Nihoul wurde mit Benny Hill verglichen

Im bisherigen Verlauf des Dutroux Prozesses ist Michel Nihoul kaum hervorgetreten. Nur der Verteidiger von Laetitia Delhez, Georges-Henri Beauthier, und der Prokurator des Königs, Michel Bourlet, erinnern Gericht und Zuhörer regelmäßig daran, dass vier Angeklagte in der Box sitzen und nicht drei.

Zu Beginn dieser achten Prozesswoche war es jedoch zu einem ersten Zusammenstoß zwischen Nihoul und Bourlet gekommen. Laut Bourlet hat Michelle Martin zu Protokoll gegeben, dass Nihoul regelmäßig Kontakt mit Dutroux hatte und auch dessen Haus in Marcinelle besuchte. Darauf hin kam plötzlich Leben in den meist regungslos vor sich hin dösenden Nihoul. Mit einem »Ich habe nie einen Fuß in dieses Haus gesetzt, und ich fordere jeden heraus, mir dies zu beweisen« war Nihoul hochrot aufgesprungen.

Michel Nihoul hat immer wieder geleugnet, am 8. oder 9. August in Bertrix in der Nähe des Schwimmbads gewesen zu sein. Dort war Laetitia Delhez am 9. August um 20.45 Uhr von Marc Dutroux und Michel Lelièvre entführt worden. Gestern sollten 23 Zeugen vernommen werden, darunter auch jene, die Nihoul in Bertrix gesehen haben wollen. Am Montag hatten die Ermittler anhand der Telefonüberwachung bewiesen, dass Nihoul sich zu den inkriminierten Zeitpunkten in Brüssel befand.

Außerdem benannte Nihoul seinen Freund Michel Vander Elst als Zeugen, mit dem er einen Großteil des 9. August in Schaerbeek verbracht hat. Eine der von Nihoul benannten Zeugin, seine Lebensgefährtin Marleen De Cokere, erschien jedoch gestern nicht in Arlon vor Gericht. Sie wohnt an der Küste, leidet an Multipler Sklerose und kann sich kaum noch bewegen.

Gerichtspräsident Goux verlas deshalb ihre während der Ermittlungen gemachten Aussagen. Daraus geht hervor, dass beide am Abend des 9. August zusammen mit Vander Elst und dessen Freundin an einer Grillparty teilgenommen haben. Die Verteidiger von Laetitia Delhez stellten die Aufrichtigkeit der Frau in Frage. Sie habe Dutroux jahrelang bei dessen obskuren Geschäften geholfen.

Und Georges-Henri Beauthier schob noch nach, dass Marleen De Cokere acht Tage lang für einen transsexuellen Pornoproduzenten gearbeitet habe. Nihoul stellte darauf hin fest, dass seine Freundin sich auf ein Inserat des Produzenten gemeldet habe. Und nachdem sie festgestellt habe, dass ihr neuer Arbeitgeber in der Pornoindustrie tätig war, habe sie nach vier Tagen gekündigt.

Der ehemalige Anwalt von Nihoul, Michel Vander Elst, verglich seinen Klienten mit Benny Hill, der auch alle Menschen zum Lachen gebracht habe. Er habe Nihoul in Rechtsangelegenheiten beraten, Nihoul habe als Gegenleistung (zwischen dem 5. und 9. August 1996) sein Appartement renoviert. Der Anwalt erklärte ferner, dass Nihoul ein schlechter Verwalter war, der von Konten eine ziemlich »elastische« Auffassung gehabt und dem er seine Ersparnisse sicherlich nicht anvertraut habe.

Der in die Entführung des Staatsministers Paul Vanden Boeynants verwickelte und verurteilte Anwalt war von der Anwaltskammer in Brüssel gestrichen worden. Gestern konnte Vander Elst sich nicht mehr daran erinnern, ob er Nihoul am 8. August gesehen hatte. Es hätte auch der 6. oder 7. August sein können, meinte er.

Niemand bestreitet, dass Nihoul am Tage der Entführung von Laetitia Delhez in Brüssel war, aber kein Zeuge kann ihm für den 8. August ein Alibi liefern. Dagegen wollen mehrere Zeugen ihn in der Gegend von Bertrix gesehen haben.

Zu Beginn der Nachmittagssitzung liefert Marc Dutroux dann eine neue Version der Entführung von Laetitia Delhez am 9. August 1996: »Nicht Laetitia, sondern ein anderes Mädchen sollte entführt werden.« Den Namen des Kindes konnte Dutroux jedoch nicht angeben.

Ein Zeuge hatte zuvor behauptet, er habe Michel Nihoul und Marc Dutroux in der Woche des 5. August in einem weißen Kleinlaster in der Nähe von Bertrix gesehen. Diese Aussage wurde sofort von Dutroux bestätigt. Er habe zu Beginn des Nachmittags des 8. August mit Nihoul Bertrix ausgekundschaftet: »Nihoul erklärte, wo das Kind vorbeikommen sollte. Es sollte ein junges Mädchen sein, aber nicht Laetitia. Wir hätten es am 9. August, am Schwimmbad, zu Beginn des Nachmittags entführen sollen.« Aber Dutroux und Lelièvre hatten am nächsten Tag eine Autopanne und kamen zu spät in Bertrix an. Sie haben dann später Laetitia Delhez entführt, um Michel Nihoul eine Freude zu machen.

Der Verteidiger von Michel Nihoul, Clément de Cléty, bezeichnete die Behauptung von Dutroux, er habe am 8. August, zusammen mit Nihoul, Bertrix ausgekundschaftet als eine Lüge und lieferte sofort den Beweis dafür: »Am 8. August hat Michel Nihoul um 14.03 Uhr mit Vander Elst telefoniert, um 14.06 Uhr mit Dutroux, um 14.29 Uhr den Comfort-Dienst von Belgacom angerufen. Damit ist eine gemeinsame Autofahrt zu Beginn des Nachmittags unmöglich.«