Bürger legen 30 Empfehlungen für mehr Inklusion in Schulen vor

<p>Als Sprecher der Bürgerversammlung stellte Bernd Scherer (3.v.l.) die Ergebnisse der bisherigen Treffen rund um das Thema „Inklusion macht Schule» vor, ehe Ausschussvorsitzende Liesa Scholzen, PDG-Präsident Karl-Heinz Lambertz und Ministerpräsident Oliver Paasch (v.r.n.l.) der Katalog mit den Empfehlungen der Bürgerversammlung überreicht wurde.</p>
Als Sprecher der Bürgerversammlung stellte Bernd Scherer (3.v.l.) die Ergebnisse der bisherigen Treffen rund um das Thema „Inklusion macht Schule» vor, ehe Ausschussvorsitzende Liesa Scholzen, PDG-Präsident Karl-Heinz Lambertz und Ministerpräsident Oliver Paasch (v.r.n.l.) der Katalog mit den Empfehlungen der Bürgerversammlung überreicht wurde. | Foto: Ralf Schaus

„Inklusion macht Schule – Welche Veränderungen brauchen wir im Bildungsbereich, damit Inklusion ein Gewinn für alle wird?“ lautet der offizielle Titel des Empfehlungskatalogs. Als Sprecher der Bürger erklärte Bernd Scherer aus Eupen, dass sich die Bürgerversammlung darauf verständigt habe, das Thema auf den Bereich der Schulbildung einzugrenzen. Schnell habe man festgestellt, dass das Thema sehr umfassend sei und sich schließlich auf das Grundschulwesen konzentriert.

Auch die berufliche Zukunft von Menschen mit Beeinträchtigung sollte gesichert werden.

Er unterstrich aber auch, dass selbst wenn die Grundschulen inklusiver würden, der weitere Werdegang der Menschen mit Beeinträchtigung nicht aus den Augen verloren werden dürfe. Man müsse Lösungen finden, um die Ansätze aus der Grundschule in die Sekundarschule zu übertragen, denn auch diese sollten inklusiver werden. Und Bernd Scherer ging noch einen Schritt weiter: Auch die berufliche Zukunft von Menschen mit Beeinträchtigung müsse gesichert werden. Man sollte überlegen, wie man diesen Menschen vielfältigere Berufsperspektiven bieten könne und wie die hiesigen Betriebe inklusiver werden könnten.

Schließlich ging Bernd Scherer noch auf die Methodik ein, auf die sich die Bürgerversammlung verständigt hatte, um in das Thema Inklusion einzutauchen. Bemerkenswert sei das Engagement gewesen, mit dem jeder Einzelne diese Aufgabe wahrgenommen habe. Auch privat hätten sich die Bürger engagiert, sodass es nach der Anhörung zahlreicher Experten schließlich möglich war, eine ganze Reihe von Handlungsempfehlungen zu formulieren. Diese Empfehlungen betreffen die Lehrerausbildung, die Entwicklung der Schullandschaft, genauso wie die Unterstützung der Eltern oder die Haltung der Gesamtgesellschaft. Vor allem die Sensibilisierung der Gesamtgesellschaft sei äußerst wichtig. Nur so könne Inklusion in der Schule zu 100 Prozent gelingen.

Die Empfehlungen der Bürgerversammlung sind sehr detailliert, wobei es von der Lehrergrundausbildung über Weiterbildungsmöglichkeiten oder die Struktur der Förderpädagogik auch um Rahmenpläne, einen unabhängigen Dienst zur Elternberatung oder auch um Möglichkeiten geht, wie bereits Kindergartenkinder spielerisch an inklusive Themen herangeführt werden können. Jedenfalls habe die Bürgerversammlung bei ihren Zusammenkünften und ihrer Arbeit festgestellt, dass in Ostbelgien in Sachen Inklusion schon etliche Dinge gemacht und angeboten werden. Dennoch gebe es noch Verbesserungsbedarf.

Den Katalog mit den insgesamt 31 Empfehlungen nahmen am Mittwoch PDG-Präsident Karl-Heinz Lambertz (SP), Ministerpräsident Oliver Paasch (ProDG) und Liesa Scholzen (ProDG) als Vorsitzende des PDG-Ausschusses für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung entgegen. Lambertz unterstrich die Wichtigkeit des Bürgerdialogs und der damit einhergehenden Arbeit von Bürgerrat und Bürgerversammlung. Das sei gelebte partizipative Demokratie.

Inklusion sei ein wichtiges Thema und es sei auch wichtig und richtig, dass die Bürgerversammlung das Thema eingegrenzt habe. Er erinnerte aber auch daran, dass die DG seit 1990 mit der Schaffung der damaligen Dienststelle für Personen mit Behinderung – heute Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben – in Sachen Inklusion aktiv sei. Die Politik sei sich auch der Tatsache bewusst, dass Inklusion als gesamtgesellschaftliches Thema gesehen werden müsse. Bei 30 von der Bürgerversammlung hinterlegten Empfehlungen komme einiges an Arbeit auf die Politiker zu. Bereits am kommenden 24. Juni finde ein erster Dialog im zuständigen Ausschuss statt, so Lambertz, der ebenfalls darauf hinwies, dass in Sachen Bürgerdialog derzeit drei Dinge parallel liefen: die politische Umsetzung der Empfehlungen des Bürgerdialogs zum Thema „Pflege“, jetzt das Thema Inklusion und schließlich laufe der Aufruf für eine neue Bürgerversammlung (s. Hintergrund). Für das Jahr 2022 sei eine erste Auswertung der Erfahrungen erfolgen, die man bis dahin mit drei von Bürgern behandelten Themen gemacht habe, kündigte Lambertz an.

Als eine wertvolle Ergänzung der Parlamentsarbeit bezeichnete Ministerpräsident Oliver Paasch die von den Bürgern geleistete Arbeit. In einer Demokratie sei dies sehr wichtig, da die Bürger so auch einen Einblick in die Politik erhielten. Eine Demokratie brauche Menschen, die wissen, wie Politik funktioniere, so Paasch. In Bezug auf das Thema Inklusion meinte der Ministerpräsident: „Ich denke, dass schon vieles in Gang gesetzt worden ist. Doch es gibt Weiterentwicklungsmöglichkeiten.“

„Inklusion ist wirklich ein spannendes Thema“, meinte Liesa Scholzen, die erklärte, dass man sich im zuständigen PDG-Ausschuss auch immer wieder damit befasse. Und das Thema Förderpädagogik nehme zurzeit einen wichtigen Platz ein und stehe sozusagen auf dem Prüfstand.

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