Sturm „Eunice“ wütete mit bis zu 133 km/h

<p>In Ostende erreichte „Eunice“ eine Spitzengeschwindigkeit von 133 km/h.</p>
In Ostende erreichte „Eunice“ eine Spitzengeschwindigkeit von 133 km/h. | Foto: Photo News

Eunice wurde von den Meteorologen des KMI in Uccle zunächst als „starker Sturm“ (Windstärke 10 Beaufort, ab 90 km/h), dann als „sehr starker Sturm“ (11 Beaufort, ab 103 km/h) eingestuft. Nach den Kriterien des Wetteramtes wird ein Sturm in Belgien offiziell als solcher anerkannt, wenn der Wind eine Stärke von 9 auf der Beaufortskala erreicht. In Ostende wurde die höchste Windgeschwindigkeit gemessen 133 km/h. Eunice galt als einer der stärksten Stürme der vergangenen 30 Jahre. Das KMI hatte für Eunice keine Alarmstufe Rot ausgegeben, sondern es bei Code Orange belassen.

Eine Übersicht (Stand Freitagabend, 19 Uhr)::

In Gent wurde ein Mann schwer verletzt, als er von weggewehten Sonnenpaneelen am Kopf getroffen wurde. In Menen wurde ein 18-jähriger Jogger in kritischem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Er war von einem abgebrochenen Ast getroffen worden. In Ypern ertrank ein 79-Jähriger im Kanal. Es gab keine Zeugen des Unfalls, aber die Polizei ging davon aus, dass der Mann aufgrund des starken Windes ins Wasser gefallen war.

In Tournai stürzte ein Turmkran auf ein Krankenhaus. Lediglich der Kranführer sei verletzt worden. Ein Turmkran, der auf der Baustelle des künftigen neuen Krankenhauses stand, stürzte auf die beiden oberen Stockwerke eines neuen Gebäudes, in dem die Geriatrie untergebracht war. Diese Abteilung war besetzt. Patienten und Personal seien unversehrt geblieben, hieß es.

In Flämisch-Brabant musste das Zentrum der Stadt Asse wegen Einsturzgefahr des Kirchturms evakuiert werden. Die kommunale Phase des Notfallplans wurde aktiviert.

Der Zugverkehr wurde ab 14 Uhr in drei Provinzen für mehrere Stunden eingestellt, in Westflandern vollständig, in Ostflandern und auf den Hauptstrecken ab Antwerpen zu 90 Prozent. Im Rest des Landes wird ein Tempolimit von 80 km/h eingeführt. Das Eisenbahnunternehmen Infrabel hatte die Einstellung des Zugverkehrs erst gegen 11 Uhr beschlossen und musste sich für die späte Entscheidung, die in der Politik und in der Gesellschaft viel Kritik hervorgerufen hatte, entschuldigen. Das Unternehmen, das sich von Mobilitätsminister Georges Gilkinet (Ecolo) eine Ermahnung einhandelte, wurde sich bewusst, dass „diese späte Entscheidung Druck auf die Bahnbetreiber ausgeübt und möglicherweise Unannehmlichkeiten für die Bahnkunden verursacht hat“. Die niederländische Bahngesellschaft hatte bereits am Donnerstag die Einstellung des Zugverkehrs beschlossen.

In den Provinzen Westflandern, Ostflandern und Antwerpen fuhren vorübergehend keine Linienbusse. Auch der Betrieb der Küstentram und der Straßenbahn in Antwerpen wurde eingestellt.

Aufgrund der extrem hohen Windgeschwindigkeiten wurden vorsorglich alle 399 Windräder auf See ausgeschaltet. Zwischen 15.30 Uhr und 16.30 Uhr produzierten die Offshore-Windparks vor der belgischen Küste keinen Strom. Es war das erste Mal seit 2009, als die ersten Windturbinen auf dem Meer installiert wurden. „Bei einem Sturm wird immer etwas produziert, aber heute haben sie zum ersten Mal alle stillgestanden", sagt Annemie Vermeylen, Generalsekretärin der Belgian Offshore Platform. Die Windturbinen wurden automatisch abgeschaltet, die Rotorblätter blockiert. Bemerkenswert: Die Turbinen wurden nur für eine Stunde abgeschaltet. Um 17 Uhr waren die Windparks wieder zu 50 Prozent ausgelastet, und am Freitagabend liefen sie wieder mit voller Leistung (2,2 GW).

In De Panne, Koksijde und Veurne waren 5.000 Haushalte stundenlang ohne Strom.

In Blankenberge wurde eine Segeljacht, die für den Winter eingelagert war, umgeweht. Sie fiel teilweise auf den Parkplatz eines Restaurants. Der Schaden ist beträchtlich.

In Gent riss der Sturm ein großes Loch ins Dach der Ghelamco-Arena. Das Fußballspiel zwischen KAA Gent und Seraing wurde verlegt. Im Hafen von Antwerpen mussten mehrere große Containerterminals ihre Aktivitäten einstellen. Das Be- und Entladen von Containern war zu gefährlich geworden. Einige Terminals sollten bis mindestens 22 Uhr geschlossen bleiben. Der Hafen von Zeebrugge stellte kurzzeitig seinen Betrieb vollständig ein, sodass keine Schiffe mehr einlaufen und Lkw die Kais nicht mehr befahren konnten.

In Gent wurde das große Impfzentrum Flanders Expo geschlossen.

Mehrere Schulen in Flandern beschlossen von sich aus, die Schüler nach Hause zu schicken, bevor der Sturm seinen Höhepunkt erreichte.

Die Tiergärten von Antwerpen und Planckendael schlossen ihre Türen. Die Raubtiere wurden drinnen gehalten. Wenn nämlich ein Baum oder ein großer Ast auf das Gehege fällt, könnten die Raubtiere diesen als Brücke benutzen, um das Weite zu suchen.

In zahlreichen Städten und Gemeinden waren die Feuerwehren im Dauereinsatz. (gz)

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