In den Niederlanden seien es aber zum Beispiel bereits 150.000. Außerdem sei die breite Bevölkerung nicht ausreichend darauf vorbereitet, im Falle eines Herzstillstandes angemessen zu reagieren: „Dabei zählt in solchen Fällen jede Minute, ja sogar jeder Sekunde“, denkt Jadin, die in einer Mitteilung auf die bisher „markanteste Szene“ während der laufenden Fußball-EM aufmerksam machte.
Dabei erlitt der dänische Nationalspieler Christian Eriksen während des Spiels gegen Finnland vor laufender Kamera einen Herzinfarkt. „Seine Teamkollegen haben vorbildlich reagiert und unverzüglich mit Herzmassagen begonnen, bis kurze Zeit später die Sanitäter, ausgerüstet mit einem Defibrillator, eingegriffen haben. Der Fußballspieler hat überlebt und geht es den Umständen entsprechend gut. Man mag sich aber gar nicht ausmalen was passiert wäre, wenn er nicht sofort Erste-Hilfe erhalten hätte.“
Die Überlebensrate nach einem Herzinfarkt, der außerhalb eines Krankenhauses erlitten werde, liege hierzulande bei nur neun Prozent. „Unser Land schneidet im europäischen Vergleich sehr schlecht ab und befindet sich in der zweiten Tabellenhälfte. In Ländern wie Deutschland, den Niederlanden oder etwa in Skandinavien liegt die Rate deutlich höher, nämlich bei rund 25 Prozent“, so die Abgeordnete. In ihren Augen muss das Land, „aber auch der Belgier an sich“, sich viel mehr mit dem Thema Herzinfarkt auseinandersetzen. „Jeden Tag könnten Menschenleben gerettet werden, wenn wir alle einen Kurs in Erste-Hilfe belegen würden. Die Organisation eines Kurses sollte in der Schule, den Sport-und Freizeitvereinen und den Unternehmen einmal im Jahr müsste verpflichtend werden.“ Sie selbst habe vor einigen Jahren selbst in ihrem familiären Umfeld einen schmerzhaften Verlust aufgrund eines Herzinfarkts bedauern müssen. Sie sei sich sicher, dass dieses Problem in der Politik nicht auf taube Ohren stoßen werde: „Der traurige Vorfall bei der EM ist leider auch eine willkommene Gelegenheit, diese Problematik nochmal in die Öffentlichkeit zu tragen. Je mehr Leute wissen, was bei einem Herzinfarkt zu tun ist, desto höher wird auch die Überlebensrate in unserem Land. Denn die Erste-Hilfe beginnt nun mal bei den Personen, die als erstes an Ort und Stelle sind - das sind in den meisten Fällen keine ausgebildeten Sanitäter.“ Ein weiteres Manko sei die Zugänglichkeit zu den automatischen Defibrillatoren. „Auch hier sieht die BeHRA enormes Verbesserungspotenzial und fordert die Politik auf, mehr Defibrillatoren an öffentlich zugänglichen Plätzen anzubringen. Die Gemeinden könnten hier als erstes und schnellsten reagieren“, schreibt Jadin. (red/sc)

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