Der Fall Wesphael wird von Netflix aufgegriffen

<p>Bernard Wesphael hat sich zur Zusammenarbeit mit Netflix bereit erklärt.</p>
Bernard Wesphael hat sich zur Zusammenarbeit mit Netflix bereit erklärt. | Foto: belga

Der Fall um den Ex-Ecolo-Politiker Bernard Wesphael hatte für viel Medienrummel gesorgt. Seine Frau war am 31. Oktober 2013 in einem Hotelzimmer in Ostende tot aufgefunden worden. Der Mord-Prozess hielt Belgien jahrelang in Atem, bis Bernard Wesphael am 6. Oktober 2016 freigesprochen wurde. Der explosive Cocktail aus Sex, Politik und Alkohol fesselte die breite Öffentlichkeit.

Die beiden RTL-Journalisten und -Regisseure Pascal Vrebos und Georges Huercano kamen auf die Idee, den Stoff Netflix anzubieten. Pascal Vrebos hatte Wesphael im Gefängnis von Brügge besucht und Ungereimtheiten im Fall aufgedeckt.

Dass die Mini-Serie mit sechs Episoden gedreht werden soll, wurde im Juni 2018 vertraglich festgehalten. Seither wurde das Thema unter Verschluss gehalten. Erst zu Beginn der Dreharbeiten im September sickerten die ersten Informationen durch. Von der Tageszeitung „La Meuse“ befragt, schwieg der Sender RTL allerdings: „Wir weigern uns, zu kommentieren“, antwortete der Sprecher Christopher Barzal. Auch „keine Kommentare“ von Pascal Vrebos. Bei Bernard Wesphael stieß „La Meuse“ ebenfalls auf eine Mauer des Schweigens. Das liegt wahrscheinlich an einer Vertraulichkeitsvereinbarung, die die Beteiligten mit Netflix getroffen haben. Immerhin steht laut „La Meuse“ fest, dass die Brüsseler Produktionsfirma AT-Prod mit der Produktion von sechs 50-minütigen Episoden in Form eines Doku-Dramas beauftragt wurde. Es soll eine geschickte Mischung aus Rekonstruktionen mit Schauspielern, Archivbildern und Interviews mit den Hauptakteuren gedreht werden. Bernard Wesphael soll sich zur Teilnahme bereit erklärt haben, ebenso wie mehrere Zeugen aus dieser Zeit. Das gesamte Projekt wird vom Duo Vrebos-Huercano betreut und zunächst auf RTL-TVI und dann bei Netflix übertragen – wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des Jahres 2020. Für RTL ist dies auch eine Premiere, da der Sender eher für Produktionen im Unterhaltungsprogramm bekannt ist.

Für Netflix ist es keine neue Herangehensweise. Netflix-Abonnenten weltweit konnten bereits mehrere Doku-Dramas streamen. Zum Fall O.J. Simpson, zum Mord an Gianni Versace oder zuletzt zum Verschwinden der kleinen Maddie McCann wurden Serien gedreht. Ein weiteres Element, das auch für dieses Projekt gesprochen haben könnte, ist die Bereitschaft von Netflix, sich für mehr europäische Produktionen und Themen zu öffnen. Von den 150 Millionen Abonnenten weltweit leben immerhin 60 Millionen in Europa. Vor Kurzem hat der amerikanische Konzern in diesem Zusammenhang eine Zentrale in Amsterdam, Büros in London, eine Produktionsstätte in Spanien und ein weiteres Büro in Brüssel eröffnet.

(red)

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