Nichts ändern wird sich jedoch nach diesem personellen Wechsel, der formell im September vollzogen wird, an der Maxime, dass die Müllvermeidung noch vor der Bewältigung des Abfallaufkommens an erster Stelle steht.
„Das Netz der Umweltberater ist quasi zeitgleich mit der schrittweisen Einführung der getrennten Müllsammlung in allen Gemeinden eingeführt worden“, erinnert sich Jean Simons. Sein Zuständigkeitsbereich erstreckt sich nicht nur über die fünf Eifelgemeinden, sondern umfasst auch fünf frankophone Gemeinden des Bezirks Verviers (Weismes, Malmedy, Stavelot, Trois-Ponts und Lierneux) sowie Gouvy als einzige Gemeinde aus der Provinz Luxemburg.
Begleitung der Gemeinden und Sensibilisierungsarbeit.
Dem Zweckverband Idélux Umwelt gehören 55 Gemeinden an – neben den 44 Gemeinden aus der Provinz Luxemburg insgesamt elf aus dem Süden der Provinz Lüttich. „Das entspricht in etwa 340.000 Einwohnern, jedoch sprechen wir beim Müllaufkommen wegen der touristischen Ausprägung der Ardennen mit beliebten Freizeitzielen wie Durbuy, La Roche oder Vielsalm von 380.000 Einwohnergleichwerten. Auch in der Eifel ist die Abfallmenge wegen des Tourismus höher als im Durchschnitt der Landgemeinden.“
Die Aufgaben des Umweltberaters sind ausgesprochen vielseitig und genau dieser Aspekt hat Catherine Bettendorff bei der Stellenausschreibung angesprochen. Die 30-jährige Eupenerin war nach Stationen beim Agora-Theater sowie beim Kulturzentrum Alter Schlachthof bzw. dem Kulturveranstalter Chudoscnik Sunergia zuletzt als Referentin für die Großregion beim Ministerium der DG tätig. Die angehende Umweltberaterin freut sich sehr auf ihre neue berufliche Herausforderung, zumal ihr Kommunikationsstudium (Master in sozio-kultureller Animation und Erwachsenenbildung) sehr gut zu ihren künftigen Aufgabengebieten passe. Catherine Bettendorff steht bereits seit Anfang Mai in Diensten von Idélux Umwelt und wird nach einer Phase der Einarbeitung den Gemeinden ab September als erste Ansprechpartnerin des Zweckverbandes zur Verfügung stehen.
Ein wichtiger Bestandteil ihres Aufgabenbereichs wird neben der Beratung der Gemeinden in Sortierfragen die Sensibilisierungsarbeit sein. Das können Führungen in den Recyparks, die Vermittlung von Informationen zur Müllwiederverwertung oder auch Animationen für Kinder und Erwachsene sein. „Wir arbeiten zum Beispiel seit Jahren erfolgreich mit verschiedenen Landfrauengruppen zusammen, um Tipps zu geben, wie sich die Haushaltsmüllmenge reduzieren lässt“, nennt Jean Simons ein Beispiel. Der gebürtige Kelmiser, von der Ausbildung her Lizentiat in Biochemie, hat sich in den vergangenen Jahren zudem intensiv mit den Themen Mulchen und Kompostieren auseinandergesetzt.
Die Umweltberater befinden sich gewissermaßen an der Schnittstelle der Abteilungen Logistik und Kommunikation von Idélux Umwelt, arbeiten unmittelbar mit den Verarbeitungszentren in Tenneville, Habay, St.Vith und Manhay zusammen und unterstützen die Gemeinden bei den Haushaltsmüllsammlungen bzw. der Zusammenstellung der entsprechenden Kalender. Ein wichtiges Thema, das unmittelbar vor der Umsetzung steht, ist die Informatisierung und Vernetzung der insgesamt 53 Recyparks. Im kommenden Herbst, genauer gesagt am 1. Oktober, steht zudem eine wichtige Neuerung an: die Einführung der flächendeckenden Haussammlungen der sogenannten PMK-Verpackungen (Kunststoffflaschen, Verpackungen aus Plastik und Metall sowie Getränkekartons) in blauen Säcken.
Diese zweiwöchentlichen Haussammlungen werden in allen 55 angeschlossenen Gemeinden in Eigenregie durch Idélux Umwelt, also mit eigenen Lkw, bewerkstelligt. Für die Finanzierung zeichnet unterdessen die Organisation Fost Plus verantwortlich. Diese bedeutende Umstellung, von der sich die Verantwortlichen sowohl eine Reduzierung der Restmüllmenge als auch einen besseren Wiederverwertungsgrad des Abfalls versprechen, muss selbstverständlich angemessen begleitet werden – sowohl logistisch als auch kommunikativ. „Für die Bürger werden diese Haussammlungen eine Erleichterung mit sich bringen, da sie weniger häufig die Recyparks ansteuern müssen“, sind sich Jean Simons und Catherine Bettendorff sicher. Das Personal für die Haussammlungen wird unterdessen größtenteils aus bereits angestellten Mitarbeitern der Recyparks rekrutiert. Nach dem Verursacherprinzip werden sich die Endverbraucher mit 15 Cent pro Tüte an den Entsorgungskosten beteiligen müssen, erhalten jedoch zum Start eine Rolle mit 20 blauen Säcken gratis.
Das Programm
„Null Abfall“
gezielt bewerben.
Das Müllaufkommen in den fünf Eifelgemeinden hat sich übrigens in den vergangenen Jahren einigermaßen stabilisiert. Ein Blick in die Abfallstatistik der Stadtgemeinde St.Vith zeigt zum Beispiel, dass jeder Bürger der Gemeinde im Jahr 2019 durchschnittlich 531 Kilogramm Abfälle produziert hat. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies einen leichten Rückgang um 19 Kilogramm pro Einwohnergleichwert, während der Durchschnitt aller Idélux-Gemeinden bei 560 Kilogramm liegt.
„Bis vor einiger Zeit hatten die Eifelgemeinden in Sachen Müllaufkommen noch eine gewisse Vorreiterrolle gegenüber den wallonischen Kommunen, jedoch haben sie diese in den letzten Jahren eingebüßt“, erklärt Jean Simons. So trage das Programm „Zéro déchet“ („Null Abfall“) in der Wallonie offensichtlich seine Früchte. „Wir stellen in der Tat in erster Linie bei der jüngeren Generation ein erfreuliches Umdenken fest.“
Catherine Bettendorff hat sich deshalb bereits zum Ziel gesetzt, das Förderprogramm „Zéro déchet“ auch in der Eifel gezielt zu bewerben. „Die Gemeinde St.Vith stand schon mal kurz davor, einzusteigen, hat dann aber aus personaltechnischen Gründen davon abgesehen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden“, ist Jean Simons zuversichtlich, dass auch in den anderen Gemeinden noch Bewegung in dieses Thema kommt. „Es gibt sehr viele Möglichkeiten, wie man die Abfallmengen reduzieren kann. Wir möchten zum Beispiel auch einen aktiven Beitrag zur Stärkung der lokalen Kreislaufwirtschaft leisten“, blickt Catherine Bettendorff ihrer neuen Aufgabe mit großem Tatendrang entgegen.




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