Pro & Contra: Hat die deutsche Sprache genug Gewicht in Belgien?

<p>Blick auf das Parlament der Deutschsprachige Gemeinschaft in Eupen – ein Symbol dafür, wie viel politisches Gewicht Deutsch in Belgien hat. Genug für eine Minderheit?</p>
Blick auf das Parlament der Deutschsprachige Gemeinschaft in Eupen – ein Symbol dafür, wie viel politisches Gewicht Deutsch in Belgien hat. Genug für eine Minderheit? | Foto: David Hagemann

Pro – Christian Schmitz

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Kommentare

  • Bei der Bewertung oder Beantwortung dieser Frage bin ich eher bei der Fraktion Contra. Das Gewicht der deutschen Sprache hier im deutschen Sprachgebiet Belgiens ist sicher viel besser als vor 50 Jahren, aber es gibt noch Luft nach oben. Dabei meine ich nicht die Knöllchen in deutscher Sprache, aber an vielen Stellen sowohl in öffentlichen Einrichtungen als auch in kleinen Betrieben oder Unternehmungen erlebt man hin und wieder, dass untereinander oft Französisch gesprochen wird. Auch das ist mir egal, aber auch hier kann ich der Position Pro nicht folgen, denn es soll kein Recht sein, sondern eine Selbstverständlichkeit die deutsche Sprache zu verwenden. Deshalb stimme ich der Position Contra zu: „Sprache ist … das tragende Element des Gemeinwesens und wo … Sprache an Gewicht verliert, verliert auch die Gemeinschaft an Ausdruckskraft“.
    Aber die Frage bezieht sich auf Belgien, und da bin ich der Meinung, dass die deutsche Sprache keineswegs genug Gewicht hat in Belgien. Schon bei der Staatsgründung lebten in Belgien dreimal so viele deutsch- oder plattdeutschsprachige Einwohner als heute. Selbst als man 1839 einen Zeil abtreten musste, waren es noch doppelt so viel. Einverstanden, die Kriege haben dieses Verhältnis dezimiert, aber immerhin legten die Sprachgesetze von 1963 das Gebiet deutscher Sprache fest und die erste Verfassungsänderung schreibt Deutsch als Landessprache fest.
    Ich hätte mir gewünscht, dass es zu einer neuen Verfassungsänderung gekommen wäre, nachdem man in 2023 die große Online-Befragung gestartet hatte. Diese wurde von den Parteien so gut wie ignoriert, lieber wurschtelt man weiter und schafft jetzt den Senat ab, der eigentlich die Vertretung der regionalen Gebiete werden müsste. Gott sei Dank haben wir Liesa, die sich dagegengestellt hat. Aber das war es dann auch. Ich habe in der Beantwortung der dutzenden Fragen den Machern der Umfrage eigentlich eine fertige Verfassungsänderung geliefert (zugegeben, die Ideen waren nicht alle von mir, aber wir haben sehr gute Verfassungsrechtler in Belgien), und ein Konvent könnte dem Land bis 2030, der 200-Jahr Feier, eine moderne föderale Verfassung geben. Da muss Brüssel als belgische und auch europäische Hauptstadt eine besondere Rolle spielen. Das Gebiet Brüssel muss als Teilstaat größer werden, in etwa wie die frühere Provinz Brabant, und dieses Gebiet muss vier Amtssprachen haben. Deutsch muss es deshalb werden, weil es Amtssprache in Belgien ist, selbst wenn es als Umgangssprache in Brüssel nicht relevant ist und weil in der EU ungefähr ein Viertel der Einwohner deutschsprachig sind. Englisch muss Amtssprache werden, weil sich in dieser Sprache viele der zwei Dutzend anderssprachigen Bewohner verständigen und weil es neben Arabisch auch Umgangssprache in Brüssel geworden ist. Übrigens mit KI ist das in wenigen Jahren überhaupt kein Problem mehr. Ich habe mir mal sagen lassen, dass um Groß-Brüssel 38.000 Deutschsprachige leben, und das mehr als die Hälfte der Haushalte in Brüssel nicht Niederländisch oder Französisch sprechen.
    Also erst wenn Deutsch als Amtssprache in ganz Belgien Wirklichkeit geworden ist, hat auch die deutsche Sprache genug Gewicht in Belgien.

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