Die Minderheitsfraktionen Liste Freches und Freie Liste Solheid (FLS) hatten wie angekündigt gemeinsam einen Zusatzpunkt zur Tagesordnung eingereicht, der darauf abzielte, das Gemeindekollegium zu beauftragen, bei Verhandlungen mit der Windfarm AG eine Bürgerbeteiligung sowie eine höhere Gemeindebeteiligung bei den Vertragspartner einzufordern. Diese sollten sich möglichst am Referenzrahmen der Wallonischen Region orientieren, der eine Bürger- und eine Gemeindebeteiligung von jeweils 24,99 Prozent empfiehlt.
Der Zusatzpunkt wurde zu später Stunde behandelt und am Ende zeigten sich die Oppositionsvertreter gleichermaßen überrascht und erfreut, dass die Mehrheitsliste NBA ihrem Anliegen quasi vorbehaltlos zustimmte. Für die FLS hatte sich Herbert Hannen eingangs dafür ausgesprochen, dass Mehrheit und Opposition ihre Kräfte bündeln sollten. „Es geht um den Ausstieg aus der Kernenergie und die Förderung der erneuerbaren Energien, aber auch ums liebe Geld. Wir sind uns ja auch einig, dass dabei ein finanzieller Mehrwert für die Gemeinde und für die Bürger herausspringen sollte.“
Hannen listete insgesamt zehn Gründe auf, die die Forderung nach einer größeren Gemeinde- und Bürgerbeteiligung aus seiner Sicht durchsetzbar machen. „Die Bürger wünschen das und es würde eine regionale Wertschöpfung entstehen“, betonte der Ratsherr aus Emmels. Zugleich verwies er auf die finanziellen Vorteile für die Gemeinde und die Bürger und dass die Energieversorgung ein Stück zurück in Bürgerhand gebracht werden solle. Zugleich warnte er davor, dass das gesamte Projekt ohne eine angemessene Bürgerbeteiligung gefährdet sei.
Werner Henkes (Liste Freches) begrüßte es ebenfalls, dass der Bürgermeister und der Energieschöffe sich ihren Aussagen zufolge für eine bessere Bürgerbeteiligung einsetzen, bekräftigte zugleich aber seine Kritik an der bisherigen Vorgehensweise in dieser Akte: „Sie haben alles im Alleingang und überstürzt beschlossen, ohne Transparenz über Bürgerbeteiligung.“ Die bislang gehörten Argumente, sich nicht an den Referenzrahmen zu halten, überzeugten kaum, so Werner Henkes. So habe man es versäumt, einen ausländischen, neutralen Experten zurate zu ziehen, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen. Ebenso habe man es unterlassen, einen Projektautor zu bestimmen. „Bei allen kleinen Baumaßnahmen ist das der Fall, nicht jedoch bei dem Mammutprojekt Windpark Emmels. Hier haben die Investoren das Sagen.“ Nicht zuletzt untermauerte Henkes die aus seiner Sicht schwache Verhandlungsposition des Projektentwicklers Saméole. Es gebe ausreichend Gründe, anzunehmen, dass dieser niemals zwei Windräder genehmigt bekommen hätte. Deshalb kann es für uns nur eine richtige Formel geben: „Saméole raus, Bürger rein.“ Sein Fraktionskollege Gregor Freches war außerdem der Meinung, dass auch bei der jährlichen Pacht von 50.000 Euro, die bestenfalls einer Mindestproduktionsmenge pro Windrad gerecht werde, nachverhandelt werde müsse.
Schöffe Marcel Goffinet (NBA) beließ es bei seiner Replik darauf, dass die Gemeinde mit dem Ausbau des Windparks von fünf auf neun Anlagen quasi Energieneutralität erreiche und einen sehr großen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen leiste. Immerhin könne sich die Stadtkasse bei einer Umsetzung des Projekts zudem auf eine jährliche Einnahme von 400.000 Euro freuen. Gegen eine größere Kapital- und Bürgerbeteiligung sei aber nichts einzuwenden, daher werde die Mehrheit diesem Zusatzpunkt zustimmen.

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