Wachsende Skepsis gegenüber der EU: Vielleicht haben wir uns zu sehr an Europa gewöhnt

<p>Viele Vorteile der EU sind so selbstverständlich geworden, dass wir sie kaum noch wahrnehmen.</p>
Viele Vorteile der EU sind so selbstverständlich geworden, dass wir sie kaum noch wahrnehmen. | Illustrationsfoto: dpa

Selbstverständlich kann man sich hier auf die Vorgaben und Debatten fixieren, die Angriffsfläche bieten.

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Kommentare

  • Da die EU jetzt im Moment eher negativ im Fokus steht, möchte ich auf diesen Kommentar hier zurückkommen, der versucht, die Dinge etwas abgewogener darzustellen.

    Leider verfällt er dabei doch wieder in alte Klischees, wenn er etwa die „berüchtigte“ Gurkenverordnung als Beispiel für die Regulierungswut der Eurokraten zitiert.
    Dabei ist diese Normierung damals auf Drängen der Produzenten eingeführt worden, um als eines von mehreren Kennzeichen für verschiedene Handelsklassen zu dienen.

    Solche Regelungen gibt es viele, nicht nur bei Gurken und Gemüse. Sie dienen als Qualitätsstandards und erleichtern den Handel. Jeder weiß, was er bei Klasse A oder C bei der Lieferung für ein Produkt erwarten darf, ohne langwierige Diskussionen.

    Abgeschafft wurde sie schließlich von der EU-Kommission selbst, … gegen den Widerstand der Produzenten und verschiedener Mitgliedsstaaten (!).
    Informell findet sie übrigens im Handel weiterhin Anwendung, etwa bei Aldi und Lidl, ohne dass das die Spötter interessieren würde.
    Wer Näheres dazu erfahren möchte, sei auf den interessanten Wikipedia-Artikel verwiesen:
    Verordnung (EWG) Nr. 1677/88 (Gurkenverordnung)

    In weiterer Negativpunkt soll die Verordnung über „den Bräunungsgrad von Fritten“ sein.
    Dazu: „Die EU-Verordnung 2017/2158 (in Kraft seit April 2018) verpflichtet Lebensmittelunternehmer, Acrylamid in stärkehaltigen Produkten durch Minimierungsmaßnahmen und Richtwerte zu senken. Sie gilt für Frittiertes, Gebäck, Kaffee und Getreideprodukte. Die Einhaltung wird durch Kontrollen und Richtwertüberprüfungen sichergestellt, um den krebserregenden Stoff zu reduzieren.“"
    Siehe: "Acrylamid: Problematischer Stoff in Lebensmitteln" mit nützlichen Tipps. (Verbraucherzentrale)

    Hat also mit dem Bräunungsgrad direkt nichts zu tun, der lediglich ein Indiz für zu starkes Erhitzen ist, sondern mit der Temperatur, der das behandelte Lebensmittel ausgesetzt ist.
    Acrylamid gilt als krebserregend…
    Ohne EU müsste jeder Importeur von Kartoffelchips aus den Nachbarländern bei der Einfuhr nachweisen, dass das Gut den belgischen Grenzwert nicht überschreitet. Umgekehrt genauso.
    Viel Vergnügen…

  • Sehr geehrter Herr Schleck, Ihre Argumentationen beschränken Sie auf einige Abkommen, welche den Warenverkehr erleichtern. Das ist soweit ok. Dass die EU heute unter solch gewaltigem Widerstand steht, ist wohl mehr dem mehr und mehr ubergriffigen Verhalten seiner nicht demokratisch gewählten Führungselite zu verdanken. Die Technokraten um vdL haben jeglichen Respekt vor den Bürgern und Nationalstaaten verloren. Wer nicht im Chor mitsingt, den bringt man mit Zwangszahlungen und Sanktionen unter Druck. Man mischt sich in engste interne Belange ein, verbietet und reguliert, was das Zeug hält. Das ist nicht im Sinne der Gründervaeter. Die EU in heutiger Form gehört auf den Müll.

  • Talleyrand wird der Spruch zugeschrieben: "Tout ce qui est exagéré est insignifiant."
    In dem Sinne erübrigt es sich, auf die Aussagen des Herrn Wahl näher einzugehen.

  • Ja, es stimmt wohl, dass wir uns so an die EU gewöhnt haben, dass wir die vielfältigen Vorteile, die sie bietet, nicht mehr wahrnehmen und stattdessen mit geradezu perverser Lust vorwiegend das Negative, das es wie bei jeder menschlichen Aktivität gibt, hervorkehren, bis hin zu regelrechter Hetze.

    Diese Lust am Negativen hat die Briten vor fast 10 Jahren dazu veranlasst, in einer Volksabstimmung am 23. Juni 2016 mit hauchdünner Mehrheit (51.9%) für den Austritt aus dieser EU zu stimmen. Der Austritt erfolgte dann am 31. Januar 2020.

    Und heute? Auf SPON steht ein Artikel vom 25.04.2026 zu diesem Thema.
    „Großbritannien sollte wieder in die EU. Sagt der Mann, der für den Austritt zuständig war.“

    „Philip Rycroft leitete einst das britische Ministerium zum Austritt aus der Europäischen Union. Jetzt fordert er: Das Land sollte einen Wiedereintritt anstreben. Versprechungen seien nicht erfüllt worden.“
    Die hochgesteckten Erwartungen hätten sich nicht erfüllt. Ein umfangreiches Handelsabkommen mit den USA, ein unerreichbarer Traum. Kein Höhenflug des BIP in sonnige Höhen, eher ein erheblicher Rückgang.

    „Dies könne aber", mahnt er, ein "langer und steiniger Weg« werden.“
    In der Tat, ein Neueintritt würde zähe Verhandlungen erfordern, einen roten Teppich würde niemand den Briten ausrollen. Und Präsentkörbe voller Sonderkonditionen würde auch niemand überreichen wollen.

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