Den vor einigen Monaten eingeschlagenen Weg mit dem jungen, talentierten Team will die 51-Jährige konsequent weitergehen und erhält dabei auch die volle Unterstützung vom Deutschen Fußball-Bund.
Gleichwohl herrscht bei den Spielerinnen erstmal die große Leere. Denn nicht nur das Halbfinale in Lyon, das nun am Mittwoch (21 Uhr) die Schwedinnen gegen Europameister Niederlande bestreiten, wurde verpasst.
Fast noch schlimmer zu ertragen ist, dass die Olympischen Spiele im nächsten Jahr ohne den Gold-Gewinner von Rio 2016 stattfinden. Das Ticket nach Tokio war das erklärte Minimalziel. „Es ist traurig, dass wir Olympia verpassen und nächstes Jahr kein großes Turnier haben“, befand Spielführerin Alexandra Popp.
Melanie Leupolz, die gegen Schweden nicht spielen durfte und das Drama von der Bank verfolgte, stand in den Katakomben des Roazhon Parks von Rennes noch unter Schock: „Als Olympiasieger in Tokio nicht dabei zu sein, ist schon sehr bitter.“ Die 25-Jährige von Bayern München war die einzige Spielerin, die vorsichtige Kritik an den Teamkolleginnen und der Trainerin übte.
Ihre Nicht-Berücksichtigung habe sie schon im Laufe der Woche geahnt, sei ihr aber nicht erklärt worden. „Am Ende entscheidet die Trainerin, wer spielt. Sie hat sich halt so entschieden. Das ist ja ihr Job. Ich will auch nicht alles hinterfragen“, meinte Leupolz sichtlich angeschlagen. „Ich hätte das Gespräch suchen können, aber das wollte ich dann nicht.“
Darüber hinaus bemängelte Leupolz treffend, dass sich die Mannschaft nach dem 1:1 durch Sofia Jakobsson (22. Minute) und dem Führungstor von Stina Blackstenius (48.) nicht genug und effektiv gewehrt habe. „Da muss man schon den Charakter als Mannschaft haben, dass man Gegentore auch mal verdaut.“ Statt nach der tollen Anfangsphase und dem schönen Treffer von Lina Magull (16.) Selbstbewusstsein auszustrahlen, brach das junge Team auf unerklärliche Weise nach dem ersten Gegentor beim Turnier ein und kassierte die erste Niederlage im neunten Länderspiel unter Voss-Tecklenburg.
Tatsächlich ist zu hinterfragen, ob die gewiefte Taktikerin Voss-Tecklenburg diesmal ein glückliches Händchen hatte mit allen Entscheidungen. Dzsenifer Marozsan angesichts ihres Trainingsrückstandes nach dem Zehenbruch zum WM-Start und drei Wochen Spielpause erst zur zweiten Spielhälfte zu bringen, ist nachvollziehbar. Dass Popp erstmals bei der WM von der gewohnten Position in der Sturmmitte auf die Sechs zurückgezogen wurde und sie dadurch mit ihrer Präsenz vorn als Anspielstation und Strafraumschreck fehlte, ist diskutabel.
So hing die schnelle, aber unerfahrene Lea Schüller vorn in der Luft, auch weil es an Unterstützung aus dem Mittelfeld von Svenja Huth und der überraschend ins Team gerutschten Linda Dallmann mangelte. Dazu kam das Pech, dass Linksverteidigerin Carolin Simon noch vor der Pause verletzt raus musste. So kam Leonie Maier noch unverhofft zu ihrem WM-Debüt.
Derweil schmiedete die Bundestrainerin, die sich auch erstmal eine Auszeit nimmt, schon wieder Pläne. Um die Zukunft des deutschen Frauenfußballs sorge sie sich nicht, auch wenn die gerade erst wieder entflammte Euphorie gestoppt wurde. „Es ist für mich keine Vollbremsung. Es darf kein Rückschlag sein. Wir müssen uns neue Ziele setzen und müssen diesen Prozess weitergehen“, betonte sie. Es werde jetzt nicht alles in Frage gestellt. „Die Niederlage tut weh, aber die müssen wir als Team einstecken und verarbeiten. Das gehört zum Sportlerleben dazu. Ich erwarte und vertraue darauf, dass wir daraus lernen und alle zusammen wachsen. Dieses Team hat Potenzial und eine Zukunft.“ (dpa)

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