Finanzierung Krankenhäuser auf Prüfstand

<p>Der Einsatz von technischem Gerät, vor allem CT und Röntgen, soll reduziert werden. Unser Illustrationsbild zeigt Dr. Frédéric Marenne (links) und Laborleiter Paul Göbbels (rechts) vor einem hochmodernen Analysegerät zum Nachweis von Covid-19-Antikörpern im Sankt Nikolaus Hospital in Eupen.</p>
Der Einsatz von technischem Gerät, vor allem CT und Röntgen, soll reduziert werden. Unser Illustrationsbild zeigt Dr. Frédéric Marenne (links) und Laborleiter Paul Göbbels (rechts) vor einem hochmodernen Analysegerät zum Nachweis von Covid-19-Antikörpern im Sankt Nikolaus Hospital in Eupen. | Foto: David Hagemann

Eine Reform der Finanzierung der Krankenhäuser des Landes liegt schon lange in den Schubladen des Gesundheitsministeriums. Bereits Maggie De Block (Open VLD), hatte solche Pläne angestoßen. Zur Umsetzung waren sie aber nicht gekommen. Nun wagt sich ihr Nachfolger aus der Reserve und legt seine Pläne vor. Die sollen in erster Linie dazu führen, dass das investierte Geld besser eingesetzt wird. So haben Untersuchungen ergeben, dass in Belgien 50% mehr MRT und Röntgenaufnahmen gemacht werden als im EU-Durchschnitt.

Auch ist Vandenbroucke der nach seinem Dafürhalten zu starke Einfluss der Ärzte auf die Krankenhäuser und ihre Ausrüstung ein Dorn im Auge. Er strebt hier mehr Transparenz, eine größere Unabhängigkeit der Krankenhäuser sowie mehr Gleichgewicht in der Entlohnung der Ärzte an. Die Rede ist von einer Benachteiligung beispielsweise von Kinder- und anderen Ärzten gegenüber Kollegen, die auf kostspieliges medizinisches Gerät zurückgreifen und dadurch höhere Rechnungen ausstellen, die im Endeffekt von den Patienten, aber auch vom Steuerzahler bezahlt werden müssten.

Die Reform wird aber ein langwieriger Prozess werden. So will der Minister bis 2024 ein genaues Bild der Arzthonorare bekommen und dann ein neues Honorarsystem für Ärzte ausarbeiten. Insgesamt hat Vandenbroucke sieben Bereiche unter die Lupe genommen, wie die Kollegen von „De Standaard“ berichten. Die Reform riecht aber auch nach Kosteneinsparungen, von einer Erhöhung der Gelder für den Krankenhaussektor ist in dem Entwurf nicht die Rede.

Mehr Konzentration: Entbindungsstationen sollen größer sein.

Lediglich für die Qualität in den Krankenhäusern will Vandenbroucke mehr Geld aufwenden. Derzeit 50.000 Euro im Schnitt sind in seinen Augen nicht genügend Motivation für die Spitäler, auf Probleme wie z.B. die Ansteckung mit Keimen zu achten. Solche Kriterien sollen in Zukunft bestimmen, wie viel einzelne Häuser für die Qualitätssicherung bekommen. Jedenfalls sollen es mehr als die aktuellen Beträge sein, die sich auf insgesamt sechs Millionen Euro jährlich belaufen. Entspricht 50.000 Euro je Haus.

In einer ersten Phase will der zuständige Minister stärker spezialisierte Krankenhäuser entstehen sehen. Er ist der Ansicht, dass die Qualität einer Behandlung voraussetzt, dass genügend ähnlich gelagerte Behandlungen durchgeführt werden. Es soll also eine Konzentration geben, u.a. für Schlaganfälle, aber auch für bestimmte Krebsbehandlungen wie Speiseröhren- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs. Auch Entbindungsstationen werden nur weiter bestehen können, wenn sie eine gewisse Anzahl Entbindungen pro Jahr vornehmen. Wie viel Einfluss die noch von Maggie De Block eingeführten Krankenhausnetze bei der Festlegung der Spezialisierungen haben werden, geht aus dem Papier nicht hervor.

Bis 2024 will Vandenbroucke – in einem zweiten Schwerpunkt – mehr Transparenz in die Krankenhausfinanzierung bringen. Er findet es nicht zweckdienlich, dass Krankenhäuser von Ärzten abhängen, die in ihren Mauern praktizieren und einen Teil ihrer Honorare an die Spitäler abtreten. Auch soll der Praxis, dass die Spitäler ihre Bilanzen mit der Verschreibung von Medikamenten aus dem roten Bereich zu bringen versuchen, ein Ende gesetzt werden. Dem Minister schweben Pauschalbeträge für bestimmte Behandlungen vor, die alle Aspekte der Behandlung und die verschiedenen Kosten beinhalten sollen. Zwei Jahre Zeit will man sich nehmen, um die Kostenstrukturen der Kliniken zu entwirren und Pauschalbeträge zu erarbeiten.

In einem weiteren Schritt will Vandenbroucke den Rotstift bei der Bildgebung in den Krankenhäusern ansetzen. Das betrifft in erster Linie Computertomographien, aber auch Röntgenaufnahmen, so die Analyse, von denen in Belgien ebenfalls zu viele gemacht würden. Ärzten, die ihre Honorare auf solche Praktiken aufgebaut haben, drohen also Einnahmeverluste. Den Krankenhäusern, die ihnen ihre Räume anbieten, ebenfalls.

Eine weitere Baustelle sind die Übernachtungen, von denen einige nicht nötig seien. Bis 2023 soll hier Abhilfe geschaffen werden. Wann immer möglich, sollen Patienten in der Tagesklinik behandelt und noch am gleichen Tag wieder nach Hause entlassen werden.

Ein ganz dickes Brett zu bohren wird für Vandenbroucke die Überprüfung der Einnahmen der Ärzte sein. Der Minister findet, dass z.B. Geriater und Kinderärzte, die wenig medizinische Technik, gegenüber Ärzten, die diese Mittel oft und gerne einsetzen, honorarmäßig benachteiligt seien. Es geht aber auch um eine Kostenreduzierung gerade im Bereich des Einsatzes von bildgebender Technik wie CT. Drei Jahre sieht der Minister vor, um sich hier einen Durchblick zu verschaffen und die Arzthonorare neu festzulegen.

Wie kurz angedeutet, will man auch die Qualitätsbemühungen der Spitäler stärker belohnen. Vandenbroucke will die hierfür aktuell vorgesehenen 6 Millionen Euro aufstocken und Häuser stärker honorieren, die es schaffen, Infektionen mit gefährlichen Keimen oder sonstige Hygienerisiken zu minimieren.

Bei Zusatzgebühren will Vandenbroucke Obergrenzen einziehen.

Ein letzter Punkt, wo es bereits jetzt eine Neuregelung gibt, betrifft die Gebührenzuschläge, die Ärzte z.B. bei Einzelbettpatienten berechnen. Diese sind seit Beginn dieses Jahres nicht mehr rechtens. Ab 2023 will Vandenbroucke aber sicherstellen, dass Zuschläge transparent berechnet und ausgewiesen werden. Bis 2024 will er dann Obergrenzen für Gebühren ziehen, die Ärzte verlangen können.

Soweit die Pläne. Noch ist die Reform am Anfang des Weges. Zum Ende der Legislatur soll sie abgeschlossen wein. Ob sie kommt und wieviel Neuerungen sie bringt, wird auch davon abhängen, wie stark Vandenbrouckes Rückhalt in der Vivaldi-Regierung und Koalition mobilisieren kann.

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