Deutsch war in Israel als Amtssprache geplant

Es ist in Vergessenheit geraten: Für Theodor Herzl, den geistigen Vater eines neuen selbstständigen Judenstaates, war es völlig klar, dass in seinem neuen Israel Deutsch zur Amtssprache werden würde. Wie viele Juden weltweit sprach er als österreichischer Jude um 1900 Deutsch. Sein wichtigstes Werk „Der Judenstaat“ verfasste er natürlich ebenfalls auf Deutsch.

Auch viele andere prominente Juden der Geschichte wie Albert Einstein und Sigmund Freud hatten Deutsch als Muttersprache. Bis zum Ersten Weltkrieg war Deutschland der wichtigste Unterstützer der Idee eines jüdischen Staates in Palästina. Nicht um die eigene jüdische Bevölkerung loszuwerden, sondern um einen deutschfreundlichen Staat im Nahen Osten zu schaffen. Kaiser Wilhelm II. setzte sich persönlich für dieses Anliegen bei der Regierung des Osmanischen Reichs ein. Auch aufgrund dieser Hilfe war die deutsche Sprache als Amtssprache im neuen Israel vorgesehen. Selbst für die Technische Hochschule Haifa war 1913 zunächst Deutsch als Lehrsprache geplant.

An der Universität Tel Aviv wurde 2007 der Reich-Ranicki-Lehrstuhl für deutsche Literatur eingerichtet. In seiner Dankesrede kritisierte der bekannte jüdische Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki Versuche, in Israel die deutsche Sprache aus dem öffentlichen kulturellen Leben zu verbannen: „Und ich antworte jetzt denen, die das Deutsche nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr hören konnten und die nicht mal die Neunte in deutscher Sprache singen lassen wollten, ich antworte ihnen: Deutsch ist die Sprache des Zionismus. Das klingt merkwürdig. Aber so ist es. Der Gründer und Prophet des Staates Israel, Theodor Herzl, war ein deutscher Schriftsteller, ein deutscher Journalist, Deutsch war seine Muttersprache. Und aus deutschem Geist, deutscher Literatur, ist der Zionismus hervorgegangen. Ich bin tief beglückt, dass ich diesen Ehrendoktor der Uni Tel Aviv erhalte und ich bin beglückt, dass ein Lehrstuhl geschaffen wird, der sich mit deutscher Literatur in Israel beschäftigen wird, gründlich beschäftigen wird. Das ist gut für Israel. Und das ist gut für Deutschland.“ (imh)