Der Iran setzt die Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus nach Einschätzung von US-Außenminister Marco Rubio gezielt als Waffe mit größtmöglicher Wirkung ein. „Die Straße von Hormus ist im Grunde eine wirtschaftliche Atomwaffe, die sie versuchen, gegen die Welt einzusetzen - und sie geben damit an“, sagte Rubio in einem Interview des TV-Senders Fox News.
Deshalb dürften die Machthaber in Teheran niemals in den Besitz von Nuklearwaffen gelangen, betonte er. „Stellen sie sich vor, wenn diese Leute Zugriff auf eine Atomwaffe hätten, dann würden sie die ganze Region zur Geisel nehmen“, sagte der Außenminister, der in Personalunion auch Präsident Donald Trumps Nationaler Sicherheitsberater ist.
Trump soll mit neuem iranischem Vorschlag nicht zufrieden sein
Rubio wollte sich nicht dazu äußern, wie Trump reagieren wird, falls Teheran auch weiterhin nicht bereit ist, über sein umstrittenes Atomprogramm zu verhandeln. In den stockenden Verhandlungen über eine Beilegung des Konflikts hatte der Iran zuletzt einen neuen Vorschlag unterbreitet. Der Entwurf sieht Medienberichten zufolge eine Öffnung der Straße von Hormus und ein Ende des Kriegs vor - über das umstrittene iranische Atomprogramm soll dann aber erst im Anschluss verhandelt werden.
US-Präsident Trump soll dem Vorstoß allerdings skeptisch gegenüberstehen. Er habe den Vorschlag zwar nicht direkt abgelehnt, aber er hege Zweifel an der Aufrichtigkeit der iranischen Führung, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die „New York Times“ berichtete ebenfalls, Trump sei mit dem Vorschlag nicht zufrieden.
Blockade der Straße von Hormus lässt Ölpreis steigen
Die Blockade der Straße von Hormus ist Irans wichtigstes Druckmittel in den Verhandlungen. Die Meerenge ist unter anderem für den Transport von Öl und Gas aus den Staaten des Persischen Golfs von entscheidender Bedeutung für die Weltwirtschaft. Da kaum noch Schiffe die Straße von Hormus passieren, steigen die Weltmarktpreise für Rohöl und Flüssiggas.
Die USA haben ihrerseits eine Seeblockade gegen den Iran verhängt, um die Führung in Teheran von den Einnahmen aus dem Ölexport abzuschneiden. US-Finanzminister Scott Bessent schrieb auf der Plattform X, Irans Ölproduktion werde aufgrund der Blockade bald „kollabieren“ und es werde im Land zu Benzinengpässen kommen. Die Führung der Iranischen Revolutionsgarden verglich er dabei mit „Ratten, die in einem Abflussrohr ertrinken“.
Teheran wirft der US-Regierung Piraterie vor
Das US-Militär hatte zuletzt sanktionierte iranische Öltanker auf hoher See abgefangen. Teheran wirft Washington deshalb Piraterie vor. „Dies ist die unverhohlene Legalisierung von Piraterie und bewaffnetem Raub auf hoher See“, schrieb der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ismail Baghai, auf der Plattform X. Es handle sich um eine „Rückkehr der Piraten - nur dass sie heute mit staatlich ausgestellten Vollmachten operieren“.
Aktuell gilt im Iran-Krieg, der vor zwei Monaten begann, eine Waffenruhe. Aber die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über eine dauerhafte Beilegung des Konflikts sind ins Stocken geraten. Am Wochenende sagte Trump eine angekündigte Reise seiner Unterhändler nach Pakistan kurzfristig ab. Die Regierung in Islamabad vermittelt zwischen den Konfliktparteien.
Die USA fordern vom Iran unter anderem die Herausgabe von hoch angereichertem Uran und den Verzicht auf eine Atombombe. Die Führung in Teheran dementiert Pläne zum Bau von Atomwaffen, besteht aber auf ihrem Recht auf ein ziviles Nuklearprogramm, inklusive des Rechts zur Anreicherung von Uran.
Teheran daran zu hindern, eine Atomwaffe zu bauen, war eines der erklärten Ziele sowohl des aktuellen Kriegs als auch der US-Luftangriffe auf iranische Nuklearanlagen vom vergangenen Juni.
Israels Armee meldet neue Angriffe auf Hisbollah im Libanon
Trotz der formell geltenden Waffenruhe bombardierte das israelische Militär eigenen Angaben zufolge erneut Ziele der vom Iran unterstützten Hisbollah im Libanon. Die israelische Armee teilte mit, sie habe im Nachbarland mehr als 20 Infrastrukturanlagen der Miliz im Süden sowie in der Bekaa-Ebene ins Visier genommen. Zu den Zielen gehörten demnach Waffenlager und Raketenabschussstellungen. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Auch die Hisbollah setzt ihre Angriffe weiter fort.
Insgesamt kamen bei den jüngsten Auseinandersetzungen seit Anfang März im Libanon mehr als 2.500 Menschen ums Leben, wie das Gesundheitsministerium in Beirut mitteilte. Über 7.800 wurden demnach verletzt. (dpa/calü)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren