Seit ein paar Tagen blockieren Anhänger von „Extinction Rebellion“ (XR) weltweit in zahlreichen Großstädten Verkehrsknotenpunkte – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Auch Brüssel wurde nun von den radikalen Klimaschützern, die Wert darauf legen, ihre Entscheidungen dezentral und hierarchiefrei zu treffen, erobert. Knapp 2.000 Demonstranten hatten sich am Samstag gegen 14 Uhr vor dem Königlichen Palast eingefunden, um mit zivilem Ungehorsam auf die aktuelle Klimaproblematik aufmerksam zu machen. „Eine unserer Forderungen ist die Rückgabe der Macht an die Bürger. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, darüber mitzuentscheiden, wie sie mit der Klimakrise umgehen wollen“, gab David Steeman von „Extinction Rebellion“ zu verstehen.
Die Klimaschutzbewegung ist nicht ganz unumstritten. Immer wieder wird geäußert, dass die Gruppe radikaler vorgehe als etwa die „Fridays for Future“-Aktivisten. Statt auf angemeldete Demonstrationen setzt sie auf illegale Protestaktionen und Massenverhaftungen. Ein Ansatz, der eigentlich auch in der Hauptstadt verfolgt werden sollte. Im Vorfeld der Demo hatten die Verantwortlichen nämlich dazu aufgerufen, die Gärten des Königspalastes zu besetzen – und das, obwohl diese sich in einer „neutralen Zone“ befinden, wo Demonstrationen strikt verboten sind.
Die Polizei, die mit einem Großaufgebot am Samstag vor Ort war, hatte den Protestanten aber einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Zugänge zu den Gärten abgeriegelt. Der Protestmarsch zog deshalb kurzerhand auf den Place Royale um, der „mindestens 24 Stunden lang“ besetzt werden soll, so David Steeman. Doch darauß wurde nichts. Denn gegen 18.30 Uhr hatte die Polizei unter dem Einsatz von Wasserwerfen und Pfefferspray angefangen, den Platz zu räumen.
Die ganze XR-Aktion, bei der bis zum späten Nachmittag über 100 Person durch die Polizei festgenommen worden sind, wurde vor allem vor dem Hintergrund veranstaltet, um König Philippe (59) davon zu überzeugen, dass er trotz seiner verfassungsmäßigen Einschränkungen unverzüglich den klimatischen und ökologischen Notstand ausrufen soll. (calü)

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