Corona-Folgen werden zur Belastungsprobe für Opec und Partner

<p>Angesichts des Coronavirus sind Auswirkungen auf die Rohstoffpreise zu befürchten.</p>
Angesichts des Coronavirus sind Auswirkungen auf die Rohstoffpreise zu befürchten. | Foto: Patrick Pleul/dpa

Die zur Diskussion stehende Kürzung der Rohölförderung hat das Bündnis der Opec mit zehn weiteren Staaten vor eine Belastungsprobe gestellt. Die Beratungen der 24 Staaten am Freitag in Wien begannen erst mit großer Verspätung, nachdem sich zuvor offensichtlich die zuständigen Minister aus Saudi-Arabien und Russland zur Verhandlung in kleiner Runde getroffen hatten. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete mit Bezug auf informierte Kreise, dass Russland die von der Opec geforderte Kürzung ablehne. Russlands Energieminister Alexander Nowak habe erklärt, lieber bis zum Juni warten zu wollen, um dann das weitere Vorgehen zu beraten.

Die 14 Opec-Staaten hatten sich am Donnerstag für eine Kürzung um 1,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl pro Tag bis Ende des Jahres ausgesprochen, um so auch den wirtschaftlichen Auswirkungen des neuen Coronavirus zu begegnen. Das entspräche rund 1,5 Prozent der globalen Ölproduktion. Eine Million Barrel sollten dabei die 14 Opec-Staaten weniger fördern, 500 000 Barrel die zehn Partner, darunter Russland. Moskau hatte zuletzt aber wenig Interesse an einer Kürzung und wenig Besorgnis über den stark gefallenen Ölpreis gezeigt. Entsprechend zähe „Opec+“-Verhandlungen, also einschließlich der Partner, wurden für Freitag bereits vorab erwartet.

Der Ölpreis setzte seine Talfahrt am Freitag fort. Ein Barrel der Nordseesorte Brent war teilweise so günstig wie seit Sommer 2017 nicht mehr. Gegen Mittag kostete das Fass weniger als 48 US-Dollar - und damit rund zwei US-Dollar weniger als zu Beginn des Tages. Zu Jahresbeginn lag der Brent-Preis pro Barrel noch bei mehr als 65 Dollar. Die Einigung auf eine Förderkürzung muss also nicht bedeuten, dass die Preise für Benzin und Heizöl steigen.

Vor allem für Saudi-Arabien stellt ein derartig niedriger Ölpreis auch mit Blick auf den Staatshaushalt ein Problem dar. Sollte keine Einigung mit Russland möglich sein, dürfte zudem das Ende 2016 ins Leben gerufene „Opec+“-Gebilde gehörig ins Wanken bringen. Auch bei zurückliegenden Treffen hatte es stets lange und zähe Debatten über die künftige Strategie gegeben, letztlich fanden die 24 Staaten aber immer zusammen.

Zuletzt hatte die „Opec+“ im Dezember 2019 den Ölhahn weiter zugedreht und eine tägliche Produktionskürzung um insgesamt 2,1 Millionen Barrel im Vergleich zu Oktober 2018 beschlossen. Seit Dezember 2016 reagiert der Verbund immer wieder mit solchen Förderlimits auf die Entwicklungen am Ölmarkt - und riskiert damit zunehmend Marktanteile. Derzeit entfallen auf die Opec etwas weniger als 30 Prozent der weltweiten Ölproduktion, vor einigen Jahren war der Anteil noch deutlich höher. Die größere Runde der „Opec+“ steht derzeit für etwa 45 Prozent der globalen Rohölproduktion.

Gleichzeitig sehen sich die Ölexporteure mit großer Zurückhaltung bei der Nachfrage konfrontiert. Zahlreiche Experten und Organisationen gehen inzwischen davon aus, dass die Nachfrage nach Rohöl deutlich langsamer steigen wird als erwartet oder sogar sinken könnte - der Einfluss des Coronavirus auf die Weltwirtschaft macht sich hier bereits deutlich bemerkbar. „Die Rohölnachfrage ist deutlich zurückgegangen. Enorm schlecht läuft es bei Kerosin“, sagte etwa der Chef des österreichischen Energiekonzerns OMV, Rainer Seele, der „Kleinen Zeitung“ (Freitag) aus der Steiermark. „Nicht nur die Fluggesellschaften leiden, auch die Raffinerien.“ (dpa)

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