Die nächsten 2000 Milliarden sind im Gespräch, um das Finanzsystem zu retten. Und noch andere Meldungen zeugen von einem Fass ohne Boden, vielleicht vom Sterben eines Systems: Rekordzuwachs der Arbeitslosigkeit im Januar in den USA; China schickt 20 Mio Wanderarbeiter nach Hause; Stellenabbau in 10 000er Größenordnung bei einzelnen Firmen – und die größte Luftblase, die Derivate, schwebt noch über uns. Und gleichzeitig: Überschwemmungen und Großbrände in Australien, Dürre in China, Wetterkapriolen und krank machende Luftqualität weltweit. Manche glauben, dass das System mittelfristig wieder anziehen wird, dass man die Umweltprobleme schon in den Griff kriegt; andere stehen unter Zugzwang, müssen nachweisen, etwas getan zu haben. Doch irgendwie weiß jeder, dass es so nicht weitergehen kann, dass Probleme nicht mit denselben Mitteln behoben werden können, die zu deren Hervorkommen geführt haben. Auch in belgischen (traditionellen) Parteizentralen wird mittlerweile schon laut über die Frage nachgedacht, ob unser System von immer mehr Wachstum, immer mehr Konsum in einer Konkurrenzkampf-Spirale nicht überholt ist. Diejenigen, die den Status quo befürworten, berufen sich auf Gesetzmäßigkeiten unseres Systems; doch haben diese den Wert von unabänderlichen Naturgesetzen? Und das Geld ist da, um unsere Gesellschaft auf ein neues Fundament zu stellen, doch wird es in den falschen Lagern gebunkert. Neue Gesellschafts- und Wirtschaftsmodelle sind in den letzten Jahrzehnten von verantwortungsbewussten Bürgern entwickelt und erprobt worden; neue, saubere und zum Teil freie Energieproduktionstechnologien gibt es als Prototypen, doch kommen all diese Initiativen nicht an die erforderlichen Mittel, um auf breiterer Ebene eingeführt werden zu können. Offensichtlich ist man bei denen, die an den Hebeln der Großmacht sitzen, der Meinung, niemand außer sie selbst könne verantwortungsbewusst mit Geld umgehen, Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen. Doch mit den Ereignissen der letzten Monate kommt die Frage auf, ob die Bevölkerung nicht allzu leichtgläubig genickt hat, wenn man ihr sagte, man habe ja nur das Beste für sie vor Augen. Vielleicht war das schnelle Zustimmen aber auch eine unschuldige Bewertung schöner Floskeln, die uns präsentiert wurden. Doch jetzt wissen wir, dass wir genauer hinschauen und als Mitglieder von Demokratien verstärkt unsere Ansicht äußern sollten; denn auch unsere nicht von Kommunikationsspezialisten geschminkten Ideen und Aussagen enthalten ihren Teil Wahrheit.