In der Weimarer Republik war die Illusion einfach: Radikale lassen sich einbinden und zähmen. In Wirklichkeit wurde der Staat umgebaut. Nicht über Nacht, aber schnell. Durch Personalentscheidungen, Notverordnungen, Einschüchterung, Propaganda und den Missbrauch von Polizei und Verwaltung. Das Problem waren nicht die Gesetze an sich, sondern ihre Auslegung. Der 30. Januar 1933 steht für eine unbequeme Wahrheit: Demokratie ist mehr als ein Regelwerk. Sie scheitert nicht erst beim offenen Verfassungsbruch, sondern dort, wo Verantwortliche glauben, Grenzen seien dehnbar, solange alles noch legal wirkt. Heute kehrt dieser Gedanke in der Debatte über radikale Parteien zurück. „Lasst sie doch regieren, dann entzaubern sie sich.“ In Deutschland gewinnt diese Vorstellung vor den Landtagswahlen 2026 an Gewicht. Weil die AfD kein Randphänomen mehr ist, soll sie Verantwortung übernehmen und an der Realität scheitern. Das klingt pragmatisch, ist aber gefährlich naiv. Radikale werden durch Regierungsverantwortung nicht gezähmt, sondern wirksamer. Staatliche Autorität macht Extremisten nicht vernünftiger, sie verschafft ihnen Zugriff. Es genügt, Macht gezielt, parteilich und ideologisch zu nutzen. Deutschland steht 2026 nicht automatisch vor 1933. Gefährlich ist allerdings der Glaube, Radikalismus lasse sich politisch kontrollieren.
Ein Blick in die USA zeigt, wie schnell demokratische Spielregeln unter Druck geraten, wenn Wahlsiege als persönlicher Freibrief gelten. Unter Donald Trump wird der Konflikt institutionell geführt: Gerichte gelten als Gegner, Medien als Feindbild, Verwaltung als Loyalitätsapparat. Die klassischen Checks and Balances greifen nicht mehr zuverlässig, weil sie auf Akzeptanz beruhen. So erodiert Demokratie, wenn Vertrauen in neutrale Institutionen schwindet und hingenommen wird, solange die eigene Seite profitiert. Der 30. Januar 1933 verlangt keine plumpen Gleichsetzungen, sondern Aufmerksamkeit. Legitimität wird missbraucht, nicht nur erobert. Demokratie wird ausgehöhlt, nicht nur gestürzt. Und der gefährlichste Satz bleibt: Diesmal ist es anders.

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