In der Nacht zum Montag waren und heute sind immer noch Sturmböen von 90 bis 125 km/h möglich. Vor diesem Hintergrund hatte das Wetteramt in Uccle (KMI) bis Montagabend „Code Gelb“ ausgegeben, an der belgischen Küste gilt für eine bestimmte Zeit sogar „Code Orange“. Einige Gemeinden trafen Vorsichtsmaßnahmen, die belgische Eisenbahngesellschaft (SNCB) hielt den Zugverkehr aber aufrecht, jedoch könne die Fahrt in Richtung Küste unter Umständen gedrosselt werden, hieß es. Die Notrufnummer 1722 für nicht lebensgefährliche Meldungen blieb aktiv.
Zahlreiche Kommunen an der belgischen Küste rieten von Spaziergängen am Strand ab. „Am Freitag haben wir gesehen, dass viele Menschen dies tun, aber es ist gefährlich. Wir raten davon ab, denn unsere Rettungsdienste haben mehr als genug zu tun“, sagte Bart Tommelein (Open VLD), Bürgermeister von Ostende, nach Angaben des flämischen Rundfunks (VRT). Er rief dazu auf, kein Risiko einzugehen und Geduld bei dem Versuch mitzubringen, die Rettungsdienste zu erreichen.
Die hatten am Wochenende in der Tat alle Hände voll zu tun. Die Feuerwehren zählten Tausende Einsätze, meist wegen umgestürzter Bäume, umherfliegender Gegenstände oder beschädigter Gebäude. Allein in der Provinz Ostflandern zählte die Feuerwehr Freitag und Samstag fast 10.000 Anrufe. Es kam auch zu Stromausfällen. Leider gab es auch Tote zu beklagen: Ein durch den Wintersturm losgerissenes Solarmodul hatte in Gent einen Mann getötet. Der Mann habe das von einem Hausdach gewehte Bauteil am Freitag auf den Kopf bekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Belga am Samstag unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft Ostflandern. Er sei in einem Krankenhaus an den schweren Verletzungen gestorben.
Als ein weiteres Opfer gilt ein 79-jähriger Mann. Dieser war am Freitag gestorben, nachdem er in einem Jachthafen in Ypern (Westflandern) von einem Boot ins Wasser gefallen war. Laut einer vorläufigen Bilanz hat das Sturmtief „Eunice“ bis Sonntagmorgen mindestens 16 Todesopfer in Europa gefordert: jeweils vier in den Niederlanden und Polen, drei in England, zwei in Deutschland, zwei in Belgien und eines in Irland. Viele der Todesfälle wurden durch Bäume verursacht, die auf Fahrzeuge fielen, schrieb die Nachrichtenagentur Belga. In den Niederlanden war das Eisenbahnnetz gestört und die Thalys-Verbindungen Amsterdam-Brüssel unterbrochen.
Was ist der Unterschied zwischen „Eunice“ und „Franklin“? „Die Windgeschwindigkeiten sind ähnlich“, meinte der flämische Wetterexperte Bram Verbruggen der VRT. „Aber die Windrichtung ist anders. Eunice hatte eine südwestliche bis westliche Ausrichtung, während Franklin von Westen nach Nordwesten kommt. Das bedeutet dann, dass ein anderer Teil Ihres Daches mehr Wind abbekommt.“ Anders sei auch das begleitende Wetter: „Eunice war einigermaßen sonnig, aber bei Franklin erwarten wir viel und intensiven Regen. Während dieser heftigen Schauer sind auch die heftigsten Böen zu erwarten.“ Er rechnete mit einigen Schwierigkeiten im morgendlichen Berufsverkehr und riet außerdem davon ab, am Montag das Fahrrad zu nutzen. (belga/dpa/sc)
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