Seine Worte wählt Fabio Quartararo sorgfältig. Der Rookie fasst sich kurz, er fühlt sich auf dem Podium nicht richtig wohl, ist schüchtern, unsicher, ganz anders als sein Nebenmann Marc Marquez. Dabei hätte der blutjunge Franzose nach seinen furiosen ersten Monaten in der MotoGP Grund genug, bei der Pressekonferenz vor dem Rennen auf dem Sachsenring mit breiter Brust aufzutreten.
Man vergisst schnell, dass der Shootingstar gerade mal 20 ist. Quartararo hat sich bei den Großen in einem Tempo etabliert, wie wenige andere zuvor. Zweimal in acht Rennen stand der Blondschopf auf dem Podium, schon dreimal auf der Pole. Bei seiner ersten Fahrt auf Startplatz eins vor neun Wochen in Jerez war er 20 Jahre und 14 Tage alt – Rekord. Weltmeister Marquez hatte 2013 mit 20 Jahren und 62 Tagen die bis dahin gültige Bestmarke aufgestellt. Im Parc ferme würgte der Spanier seinen lächelnden Nachfolger am Hals, ein Spaß.
Schon im vergangenen Sommer hatte das neue MotoGP-Team Petronas Yamaha bekannt gegeben, dass Quartararo einen der zwei Plätze für 2019 bekommt. Da dem Talent aus Nizza bis dahin nur ein Sieg in der mittleren Klasse Moto2 gelungen war, ließ die Kritik an der Personalentscheidung nicht lange auf sich warten. Von „Jugendwahn“ sprach etwa Alvaro Bautista (34), der Spanier bekam keine Maschine für diese Saison und musste in die Superbike-WM wechseln. Auf die Pole schaffte es der Routinier in der Königsklasse übrigens nur einmal.
Quartararo, Spitzname „El Diablo“, ist wirklich schnell wie der Teufel. Er hat sich in Windeseile an seine neue Maschine gewöhnt, er genießt die Zeit auf der Rennpiste, Stürze sind eine Seltenheit. „Ich hatte erwartet, dass er schnell sein würde, aber er überrascht mich“, sagte Italiens Superstar Valentino Rossi zuletzt über den Aufsteiger. Der Yamaha-Werksfahrer hat im WM-Klassement nur fünf Punkte Vorsprung auf den sechstplatzierten Anfänger. Langsam, aber sicher geht Rossis Zeit im Motorradzirkus zu Ende. Mit Quartararo steht die nächste Generation bereits bereit. (sid)

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