Studie: E-Biker bewegen sich mehr als herkömmliche Radler

<p>Mit der Marke „Jump“ vermietet die Taxiplattform Uber Elektrofahrräder mit Tretunterstützung.</p>
Mit der Marke „Jump“ vermietet die Taxiplattform Uber Elektrofahrräder mit Tretunterstützung. | Foto: belga

Ein entscheidender Grund für die größere körperliche Anstrengung ist, dass E-Biker eher bereit sind, auf den Drahtesel zu steigen und häufig weitere Strecken zurücklegen als die Nutzer herkömmlicher Räder. Mit anderen Worten: Sie verbringen mehr Zeit auf dem Sattel. Auf diese Weise wird die Unterstützung des Elektromotors vollständig kompensiert.

Ein Radfahrer auf einem E-Bike wird von herkömmlichen Radlern gerne belächelt, unterstellen diese ihm doch, dass er es sich zu einfach macht und es keine Anstrengung kostet, mit einem Elektromotor unterm Sattel durch die Gegend zu radeln. „Das ist kein Fahrrad, das ist Betrug“, wirft man dem Besitzer eines Pedelecs gerne vor. Das Vorurteil des tretfaulen E-Bikers hält sich hartnäckig, aber das Fahren eines Pedelecs ist sportlicher, als so mancher denkt, wie einer internationalen Studie zu entnehmen ist, die in der Zeitschrift „Transportation Research Interdisciplinary Perspectives“ veröffentlicht wurde. Für die Untersuchung wurden die Nutzung unterschiedlicher Fortbewegungsmittel und körperliche Aktivität von Menschen in sieben europäischen Städten ausgewertet, berichtet das Digitaltechnik-Portal t3n. Die Daten stammen vom europäischen Forschungsprojekt „Physical Activity Through Sustainable Transport Approaches“. Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt: Nutzer von E-Bikes, Nutzer herkömmlicher Fahrräder und Personen, die überhaupt kein Rad fahren. Die Nutzung der verschiedenen Fortbewegungsmittel, die körperliche Aktivität und weitere Parameter wurden statistisch ausgewertet.

„Gesundheit ist mehr als nur körperliche Anstrengung.“

Die körperliche Aktivität beziehungsweise der wöchentliche Stoffwechselumsatz wird in Metabolisches Äquivalent (Metabolic Equivalent of Task – MET) ausgedrückt. Der Wert für E-Biker liegt mit 4.463 MET höher als der für Radfahrer (4.085). E-Biker sitzen etwas länger auf dem Sattel als Radfahrer: 32,2 gegenüber 30,3 Minuten pro Tag, doch bei ihnen kommen noch zusätzlich 13,4 Minuten auf dem herkömmlichen Fahrrad hinzu. Auch bei der durchschnittlichen pro Tag zurückgelegten Strecke liegen die E-Biker vorn. Sie fuhren pro Tag acht Kilometer auf dem E-Bike und 2,5 Kilometer auf dem Fahrrad. Die Fahrradfahrer fuhren hingegen nur 5,3 Kilometer pro Tag. Im Schnitt waren die E-Biker mit 48,1 Jahren signifikant älter als die Radler (Durchschnittsalter 41,4 Jahre).

Wie genau sich die Anschaffung des E-Bikes auf die körperliche Aktivität auswirkt, hänge natürlich davon ab, von welchem Transportmittel die Nutzer aufs E-Bike umgestiegen sind, schreibt das Portal t3n. Ein Viertel der Befragten ersetzte Auto- oder Motorradfahrten mit der Nutzung eines E-Bikes. 23 Prozent gaben an, dass sie ausschließlich Radfahrten mit dem E-Bike ersetzten, 15 Prozent stiegen vom öffentlichen Nahverkehr aufs E-Bike um. Die Studie kommt zum Schluss, dass der gesundheitliche Nutzen besonders groß für diejenigen sein kann, die vom motorisierten Fahrzeug oder öffentlichen Nahverkehr aufs E-Bike umsteigen. Die Befürchtung, dass die Nutzung eines E-Bikes die körperliche Aktivität von ehemaligen Radfahrern deutlich reduziert, wird ausgeräumt, denn bei den E-Bikern ist die durchschnittliche zurückgelegte Strecke auf dem Pedelec wie auch auf dem Fahrrad länger als bei ausschließlichen Radfahrern. Ob Radfahrer aufs E-Bike umsteigen, gerade weil sie im Alltag längere Strecken zurücklegen müssen oder ob sie die geringere Kraftanstrengung mit längeren Fahrten ausgleichen, geht aus den Daten nicht hervor.

Die Macher der Studie ziehen ein deutliches Fazit aus ihren Untersuchungen. Städteplaner und Verantwortliche sollten dafür Sorge tragen, dass E-Biker nicht durch mangelhafte Infrastruktur wortwörtlich ausgebremst werden. Auch sollten die gesundheitlichen Vorzüge des Wechsels vom Auto zum E-Bike von der Gesellschaft und vom Staat anerkannt werden und im besten Falle in entsprechenden Förderungen münden.

Allerdings ist damit noch nicht bewiesen, dass Pedelecs auch für die allgemeine Gesundheit einer Person von Vorteil sind. „Gesundheit ist mehr als nur körperliche Anstrengung", erklärt Luc Int Panis von der flämischen Forschungsorganisation VITO, die an der Studie beteiligt war. „Um die volle Wirkung von Pedelecs auf die Gesundheit sehen zu können, ist auch die Erforschung der Gefahren von Verkehrsunfällen erforderlich. Und diese könnten für Pedelec-Fahrer höher sein, weil sie öfter fahren und weil die Infrastruktur oft nicht angepasst ist.“ (gz/belga)

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