Gut gelaunt hatten sich die Vertreter des ZAWM Eupen, des ZAWM St.Vith und des Instituts für Aus- und Weiterbildung (IAWM) am Donnerstagmittag in der Schönberger Freizeithalle eingefunden, um die Konturen des neuen ostbelgischen ZAWM zu präsentieren.
Begonnen hat der Entscheidungsprozess bereits im März 2020 mit der Einsetzung einer Arbeitsgruppe, der jeweils drei Vertreter der beiden ZAWM und als Beobachter der Präsident und die geschäftsführende Direktorin des IAWM angehörten. Nachdem die DG-Regierung ihre Unterstützung zugesagt hatte, folgte im August 2020 die Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung und schließlich vor wenigen Wochen der Beschluss beider Generalversammlungen, zur Jahresmitte beide Zentren zu fusionieren. Konkret über die Bühne wird der Zusammenschluss, bei dem die bestehenden Rechtspersonen verschlossen werden und alle bestehenden Rechte gewahrt werden, am 21. Juni im Zentrum Worriken (Bütgenbach).
So viel zum Zeitplan, doch welche Überlegungen wurden zu Beginn eigentlich angestellt bzw. welches Ziel wird angestrebt? Paul Hennen (ZAWM Eupen) gibt Aufschluss: „Eine gemeinsame VoG mit zwei Standorten, einem gemeinsamen Verwaltungsrat, einem gemeinsamen Direktionsrat, einem gemeinsamen pädagogischen Konzept, einem gemeinsamen Verwaltungskonzept sowie jeweils einem Sekretariat und einem Weiterbildungsangebot pro Standort.“ Dabei solle die Vereinigung in der ausschließlichen Trägerschaft von beruflichen und überberuflichen Vereinigungen stehen, die gemeinsam mit dem IAWM, dem Input der Betriebe und der Lehrerschaft das Handeln am ZAWM und die Inhalte der Unterrichte prägen.

Ria Neuville-Faymonville (ZAWM St.Vith) sprach bei den Mehrwerten von bewährter Qualität durch erarbeitete Standards, Bündelung übergeordneter Interessen, klarer Identitätsverankerung, der Abschaffung des Konkurrenzdenkens, der Sicherung von Jobs, einer einheitlichen Betriebskultur und einem attraktiven Arbeitgeber.
Danny Havenith, Präsident des ZAWM Eupen, ging auf die bedeutenden Annäherungen ein, die es in den letzten Jahren bereits gegeben habe. Durch gemeinsame Direktortreffen, Workshops und zentrumsübergreifendes Arbeiten sei es schon „normal“ gewesen, zusammenzuarbeiten.
Das fusionierte ZAWM wird rund 35 Vollzeitäquivalente (Direktion, Koordinationslehrer, festangestellte Lehrer, Verwaltung) sowie rund 200 nebenberuflich tätige Lehrer beschäftigen. Es sei das ausdrückliche Ziel, diese Arbeitsplätze zu erhalten. Auch werden die Arbeitsverträge in der neuen Struktur bestehen bleiben, dazu zählen auch das Gehalt und die Dienstjahre. Das Personal sei durch drei Schreiben über den Prozess und seine Rechte informiert worden.
Die Taskforce spricht in Bezug auf Unruhen am Standort St.Vith von einer Minderheit.
Angesprochen auf mögliche Unruhen in der Belegschaft des ZAWM St.Vith (siehe GrenzEcho vom 19. Mai) wollten die Gesprächspartner nicht zu sehr ins Detail gehen. „Wir wollen uns nicht zu persönlichen Fragen äußern“, meinte Manfred Weber, Präsident des ZAWM St.Vith. Der Unmut habe „nichts mit der Fusion als solche zu tun“. Die letzten Monate seien auch aufgrund der Coronakrise und des Fernunterrichts kräftezehrend gewesen, was die Menschen „bis an ihre belastbare Grenze“ und zu Krankenständen geführt habe. „Es sind aber Lösungen gesucht und teilweise gefunden worden.“
Als Außenstehender wollte sich auch Danny Havenith dazu äußern, indem der Eupener Präsident nochmals auf den ständigen Dialog mit den Gewerkschafts- und Lehrervertretungen hinwies. Die Unzufriedenheit sei nicht bei einer Mehrheit des Personals zu spüren. „Wenn Einzelpersonen eine andere Sicht auf die Dinge haben, ist es ihr gutes Recht. Als Taskforce wollen wir dem aber deutlich widersprechen.“
Der Weggang verschiedener Verantwortungsträger in St.Vith sei „bedauerlich“, so Havenith. Während Direktor Erich Hilger in Pension gehe, werde sein Stellvertreter Thomas Niederkorn das ZAWM St.Vith zum Ende des Monats verlassen. „Kurzfristig werden die Lücken durch die Bezeichnung neuer Personen oder durch Verschiebung von Funktionen aufgefangen.“
Konkret bedeutet das für den Standort St.Vith, dass Ludwig Bastiaansen zwei Tage pro Woche ad interim eingestellt wird. Er wird den Fusionsprozess begleiten und der erste Ansprechpartner für das Personal und die Betriebe in der Eifel sein.
Der Flame ist kein Unbekannter, war er doch bis zuletzt Interimsdirektor der Klinik St. Josef. Dort wird er eigenen Angaben zufolge in den nächsten drei Monaten noch beschäftigt sein, um bestimmte Projekte im Hinblick auf die Zusammenarbeit im Netzwerk MOVE mit dem Referenzkrankenhaus CHC MontLégia in Lüttich fortzuführen. Die zusätzliche Aufgabe beim ZAWM habe ihn gereizt, weil sie „grenzenlos“ sei und das „Gemeinsame“ im Mittelpunkt stehe.

