„Ich lebe gerne“, zitiert Celeste Bonas aus dem Buch „Wir treffen uns wieder in meinem Paradies“, das auf dem Tagebuch der damals 15-jährigen Krebspatientin Isabell Zachert, die 1982 starb basiert. Es wurde 1993 von ihrer Mutter Christel Zachert veröffentlicht und mittlerweile in 30 Sprachen übersetzt.
Vor der Bühne stehen Menschen mit Fackeln, an der gesamten Laufstrecke des KMILE-Geländes leuchten bemalte Papierlaternen. In der Mitte steht im Dämmerlicht ein großes Herz aus Kerzen. Die Kerzenzeremonie am späten Samstagabend ist der emotionale Höhepunkt des „Laufs für das Leben“. Alle anwesenden Läufer gehen mit Fackeln eine Runde, um derer zu gedenken, die verstorben sind oder aktuell gegen die heimtückische Krankheit ankämpfen.
24 Stunden laufen oder gehen die Menschen aus Solidarität mit den Krebskranken. Die Gruppen haben viel organisiert, um aus dem Lauf trotz oder wegen des ernsten Hintergrundes ein fröhliches Fest zu machen.
Vor dem Stand „Für Lothar“ stehen die Massen für ein frisch gezapftes „Val Dieu“ an. „Wir sind die einzigen, die Fassbier anbieten“, sagt Nicole Hermanns, die 161 Freunde des im Dezember 2017 an Krebs verstorbenen Ex-Karnevalsprinzen und Sitzungspräsidenten der Eulen-Herrensitzung, Lothar Hermanns, eingeladen hat. Mit viel Leidenschaft hat sie den Stand organisiert. „Ich habe es für mich und meinen Mann gemacht“, sagt sie.
Wenn die Teilnehmer nicht vor oder an ihren Zelten stehen, sind sie auf der Piste und laufen ihre Runden. „Laufen“ kann auch problemlos „gehen“ heißen, was besonders in der Mittagshitze viele tun. Ziel ist ja nicht, möglichst viele Runden zu laufen, sondern dass von jeder Gruppe mindestens ein Teilnehmer auf der Piste ist. „Schließlich macht der Krebs ja auch keine Pause“, sagt Mitorganisatorin Jacqueline Jost. Es sind viele Teilnehmer dabei, die sich aus persönlicher Betroffenheit entschlossen haben, mitzulaufen. „Ich mache für meinen Bruder mit“, sagt Yannis aus Eynatten. Der Bruder des Siebenjährigen hat es wohl geschafft, den Krebs zu besiegen. In jedem Fall ist der Lauf ein Statement für das Leben und die Freude daran. Am Stand des Teams Franjo sitzt eine fröhliche Runde zusammen, lacht und labt sich an leckeren Frikadellen. Mitten in der Runde sitzt Namensgeber Franz-Josef Hoen, der gerade einen Krankenhausaufenthalt hinter sich gebracht hat. Sonja Hoen ärgert sich etwas über den ihrer Meinung nach zu großen bürokratischen Aufwand, den die Laufteilnahme mit sich gebracht hat. Aber das ist jetzt vergessen. „Wenn man sich mit der Bürokratie abgefunden hat, kriegt man sichtlich Spaß“, sagt sie.
Die Teilnehmer sind sehr zufrieden mit dem Verlauf des Tages. „Es ist sehr gut für ein erstes Mal“, sagt Philippe Fivé. Der 70-jährige aus Xhoris muss es wissen. Der Eupener Lauf ist sein 53. Lauf für das Leben. Er ist schon in Tacoma (Washington), in Südamerika, Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Irland gelaufen und zeigt stolz seine Medaillen. Er gehört selbst zu den „Kämpfern“, er musste schon drei mal gegen die Krankheit Krebs ankämpfen. „Von zehn Punkten würde ich zehn vergeben“, sagt die ebenfalls betroffene Monika Gleich aus Bleyberg.
Natürlich sind auch viele soziale Organisationen wie Krankenkassen, Kaleido und andere Firmen vertreten, die ihre Teams ins Rennen schicken. Bei „Hydro“ herrscht ein buntes Sprachgewirr aus allen Landessprachen. Aus allen Filialen Ghlin (Hennegau), Lichtervelde (Westflandern), Landen (Brabant), Brüssel und Raeren sind die Mitarbeiter zusammengekommen, um sich kennenzulernen und etwas Gutes zu tun. Überall wird etwas verkauft von Flohmarktartikeln über Bier vom Fass, Leckereien bis hin zu Badespielzeug aus Synthetikschaum. Die einzigen, die aus rechtlichen Gründen nichts verkaufen, sind Polizei und Militär, die aber dennoch sehr aktiv dabei sind.
Minister Antonios Antoniadis (SP) hat sich im Sportdress bei den Vegder Diddeldöppcher bequem gemacht. „Es ist gut, dass der Lauf für den Krebs sensibilisiert und man so offener mit dem Thema umgeht“, sagt er. Schließlich ist heutzutage Krebs dank moderner Onkologie kein zwingendes Todesurteil mehr.































































































































































































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