Kalte Dusche und VAR-Pech: Rote Teufel setzen EM-Start in den Sand

<p>Der geht auf seine Kappe: Jérémy Dokus Fehlpass leitete das 1:0 für die Slowaken ein.</p>
Der geht auf seine Kappe: Jérémy Dokus Fehlpass leitete das 1:0 für die Slowaken ein. | Foto: David Hagemann

Am Samstag (21 Uhr) geht es für Belgien mit einem gefühlten Heimspiel weiter: In Köln treffen sie auf Rumänien, das sich wiederum mit einem ordentlichen Knall im Turnier anmeldete und die favorisierte Ukraine am Montagnachmittag mit 3:0 bezwang. Bedeutet auch: Rumänien könnte sich mit einem weiteren Sieg fürs Achtelfinale qualifizieren, während Belgien schon mächtig unter Druck steht. Es droht das zweite Vorrundenaus in Folge nach der WM 2022 in Katar.

Belgien 0:1 Slowakei

Rund 20.000 Fans begleiteten die Roten Teufel in die Mainmetropole, die Hälfte von ihnen schafften es ins Stadion und begrüßten ihre Mannschaft mit frenetischem Applaus – besonders Koen Casteels, Kevin De Bruyne und Romelu Lukaku, die sich unter eigenen Gesängen warmmachten.

<p>Gute Laune bei den Ostbelgiern vor dem Anpfiff</p>
Gute Laune bei den Ostbelgiern vor dem Anpfiff | Foto: David Hagemann

Alle drei standen selbstverständlich in der Startelf. Vor der neuen Nummer Eins verteidigen Timothy Castagne, Wout Faes, Zeno Debast und Yannick Carrasco. Kleine Überraschung im Mittelfeld: Orel Mangala spielte anstelle von Youri Tielemans neben dem „Aggressive Leader“ Amadou Onana. Vorne stürmten Jérémy Doku und Leandro Trossard gemeinsam mit „KDB“ und „Big Rom“.

<p>Von der Weddem an den Main: Auch Weywertz war in Frankfurt vertreten.</p>
Von der Weddem an den Main: Auch Weywertz war in Frankfurt vertreten. | Foto: David Hagemann

98,75 Prozent der Tipper hatten beim GrenzEcho-Tippspiel auf einen belgischen Sieg gesetzt. Und es dauerte nur etwas mehr als zwei Minuten, da hätte De Bruyne dafür bereits den Grundstein gelegt: Doku setzte sich stark auf rechts durch, doch seinen Pass in die Mitte erreichte sein Manchester-Kollege nicht „komplett“, und auch Lukaku kam im Nachfassen nicht mehr richtig an den Ball.

Belgien machte munter weiter, ließ die Slowaken gar nicht erst in die Nähe des Strafraums kommen. Lukaku vergab die nächste Gelegenheit im direkten Duell mit Torhüter Dubravka (6.).

Aber dann die eiskalte Dusche (an alle Jugendtrainer: Nicht weiterlesen!): Doku vertendelte den Ball an der eigenen Eckfahne bzw. legte ihn zurück in die Mitte, wo Casteels erst noch gegen Kucha parieren konnte, beim Nachschuss von Schranz aus spitzem Winkel aber machtlos war (7.).

<p>Was war denn da los? Castagne und Lukaku diskutieren eine schwache erste Halbzeit.</p>
Was war denn da los? Castagne und Lukaku diskutieren eine schwache erste Halbzeit. | Foto: David Hagemann

Ein Schock, der sich nicht angekündigt hatte, der aber noch lange nachhallte und den Teufeln einen großen Teil ihrer Anfangsenergie raubte. Erst als Keeper Dubravka, durch De Bruyne unter Druck gesetzt, den Ball verlor, kam mal wieder Gefahr auf – Trossard schoss aber übers Netz (21.). Dann wieder lange nichts, ehe Onana einen De-Bruyne-Eckstoß in Dubravkas Hände köpfte (36.).

In den letzten Zügen der ersten Halbzeit bewahrte Casteels Belgien mit einer Glanzparade vor dem 0:2, wehrte Haraslins wunderbaren Volley zur Ecke ab (40.). Im Gegenzug bekam Lukaku einen langen Ball im Strafraum nicht kontrolliert – es passte ins Bild eines katastrophalen und behäbigen ersten Durchgangs.

<p>Packte die Pranke aus: Koen Casteels</p>
Packte die Pranke aus: Koen Casteels | Foto: David Hagemann

Dennoch schickte Nationalcoach Domenico Tedesco nach der Pause dieselbe Elf zurück aufs Feld, lediglich Doku und Trossard tauschten ihre Angriffsseiten. Es begann mit Vorstößen hüben wie drüben, der gefährlichste durch Lukakus Versuch aus spitzem Winkel, der zu einer Ecke führte – und die wiederum zum Ausgleich! Zumindest für einige Sekunde. Doch nach Trossards Flanke hatte Onana in die Mitte zu „Torschütze“ Lukaku geköpft, der allerdings aus dem Abseits einnetzte (57.).

Immerhin, die Teufel schienen jetzt Blut geleckt zu haben. Bakayoko kam für Mangala, Dubravka rettete gegen Trossard, das Außennetz (59.) gegen Lukaku (61.) und Hancko auf der Linie gegen Bakayoko. Der Slowake rasselte mit dem Kopf dabei gegen das Knie eines Mitspielers und musste behandelt werden (62.).

<p>Zu früh gefreut: Der VAR kassierte Lukakus Ausgleich ein.</p>
Zu früh gefreut: Der VAR kassierte Lukakus Ausgleich ein. | Foto: David Hagemann

Anstelle von Trossard erlebte Youri Tielemans die Schlussviertelstunde auf dem Platz, holte sich nach gefühlt 30 Sekunden direkt die Gelbe Karte ab. Währenddessen glaubten die lautstarken Slowaken auf der Tribüne immer mehr an die Sensation, und um ein Haar hätte Strelec per Hacke auf 2:0 erhöht (76.).

Richten sollten es für Belgien nun Lois Openda und Dodi Lukebakio (für Doku und Carrasco, 84.), auch Letzterer meldete sich unverzüglich mit einer Gelben Karte an. Und dann wurde es richtig bitter für die Teufel: Lukaku traf nach Flanke von Openda erneut zum vermeintlichen Ausgleich, doch zum wiederholten Male meldete sich der VAR und kassierte den Treffer wegen eines Handspiels des Leipzigers ein (88.).

Es gab sieben Minuten Nachspielzeit, doch ein „zählender“ Ausgleich fiel nicht mehr, weil Dubravka in höchster Not vor Openda rettete. Und so stehen De Bruyne und Co. bereits jetzt mächtig unter Druck – von einem belgischen Feiertag in Köln sind die Roten Teufel aktuell meilenweit entfernt. Erst recht, weil Rumänien mit ganz viel Selbstvertrauen anreist.

Kommentare

  • .. Katar lässt grüßen....

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