Die ideologischen und protokollarischen Reformvorschläge der Sozialisten gegen Te Deum und politischen Rangordnungen bei kirchlichen Terminen und Feierlichkeiten sollten nicht pauschal als „roter Antiklerikalismus“ abgetan werden. In gottvergessenden Krisenzeiten ist die Kirche gewiss nicht auf Ehrenplätze für Promibesucher angewiesen. Im Gegenteil: Mehr denn je sollte sie leere letzte Plätze für einfache Beter und Besucher reservieren. Dennoch muss die PS bedenken, dass sich der von ihnen umjubelte französische sozialistische Staatspräsident Mitterand auf seinem Sterbebett „peut-être une messe“ wünschte, die dann auch in der Kathedrale von Paris unter Teilnahme der parteiübergreifenden „gauchistes“ zelebriert wurde. In der Bundesrepublik entschied sich die SPD mit Willy Brandt den Feiertag „der deutschen Einheit“ stets mit einem ökumenischen Gottesdienst zu beginnen. In Griechenland schwören die Regierungsmitglieder ihren Amtseid mit der Hand auf der Bibel. Selbst im kommunistischen Russland besucht Vladimir Putin jährlich die mehrstündige nächtliche Ostervigil. Als die Türme von Notre-Dame niederbrannten, titelte die militante Linkszeitung „La Libération“ mit der sechsspaltigen Schlagzeile „Notre Drame“, „Unser Drama“, die beste und weltweit zitierte Überschrift. Bemerkenswerte Exempel von Toleranz, Respekt und Geschichtsbewusstsein. Es gilt selbst für Ostbelgien, wo der sozialistische Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz ein stark beachtetes Vorwort in dem von ihm initiierten Buch „Kirchen und Kapellen“ geschrieben hat.
Kommentare
Sehr geehrter Herr Derwahl,
Glauben Sie ernsthaft, dass Menschen in dem, was man im Allgemeinen als linkes oder progressives politisches Spektrum bezeichnet, urplötzlich ihre inbrünstige Frömmigkeit entdecken, weil sie einmal ein Vorwort geschrieben haben, den Brand an einem Kulturdenkmal bedauern, oder zu Ostern in die Messe gehen?
Denken Sie ersthaft, dass ein Kriegsverbrecher Putin wohl besonders devot sein muss, weil er zur Osterwache geht? Für ihn ist Religion ein reines Machtinstrument. Rosenkranzbeten hier - Menschen abschlachten da.
Ein Mittel, um diejenigen bei Laune zu halten, die sich die Welt eben nur mit einem Großen Schlumpf im Himmel erklären können oder wollen...
Daher die berechtigte Frage, ob wir einen Staat haben wollen, dessen Oberhaupt (wie bei Baudouin schändlicherweise gesehen) den Schlumpf und die persönlichen Befindlichkeiten, die Privatsache, an erste Stelle stellt oder den Bürger und das öffentliche Gut?
Zum Glück sind diese Krisenzeiten gottvergessend - denn die harte Realität lässt die Menschen begreifen, dass ihnen eben kein "guter Gott" zu Hilfe eilt, dass auch Tausend Gebete kein Brot auf den Tisch bringt und dass, "die Kirche" zuerst mit allen noch so verwerflichen Mitteln an den eigenen Machterhalt, das eigene Bodenpersonal denkt, bevor es die Menschen mit ihrer Bekehrungswohltätigkeit beglückt.
Anstatt die Menschen in einem Te Deum in Unmündigkeit und in mentale Ketten zu legen, sollten wir als Gesellschaft den freien Geist, den freien Willen zelebrieren, fördern und beschützen.
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