Egan Bernal auf dem Thron

<p>Julian Alaphilippe (links) und Egan Bernal prägten die diesjährige Tour de France.</p>
Julian Alaphilippe (links) und Egan Bernal prägten die diesjährige Tour de France. | Fotos: Photo News

Das erst 22 Jahre alte Wunderkind Egan Bernal (Ineos), jüngster Nachkriegssieger der Grande Boucle, bestieg den wichtigsten Radsport-Thron, und Frankreich trauerte traditionell dem diesmal fast schon tragisch verpassten Heimsieg nach: Die 106. Tour de France geht als eine der dramatischsten in die Geschichte ein.

Auf den drei Alpenetappen war Egan Bernal eine Klasse für sich. Der Kolumbianer wurde nach einer herausragenden Vorstellung in der dünnen Höhenluft der letzten Bergetappen zum ersten lateinamerikanischen Tour-Sieger und zum jüngsten Champion seit 110 Jahren. „Ich glaube, in Kolumbien sind die Menschen jetzt ziemlich happy“, sagte Bernal, der 1:11 Minuten vor Teamkollege und Titelverteidiger Geraint Thomas lag und den siebten Gesamtsieg für das Ineos-Team - vormals Sky - in acht Jahren holte.

„Der Wunderknabe aus Zipaquira wird zur Legende“, jubelte Kolumbiens wichtigste Tageszeitung El Tiempo in einer Sonderausgabe. „Ihm steht eine wunderbare Zukunft bevor“, meinte der entthronte Thomas. Bernal profitierte natürlich auch davon, dass sein mutmaßlich härtester Konkurrent vom Rad musste. Thibaut Pinot (FDJ-Groupama), Etappensieger am Tourmalet, war trotz an einer Windkante leichtfertig verlorener 100 Sekunden als Gesamtfünfter auf Schlagdistanz in die Alpen gekommen - und gab am drittletzten Tag unter Tränen wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel auf. „Ich war überzeugt davon, dass ich dieses Jahr die Tour gewinnen kann. Jetzt werde ich niemals erfahren, ob ich es geschafft hätte“, so Pinot.

Sein Landsmann Julian Alaphilippe trug das Gelbe Trikot bis in den drittletzten Tag. Doch in den Hochalpen platzte auch für „Juju“, der wohl der weltbeste Allrounder, aber eben kein ausgewiesener Bergspezialist ist, der Traum vom ersten französischen Sieg seit Bernard Hinault 1985. „Ich hätte nichts besser machen können, habe nichts zu bedauern. Deshalb bin ich stolz auf diese Tour“, sagte Alaphilippe, der 14 Tage in Gelb fuhr, schließlich aber noch auf Platz fünf zurückfiel.

Der slowakische Weltmeister Peter Sagan (Bora-hansgrohe) sicherte sich souverän den Gewinn des Grünen Trikots und wird damit zum Rekordgewinner. (sid/jph)

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