Tage des offenen Denkmals: Stillgelegte Bahntrassen im Fokus



„Ravel“ ist das Kurzwort für „Réseau Autonome de Voies Lentes“, also „unabhängiges Netz langsamer Wege“. Ehemalige Treidelwege, stillgelegte Bahntrassen und andere autofreie Wege werden mittlerweile als Wander-, Reit- und Radverkehrsnetz genutzt. In Ostbelgien stehen die stillgelegten Bahntrassen im Mittelpunkt des Programms. „Seit mehreren Jahrzehnten sind die Tage des offenen Denkmals ein bewährtes Mittel der breiten Sensibilisierungsarbeit im Bereich der Wahrung der Denkmäler und des Kulturerbes. Auch in diesem Jahr greifen sie wieder ein spannendes Thema auf, welches es versteht, in Ostbelgien die Einzigartigkeit der Vennbahn und ihrer Industriegeschichte mit der Gegenwart sowie dem neuen Aufschwung durch die touristische Nutzung zu verbinden“, sagt die zuständige Gemeinschaftsministerin Isabelle Weykmans (PFF).

Besucher und Einheimische können auf ehemaligen Bahnstrecken radeln, Führungen und Ausstellungen zur Eisenbahn- und Industriegeschichte besuchen und auf alten Verbindungswegen wandern. Eine Kombination aus Geschichte und Bewegung bietet die geführte E-Bike Tour von St.Vith nach Burg-Reuland. Auf der gesamten Strecke gibt es eine Reihe interessanter Brücken und Tunnel als Relikte der ehemaligen Bahntrasse. Die geführte Radwanderung startet am Museum, wo zeitgleich eine Ausstellung zur Geschichte der Vennbahn und ein Film gezeigt werden.

Die Anlage des Raerener Bahnhofs ist ein Ort, der nicht nur Eisenbahnfans begeistert. Der gesamte Bahnhof aus dem 19. Jahrhundert mitsamt seinen noch vorhandenen technischen Anlagen wurde im Jahr 2014 als technisches Denkmal unter Denkmalschutz gestellt. Bei den Führungen werden dem Besucher die vor Ort verbliebenen und teilweise einmaligen Mechanismen an Schienen, Signalanlagen, Drehscheibe sowie Stellwerken erläutert.

Neutral-Moresnet ist zurzeit in aller Munde. Die 200-jährige Geschichte dieses besonderen historischen Flecks ist eng mit der Industrialisierung und dem Zinkabbau verbunden. In Kelmis haben Interessierte die Wahl zwischen zwei Führungen. Bei der einen geht es hauptsächlich um das Thema Wasser, die Industrieanlagen des 19. Jahrhunderts und den maßgeblichen Einfluss der Zinkmine der „Vieille-Montagne“ auf die Kulturlandschaft.

In der anderen Führung geht es um die Eisenbahngeschichte der alten Bahnlinie 39A zwischen Kelmis und Moresnet. Weitere Informationen und eine Ausstellung zur Eisenbahngeschichte gibt es auch im Wagon im Bruch an der Lütticher Straße, der an beiden Tagen geöffnet sein wird. Die Wasserläufe mit Teichen, Wehren und Schleusen spielten für die industrielle Entwicklung der Eupener Unterstadt eine wichtige Rolle. Die Führung geht per Bus und zu Fuß durch die Gässchen entlang der Wasserwege. In Kostümen der Epoche entführen Theodor Mooren und seine Weggefährten, Robert und Mathilde Wetzlar, in die Zeit der Industrialisierung und würzen die Führung mit so mancher Anekdote zur Stadtgeschichte.

Die Anlage des Raerener Bahnhofs ist ein Ort,der nicht nur Eisenbahnfans begeistert.

Wer immer schon mal wissen wollte, wie die Eupener Unterstadt sich verändert hat oder wozu eigentlich die Wehre in Weser und Hill dienten oder wer vielleicht erfahren möchte, wo die Arbeiter der Fabriken lebten und wer Försters Trude war, sollte sich für diese Führung anmelden.

Eine individuelle Wanderung entlang der alten Verbindungswege kann auf eigene Faust unternommen werden. Sie führt vorbei an historischen Gebäuden und Landschaften, Kapellen und Wegekreuzen. Eine Karte, die auf dem Kulturerbeportal heruntergeladen werden kann, zeigt den Weg.

Zusätzlich liegt am Stellwerk im Bahnhof Raeren und am Töpfereimuseum (Burg Raeren) ein Flyer mit der Karte aus. (red/sc)

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