Restaurateure rund um Kelmis sind optimistisch eingestellt

Laut einer Studie, die die Wirtschaftszeitung „L’Echo“ beleuchtete, werden die Gastronomiebetriebe bis Ende des Sommers höchstens die Hälfte der üblichen Einnahmen generieren können. Bei einem Viertel der Betriebe prognostizieren die Experten sogar nur 25 Prozent der gewöhnlichen Einnahmen. Es sei mit einer Flut von Schließungen im Horeca-Bereich zu rechnen, so die Vorhersage der Wirtschaftsprofis.

In und um Kelmis freuen sich die Restaurantbetreiber über die jüngsten Corona-Lockerungen.

Ein so düsteres Bild malt Roger Trost vom Restaurant „Saveurs du Tilleul“ in Hergenrath keineswegs. Der Föderalstaat und auch die Deutschsprachige Gemeinschaft hätten dem Horeca-Bereich gut unter die Arme gegriffen, so seine Einschätzung. In der Zeit, in der er keine Kunden im Restaurant empfangen konnte, hat Roger Trost seine Produkte im Lieferservice angeboten und war als Traiteur aktiv. Das ist auch ein Grund dafür, dass er nicht bereits am 9. Juni die Türen seines Lokals öffnete. „Wir haben für dieses Wochenende noch eine Menge anderer Aufträge abzuwickeln, die wir vor längerer Zeit angenommen haben“, erklärt er.

Als der Startschuss zur Eröffnung der Terrassen fiel, hat er sich ebenfalls zurückgehalten. „Wir bieten mehrgängige Menüs an. Da sitzt man auch schon Mal ein paar Stunden am Tisch. Solange wir die Gäste nur auf der Terrasse empfangen konnten, hätten wir bei schlechtem Wetter wie beispielsweise bei einem Regenschauer keine Ausweichmöglichkeit gehabt“, so Trost, der daher davon abgesehen hat, seine Gerichte auf der Terrasse zu servieren. Erst ab dem 18. Juni will er voll durchstarten – innen und außen. Für dieses Datum sind auch schon erste Reservierungen eingegangen. Der Koch und sein Team beginnen, alles auf Vordermann zu bringen, um die Gäste dann gebührend empfangen zu können.

Letzte Hand legen auch Silvan Brandt und Grégory Willems an. Für sie ist heute der große Tag: die Eröffnung ihres „Appart culinaire“. Sie starten mit einem ganz neuen Konzept. In den eigenen vier Wänden in Gemmenich werden sie künftig immer nur freitags und am Wochenende Gäste empfangen und ihnen eine ausgewählte Speisekarte mit vielen regionalen Produkten bieten. Im Weinkeller stapeln sich die Champagner- und Weinkisten, die Terrasse ist auf den letzten Drücker fertig geworden und bietet einen Blick auf den Garten des Paares. „Ich war schon viele Jahre in der Gastronomiebranche tätig. Trotzdem bin ich richtig aufgeregt. Ich freue mich auf die Eröffnung wie ein Kind auf Geschenke“, erklärt Gregory Willems, der sein Können bereits im Restaurant „Gregalin“ unter Beweis stellte. Die Gerichte, die er den Gästen nun anbieten wird, hat er bereits dreimal vorgekocht. „Wir haben immer noch eine Kleinigkeit verändert, weiterentwickelt und verbessert. Es soll alles perfekt sein, wenn es losgeht“, so sein Anspruch. Das sei aber nur möglich, weil die Anzahl der Gäste auf maximal 18 begrenzt wird. Silvan Brandt und Gregory Willems hoffen jedenfalls, dass ihr ungewöhnliches Projekt Anklang findet.

<p>Bei Alain und Roger London im „Alt Keris“ läuft der „Normalmodus“ wieder an.</p>
Bei Alain und Roger London im „Alt Keris“ läuft der „Normalmodus“ wieder an.

Seit Mittwoch läuft im Restaurant „Alt Keris“ wieder „alles normal“. Terrasse und die Innenräume des Restaurants sind zu gewohnten Zeiten geöffnet. Alain London und sein Bruder Roger freuen sich. „Wir sind sehr glücklich darüber. Wir hatten zwar die Terrasse schon seit einiger Zeit geöffnet, aber das Wetter hat uns nicht in die Karten gespielt. Es war bisher eher schwierig“, erklärt Alain London. Die Wetterlage kann aus seiner Sicht Fluch und Segen zugleich sein. Regentropfen verscheuchen die Terrassengäste, Sonnenschein kann sie aber auch dazu animieren, den eigenen Grill zu Hause anzuschmeißen. Daher sei die Möglichkeit, Gäste nun auch im Innenraum des Restaurants willkommen zu heißen, eine wichtige Alternative. Ärgern tut er sich über die Corona-Vorgaben des Föderalstaates. Er hätte sich einen besseren Informationsfluss gewünscht. Manche Maßnahmen, wie die Anzahl der Gäste pro Tische, erscheinen ihm „unlogisch und nicht gut durchdacht“ im Vergleich zu der Anzahl an Besuchern, die man privat empfangen darf. Dennoch ist er guter Dinge. Fürs Wochenende sind schon alle Tische ausgebucht. „Das ist ein sehr positiver Start“, freut er sich.

<p>Im Restaurant „Living“ ist neben der Terrasse nun auch der Innenraum geöffnet.</p>
Im Restaurant „Living“ ist neben der Terrasse nun auch der Innenraum geöffnet. | Foto: privat

Auch bei Aydin Kars im Restaurant „Living“ in Kelmis läuft der Betrieb langsam an. Allerdings wollen die meisten Besucher lieber auf der Terrasse statt im Innenraum sitzen. „Das kann ich gut verstehen. Wer will bei dem Wetter schon rein? Ich glaube, dass einige Leute auch noch etwas ängstlich sind. Sie kommen nur zögerlich. Trotzdem bin ich zufrieden. Wenn das gute Wetter bleibt und nicht noch neue Regeln aufgestellt werden, wird sich die Situation sicher weiterhin positiv entwickeln“, ist er überzeugt.

Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser erste Trend fortsetzt und die Finanzexperten irren.

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