und nach dem Kontakt mit Erkrankten.

Um nicht nach dem Waschen direkt wieder Keime an die Hände zu bekommen, sollte man den Hahn wenn möglich mit einem Einweghandtuch oder mit dem Ellenbogen abdrehen. Für das Abtrocknen rät die BZgA zu Einweghandtüchern. Daheim sollte jeder sein eigenes Handtuch nutzen.

Der Hauptübertragungsweg scheine die Tröpfcheninfektion zu sein. Darum sollte man zu möglicherweise erkrankten Personen ein bis zwei Meter Abstand halten.

Beim Thema Atemmasken gilt indes: Wer eine Atemwegserkrankung hat, kann dadurch das Risiko verringern, andere Menschen anzustecken. Dass diese Masken gesunde Menschen aber effektiv vor einer Ansteckung schützen, sei hingegen nicht hinreichend belegt.

Wie funktioniert richtiges Husten und Niesen?

Wegdrehen und mindestens ein Meter Abstand zu anderen halten. Idealerweise schnaubt oder hustet man in ein Papiertaschentuch, das man danach wegschmeißt. Ist keines zur Hand, hält man die Armbeuge eng vor Nase und Mund. Ob Husten oder Niesen: Wann immer möglich, sollte man danach Hände waschen. (calü/dpa/belga)

Dieser Artikel wird in den nächsten Stunden fortlaufend mit neuen Fragen und Antworten erweitert.

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