Preise für Baumaterialien steigen unentwegt

<p>Wartezeiten für Sanierungen werden laut Branchenverband immer länger.</p>
Wartezeiten für Sanierungen werden laut Branchenverband immer länger. | Foto: picture alliance

Seit geraumer Zeit wird ein massiver Anstieg der Preise für Baumaterialien verzeichnet. Wie der Dachverband des Baugewerbes (Confédération Construction, Confederatie Bouw) am Montag mitteilte, hat sich dieser Trend in den vergangenen Monaten weiter beschleunigt. Im Vergleich zum November vergangenen Jahres, als die Unternehmen in diesem Sektor zum letzten Mal befragt wurden, seien die Preise für fast alle Baumaterialien weiter gestiegen. 58 Prozent der befragten Unternehmen sehen sich Preissteigerungen von mehr als 15 Prozent ausgesetzt. In fast einem Viertel der Fälle werden die Mehrkosten gar auf 25 Prozent beziffert.

Diese anhaltenden Preissteigerungen beginnen zunehmend, die finanzielle Handlungsfähigkeit der Bauunternehmen zu belasten: 8 Prozent hatten im letzten Monat mit erheblichen Liquiditätsproblemen zu kämpfen, gegenüber 5 Prozent im November letzten Jahres, so der Dachverband des Baugewerbes. Die Inflation hat zudem mit 7,59 Prozent den höchsten Stand seit fast 40 Jahren erreicht - im Januar wurde die höchste monatliche Inflationsrate seit über 70 Jahren verzeichnet.

„Ende letzten Jahres dachten wir, dass die schlimmste Zeit in Bezug auf Preiserhöhungen vorbei sei, aber das ist offenbar nicht der Fall“, warnte daher Verbandschef Niko Demeester in der Montagausgabe der flämischen Tageszeitung „Het Laatste Nieuws“. Der Umfrage zufolge würden die Preiserhöhungen in den meisten Fällen (54 Prozent) nicht an den Kunden weitergegeben. Vielmehr würden die Unternehmen die Mehrkosten übernehmen. In etwa 41 Prozent der Fälle müssten diese jedoch von Kundeseite getragen werden – meist jedoch nur teilweise, wie der Verband betont.

Ein weiteres Problem der Branche sind die immer länger werdenden Lieferzeiten für Baumaterialien. So hätten 56 Prozent der Bauunternehmen feststellen müssen, dass die benötigten Teile nur mit einer Verspätung von mehr als zwei Wochen geliefert werden konnten. In fast einem Drittel der Fälle (32 Prozent) habe die Wartezeit ab Bestellung sogar mehr als vier Wochen betragen. Dies gelte vor allem für Produkte im Zusammenhang mit Installationen, Fertigstellungen und Kunststoffen, heißt es weiter. „Infolgedessen haben viele Bauunternehmen Schwierigkeiten, ihre Arbeiten fertigzustellen“, fasst Niko Demeester zusammen. Insbesondere die Preise für Dämmmaterialien aller Art würden ungebremst in die Höhe schnellen.

Die Entwicklungen an den Rohstoffmärkten sind in den Augen des Verbandsverantwortlichen nicht zuletzt eine Folge der Coronakrise. „Die Nachfrage übersteigt nach wie vor das Angebot“, erklärte Niko Demeester in diesem Zusammenhang gegenüber dem flämischen Rundfunk VRT. Im November 2020, zur Zeit der massiven Einschränkungen im öffentlichen Leben, hätten viele Menschen im Land angefangen „zu bauen oder zu renovieren – und seitdem ist die Nachfrage nach Baumaterialien enorm gestiegen. Einige Produkte haben sich seither bereits im Preis verdoppelt. Gleichzeitig ist auch die internationale Produktion zum Erliegen gekommen“, hebt er hervor.

Abschließend betonte Niko Demeester, dass die Gesamtkosten eines Bau- oder Renovierungsprojekts künftig stark ansteigen könnten. „Wenn man weiß, dass Baumaterialien etwa ein Drittel der gesamten Baukosten ausmachen, dann bedeutet eine 25-prozentige Preiserhöhung, wie sie in den letzten drei Monaten stattgefunden hat, insgesamt Mehrkosten für das Bauvorhaben von etwa 8 Prozent“, so der Verbandschef.

Da Experten derzeit nicht von einer kurzfristigen Entspannung der Situation ausgehen, wird die Preisspirale wohl noch eine Zeit weiterdrehen. Frühestens im Sommer werde mit einer Abkühlung des überhitzten Marktes zu rechnen, heißt es immer wieder. Doch auch diese Aussicht ist alles andere als sicher. Ähnliche Perspektiven geisterten bereits im vergangenen Jahr durchs Land, die Hoffnungen wurden jedoch jäh enttäuscht. (svm)

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