Ostbelgische Forstämter unterbesetzt: Kritik an Ministerin Dalcq

<p>Die wallonische Forstministerin Anne-Catherine Dalcq (MR) sieht den Personalmangel in den ostbelgischen Forstämtern vor allem als Folge struktureller Probleme und des Fachkräftemangels. Die Opposition wirft ihr mangelndes Handeln vor.</p>
Die wallonische Forstministerin Anne-Catherine Dalcq (MR) sieht den Personalmangel in den ostbelgischen Forstämtern vor allem als Folge struktureller Probleme und des Fachkräftemangels. Die Opposition wirft ihr mangelndes Handeln vor. | Foto: belga

Beide werfen der zuständigen Regionalministerin Anne-Catherine Dalcq (MR) mangelndes Handeln angesichts der personellen Engpässe vor, setzen dabei jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. „Die Lage ist längst nicht mehr nur schwierig, sondern schlicht unhaltbar“, erklärt Patrick Spies laut einer Mitteilung. „Wenn zentrale Dienste teilweise nur noch mit der Hälfte des vorgesehenen Personals arbeiten, dann ist das ein strukturelles Problem und kein vorübergehender Engpass.“

Die von der Ministerin vorgelegten Zahlen unterstreichen laut Spies die „Dramatik der Situation“: So werde die Dienststelle in St.Vith bis Ende 2026 nur noch rund 50 Prozent ihres Personals zählen – konkret fehlten dort acht von 15 Mitarbeitern. In Eupen würden sechs von insgesamt 15 Mitarbeitern fehlen. Zudem seien weitere Pensionierungen absehbar. In ihrer Antwort verwies die Ministerin auf strukturelle Ursachen, den Fachkräftemangel sowie den Einstellungsstopp innerhalb der Verwaltung. Für Spies greift diese Argumentation jedoch zu kurz. „Das kann keine Ausrede dafür sein, dass konkrete Lösungen nicht genutzt werden. Wenn Verfahren abgeschlossen sind und Kandidaten bereitstehen, dann müssen diese auch eingesetzt werden“, betont er. Besonders unverständlich sei für ihn, dass es durchaus qualifizierte Bewerber aus der Region gebe, die für diese Stellen infrage kämen. „Wir haben junge, gut ausgebildete Leute aus Ostbelgien, die bereit sind, diese Aufgaben zu übernehmen und trotzdem werden sie nicht eingestellt. Das ist schlicht unverständlich. Hier zeigt sich ganz konkret: Es fehlt nicht an Personal, sondern vor allem an politischen Entscheidungen.“ Der SP-Politiker verweist zudem auf die konkreten Folgen für die Gemeinden. Zwar würden die Förster über die Wallonische Region eingestellt, ihre Arbeit sei jedoch für die Kommunen von zentraler Bedeutung – insbesondere im Bereich der Holzverkäufe, die vielerorts eine wichtige Einnahmequelle darstellen. „Ohne ausreichendes Personal geraten zentrale Abläufe wie die Vorbereitung der Holzschläge und die Organisation der Verkäufe ins Stocken – mit direkten finanziellen Folgen für die Gemeinden.“ Erste Kommunen hätten bereits entsprechende Resolutionen verabschiedet, weitere prüften ähnliche Schritte, so Spies, der auch dem Gemeinderat von Amel angehört.

Auch der Ecolo-Politiker Freddy Mockel sieht dringenden Handlungsbedarf, legt den Fokus jedoch stärker auf die Situation der deutschsprachigen Forstämter. Er kritisiert insbesondere die Einstellungsprozeduren innerhalb der wallonischen Forstverwaltung. Während Bewerbungsverfahren im französischsprachigen Landesteil noch vor Inkrafttreten des Einstellungs-Moratoriums abgeschlossen worden seien, habe man jene für deutschsprachiges Personal der Direktion Malmedy-Büllingen verzögert oder gestoppt. Drei geeignete Anwärter warteten derzeit auf eine Einstellung. Für Mockel ist die Lage im deutschsprachigen Gebiet besonders prekär. Angesichts unbesetzter Stellen in den Kantonen St.Vith und Eupen sprach er von einer Benachteiligung aufgrund der Sprache. Er forderte Ministerin Dalcq auf, diese Situation „unverzüglich zu korrigieren“ und eine angepasste Lösung zu finden. Darüber hinaus kritisiert der Ecolo-Abgeordnete die Folgen des Einstellungs-Moratoriums grundsätzlich. Dieses habe die Personalkrise derart verschärft, dass die wallonische Regierung inzwischen Aufgaben der Forstverwaltung reduzieren wolle. Für Ecolo sei dies eine „Absage an essentielle öffentliche Dienste“. Wichtige Aufgaben im Bereich Artenvielfalt, Natura-2000-Gebiete oder Naturreservate seien gefährdet. Gleichzeitig würden Aufgaben und Kosten zunehmend auf die Gemeinden abgewälzt, heißt es in der Mitteilung Mockels. Die Ministerin räumte zwar spezifische Schwierigkeiten ein, stellte jedoch keine konkreten Sofortmaßnahmen in Aussicht. Der Ecolo-Abgeordnete warnt deshalb davor, dass sich geeignete Kandidaten anderweitig orientieren könnten und sich das Problem dadurch weiter verschärfen werde. (red/sc)

Kommentare

  • Tolle Initiative! Laut brf kritisierte sogar auch die mr-Abgeordnete Christine Mauel ihre eigene Ministerin. Aber......Namür ist weit weg von der DG.

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