Wie eingangs von Paul Hennen erwähnt, wird ein gemeinsamer Direktionsrat das ostbelgische ZAWM führen. An der Spitze werden ein Direktor und ein Stellvertreter stehen. Für die Ausschreibung des Führungspostens bedarf es eines neuen Erlasses durch das Ministerium der DG, da dieser bisher nicht besteht. An jedem Standort wird ein pädagogischer Leiter der direkte Ansprechpartner sein. Bis zur Verabschiedung des Erlasses und der Einstellung eines neuen Direktors wird das neue ZAWM vorübergehend vom Direktionsrat geleitet, dem Thomas Pankert vorsteht.
Das fusionierte ZAWM wird mit einem Budget, einer Finanzverwaltung und einer Unternehmensnummer funktionieren. „Es wird verschiedene Skaleneffekte geben, aber die Fusion hat keineswegs zum Ziel, die Finanzzuwendungen des IAWM zu kürzen“, machte Manfred Weber deutlich, dass es nicht um eine Kostenersparnis gehe.
Es werde auch nicht darum gehen, „einen Standort auf Kosten des anderen zu stärken oder zu schwächen, sondern die Potenziale voll auszuschöpfen“, gab Havenith an. Entscheidend seien die Nachfrage, die rechtlichen Rahmenbedingungen und übergeordnete Entscheidungen.
Das praktische Ausbildungsangebot bleibt 2021/22 unverändert.
Das neue Schuljahr 2021/22 wird in der praktischen Durchführung der Lehrlings-, Meister- und Bachelorkurse ohne Änderung gegenüber den Vorjahren starten. Bis Ende 2021 sollen die Abteilungen Weiterbildung mit einem Angebot und einer Personalstruktur sowie die Verwaltung (Buchhaltung, Personalwesen mit einem Sozialsekretariat und einer Software) zusammengelegt werden.
Die erste gemeinsame Diplomfeier soll im Herbst 2021 und der erste gemeinsame Neujahrsempfang im Januar 2022 über die Bühne gehen.
„Um das fusionierte ZAWM mit Leben zu füllen, laden wir alle Mitarbeiter ein, den Prozess zu unterstützen“, stellte Danny Havenith in diesem Zusammenhang eine Reihe von Workshops in Aussicht und versprach, dass die nächsten Schritte „mit Bedacht und in Zusammenarbeit mit dem Personal“ geplant werden.

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