Die Demonstrationen sollten außerdem als Warnung an Frankreich und die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas gelten, die den Putsch der Militärs scharf kritisieren, berichtete ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur vor Ort. Zahlreiche Menschen haben demnach russische Fahnen geschwenkt. Französischen Medienberichten zufolge kam es bei dem Protest vor der französischen Botschaft in dem Land teils zu Gewalt.
Am Mittwoch hatten Offiziere von General Omar Tchianis Eliteeinheit den demokratisch gewählten Präsidenten Mohamed Bazoum festgesetzt und für entmachtet erklärt. Tchiani hat sich am Freitag selbst zum neuen Machthaber ernannt. Kurz nach Tchianis Machtübernahme als De-Facto-Präsident setzten die Putschisten die Verfassung des westafrikanischen Landes außer Kraft und lösten alle verfassungsmäßigen Institutionen auf.
Die Demonstranten seien teilweise gewalttätig gewesen, schrieb die französische Nachrichtenagentur AFP am Sonntag auf Twitter. Einige Menschen hätten die Plakette der französischen Botschaft in Niamey abgerissen, sie mit Füßen getreten und durch russische und nigrische Flaggen ersetzt. Nach Militärputschen in den Nachbarländern Mali und Burkina Faso hatten sich die neuen Machthaber dort ebenfalls Richtung Russland orientiert.
Vom Élyséepalast hieß es, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron toleriere keinen Angriff auf Frankreich und seine Interessen. Frankreich werde auf jeden Angriff auf seine Staatsbürger, Diplomaten und Einrichtungen sofort und unnachgiebig antworten. Das französische Außenministerium teilte mit, Paris fordere die nigrischen Kräfte auf, ihrer Verantwortung nachzukommen, die Sicherheit der französischen diplomatischen und konsularischen Vertretungen im Land zu gewährleisten.
Nach einer Sitzung des nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats hattedie ehemalige Kolonialmacht Frankreich am Samstag mitgeteilt, seine Budgethilfe und Entwicklungshilfe an den Niger auszusetzen. Die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas hielt am Sonntag eine Dringlichkeitssitzung in der nigerianischen Hauptstadt Abuja ab, um die politische Lage im Niger zu besprechen. (dpa/jod)

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