Klingt flott und witzig, stimmt diesmal jedoch in keiner Weise, denn zum prominenten Wirt geworden ist vor wenigen Tagen Roland Duchâtelet. Und genau dem ist bisher wohl alles gelungen, was er sich in seinem Berufsleben als Ziel gesetzt hatte. Vor wenigen Tagen empfing er seine Gäste, um mit diesen gemeinsam seinen jüngsten Coup zu feiern: Gastwirt.
Roland Duchâtelet zapfte denn auch das erste Glas Bier im „Café du Soleil“, zeigte es stolz und begeisternd umher und servierte allen, die an diesem Eröffnungsabend dabei sein wollten, ein kühles Helles. Wer eingeladen war, wollte sich den Einstieg des erfolgreichen Unternehmers in einen Beruf, den man ihm nicht zugetraut hätte, nicht entgehen lassen.
Zuvor hatte der Unternehmer Journalisten vor Ort anvertraut, er wolle tatsächlich beruflich etwas kürzer treten. Der 68-Jährige wird sich selbstverständlich nicht alltäglich am Tresen um seine Gäste kümmern, doch will er sich öfter als bisher zu jenen gesellen, die sich hier am Tischkicker messen, Dart spielen oder nur beim Bier die Welt verändern wollen. Dazu eignet sich das „Café du Soleil“ bestens. Mehr als zwei Dutzend verschiedene Biere werden geboten, sechs LED-Schirme sorgen für Kurzweil oder übertragen Sportliches.
In dem umgestalteten Café werden sich vor allem Gäste einfinden, die ein Herz für Fußball haben … wie Caféboss Roland Duchâtelet selbst. Das Lokal ist Teil des Stayen, und dies ist der Name für das Fußballstadion des Klubs St.Truiden und der diesem angeschlossenen Aktivitäten. Der vormalige Präsident des Fußballklubs hat sich für die Aufwertung des Cafés persönlich eingesetzt und wohl auch finanziell dessen Aufleben abgesichert. „Ob ich oft selbst hier sein werde, bin ich gefragt worden“, vertraute er den Eröffnungsgästen an und bestätigte: „Ja, das wird wohl der Fall sein. Tischfußball oder Kartenspiel entspannt mich sehr. Ich werde bald mehr Zeit dafür haben.“
Mehr Ruhepausen im eigenen Café
Roland Duchâtelet wohnt in der Nähe und will persönlich etwas mehr Ruhepausen einlegen. „Ich finde, junge Leute sollten sich mehr in einem Café entspannen, als ständig irgendwo mit dem Smartphone beschäftigt zu sein“, mahnte der Unternehmer, der selbst so erfolgreich war wie nur wenige.
Manche dürften Roland Duchâtelet erst kennen, seitdem er die politische Partei Vivant mit gründete und als deren Präsident für eine andere Politik eintrat. Er verschaffte Vivant zwar einen bleibenden Erfolg überall im Lande, wechselte selbst aber zu den Liberalen, weil er glaubte, dort mehr bewirken zu können. Seine Vivant-Freunde nahmen ihm dies kaum übel.
Sie erinnern sich noch an die vom Parteigründer propagierten Formeln der gerechteren Umverteilung von Lohn und Steuern. Politisch fand Duchâtelet die Nähe zu Guy Verhofstadt. Er zog in den Senat ein, als dieser noch ein Wort mitreden durfte. Als Schöffe in Sint-Truiden überwarf er sich früh mit dem sozialistischen Bürgermeister.
Anderen ist der Name des Mitinhabers vom „Café du Soleil“ eher bekannt, weil dieser die Fäden der Firmengruppe X-Trion hält, die neben anderen Unternehmen vor allem das börsennotierte Melexis hält. Melexis vertreibt mit viel Erfolg integrierte Schaltkreise, die etwa in Sensoren der Autoindustrie verwendet werden. Kunden aus Europa und Nordamerika vertrauen Melexis. Duchâtelet gehört zudem die Holding Flex, die beim Handel mit Anteilen fette schwarze Zahlen schreibt.
Die Investitionen im Fußball brachten dem Vorzeigeunternehmer zwar finanzielle Erfolge, doch kaum sportliche Höhenflüge. Erst zu Beginn dieser Saison überließ er die Geschicke des Standard CL seinem Nachfolger. 41 Millionen Euro hatte er hier investiert, verließ den Klub offenbar mit einem satten Gewinn.
Seinem Sohn Roderick kaufte Duchâtelet den ungarischen Fußballklub Ujpest. Bei Carl Zeiss Jena und weiteren Fußballvereinen redet die Familie ebenfalls ein gewichtiges Wort mit. Ohne Macht, ohne Geld lässt sich auch im Fußball nichts erreichen, so lautet eine Devise der Unternehmerfamilie.
Vater Duchâtelet war ein Lütticher, die Mutter kam aus Limburg. Der erfolgsverwöhnte Geschäftsmann Roland träumte einmal von einer Fußballliga Benelux. Mal sehen, ob er das wieder aufwärmen wird. Vielleicht bleibt ihm hierfür mehr Zeit als Gast im „Café du Soleil“.(hw)

