Ärger um Abstellungen von südamerikanischen Nationalspielern

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Neymar kann für Brasilien auflaufen. | Foto: Photo News

Die Rolle des Bittstellers passt so gar nicht zu Gianni Infantino. Doch wenn sogar der machtbewusste Präsident des Weltverbands FIFA nicht um einen flehenden Appell herumkommt, läuft mal wieder etwas gewaltig schief im Fußball. Diesmal sorgen die Länderspiel-Abstellungen der südamerikanischen Stars für massiven Ärger.

„Solidarisch und geeint haben wir gegen Covid-19 gekämpft“, ließ Infantino die Klubs in England und Spanien wissen: „Nun rufe ich alle dazu auf, dafür zu sorgen, dass Nationalspieler für die anstehenden WM-Qualifikationsspiele abgestellt werden.“

Dass die spanische LaLiga und die englische Premier League wenig von dem Aufruf halten, machten ihre Reaktionen klar. Die Spanier klagten vor dem Internationale Sportgerichtshof CAS, der sich trotz des zurückgewiesenen Antrags in einem Berufungsverfahren mit dem Thema beschäftigen wird.

Dabei geht es um 28 nominierte Profis aus Südamerika, die bei den Iberern ihr Geld verdienen. Auch eine Klage vor einem ordentlichen Gericht in der Schweiz steht im Raum.

Die Engländer machen sich nicht einmal die juristische Mühe. Die Premier League lässt fast 60 Profis ganz einfach nicht in die Risikogebiete reisen, die von der britischen Regierung mit Blick auf die Corona-Pandemie auf die sogenannte „Rote Liste“ gesetzt worden sind.

Davon sind die anstehenden Qualifikationsspiele für die WM-Endrunde in Katar (21. November bis 18. Dezember 2022), die vom 2. bis 10. September über die Bühne gehen sollen, massiv betroffen. So muss Brasilien unter anderem auf Roberto Firmino vom FC Liverpool verzichten. Bei Uruguay fehlt Edinson Cavani von Manchester United.

Bislang galt während der Pandemie eine Ausnahmeregel, wonach Klubs ihre Spieler bei drohenden Quarantänen nicht abstellen mussten. Diese Ausnahme entfällt nun jedoch, was vor allem die englischen Klubs stört.

Der Streit zwischen den Ligen und der FIFA hatte sich aber vor allem an der Entscheidung des Weltverbands über den Zeitraum der Abstellung entzündet. Die FIFA dehnte die Periode für die Südamerika-Spiele im September und Oktober von neun auf elf Tage aus - was die Spanier auf die Palme brachte.

LaLiga warf der FIFA vor, „die Autonomie der nationalen Ligen zu verletzen“. Konkret geht es um die spanischen Ligaspiele am 11. und 12. September, bei denen die in Südamerika eingesetzten Spieler nicht zur Verfügung stehen würden, was laut LaLiga „die sportliche Integrität unseres Wettbewerbs bedroht“. (sid)

Der Kritik aus Spanien schlossen sich neben der Premier League auch die italienische Serie A, der französische Ligue 1 und die Deutsche Fußball Liga (DFL) an. Bei allem Streit wird immerhin das Duell der Erzrivalen aus Brasilien und Argentinien am 5. September nicht unter der Abwesenheit der Haupt-Attraktionen leiden. Die wiedervereinten Klubkollegen Lionel Messi und Neymar von Paris Saint-Germain sollen dabei sein - ganz nach dem Willen des FIFA-Präsidenten.

Denn laut Infantino ist die Teilnahme an WM-Qualifikationsspielen „für einen Profispieler eine der höchsten Ehren“ - die Klubbosse sehen das allerdings ganz anders. (sid)

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